Der Neue Merker

NÜRNBERG/ Opernhaus: SUGAR – Manche mögens heiß. Musical von Jule Styne

Musical-Komödie in Nürnberg: „Sugar – Manche mögen’s heiß“ von Jule Styne (Vorstellung: 8. 1. 2017)

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Sugar-Darstellerin Sophie Berner mit Oliver Severin als Daphne und Andreas Köhler als Josephine (Copyright: Jutta Missbach)

Im Opernhaus Nürnberg spielt man zurzeit die Musical-Komödie „Sugar – Manche mögen’s heiß“ von Jule Styne, die1972 am Broadway in New York ihre Uraufführung unter dem Titel Sugar  erlebte und auf 505 Vorstellungen kam. Die Europäische Erstaufführung fand 1989 in Berlin statt – schon mit der Titelergänzung Manche mögen’s heiß. Das Musical, dessen Libretto Peter Stone nach dem Filmklassiker „Some Like It Hot“ von Billy Wilder verfasste,  basiert auf einer Story von Robert Thoeren. Die Gesangstexte stammen von Bob Merrill, die Übersetzung ins Deutsche nahm Peter Ensikat vor.

Die Handlung des Musicals in versuchter Kurzfassung: „Nobody’s perfect!“ Schon gar nicht die Jazzmusikerinnen Josephine und Daphne, die mit einer Girl-Band für ein Engagement vom kalten Chicago Al Capones ins sonnige Miami reisen. Denn in Wahrheit verbergen sich hinter der weiblichen Fassade die beiden arbeitslosen Musiker Joe und Jerry. Sie sind in Chicago unfreiwillige Zeugen eines Mafiamordes geworden und stehen nun auf der Abschussliste von Gangsterboss Spats Palazzo. Da kommt das Stellenangebot einer Damencombo wie gerufen: Saxofon und Bass, jung, weiblich, dringend gesucht. –  So gehen Joe und Jerry, ausstaffiert mit Perücken, Brustattrappen und Stöckelschuhen, als Josephine und Daphne auf Tournee. Bald sorgt aber nicht nur die neue ungewohnte Identität für Verwirrung und Probleme. In Gegenwart der charismatischen Sugar Kane, Ukulele-Spielerin und Frontfrau der Band, die sich in Florida auf die Suche nach einem millionenschweren Ehemann begeben will, fällt es Joe und Jerry erst recht schwer, als Frau zu leben. Als aber auch noch Spats Palazzo und seine Gang auf der Suche nach den Mordzeugen in Miami auftauchen, macht sich Panik breit. – Auf der Flucht vor den Gangstern gesteht Joe Sugar, dass er sich als Josephine verkleidet hatte. Sie liebt ihn trotzdem und möchte mit ihm und Jerry fliehen. Osgood Fielding, der sich in Daphne verknallt hat, wird zum Fluchthelfer. Obwohl Daphne sich ihm als Jerry zu erkennen gibt, stört das Osgood Fielding nicht im Geringsten, denn „Nobody’s perfect“.

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Der Grazer Thomas Nunner als Manager der Band und Marianne Larsen als seine Chefin (Copyright: Jutta Missbach)

Dem österreichische Regisseur Thomas Enzinger gelang eine temporeiche, herrlich-komödiantische Inszenierung, die beim Publikum bestens ankam. Die Zuschauerinnen und Zuschauer unterhielten sich hervorragend und waren so begeistert, dass sie nach jeder Gesangs- und Tanzeinlage applaudierten. Exzellent auch die Gestaltung der Bühne, die sich  leicht und schnell verwandeln ließ und so das Tempo der Handlung stets hochgehalten werden konnte (Bühne und Kostüme: Toto). Dafür sorgte auch der Dirigent Andreas Paetzold, der die Staatsphilharmonie Nürnberg auf flotte Art leitete und die verschiedenen Musikstile der Partitur in höchster Lautstärke wiedergeben ließ.

Auf hohem Niveau waren die vielen Tanzszenen, deren kreative Ideen (Choreographie: Ramesh Nair) das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Glänzend die Tanzeinlage der betagten Millionäre am Strand von Florida, die sogar die attraktiven Tänzerinnen in den Schatten stellte. Hinreißend auch die witzig-frechen Steppeinlagen der Mafiosi-Bande mit ihren Maschinengewehren (nach einer Idee des Choreographen Gower Champion, 1919 – 1980).

Als Sugar Kane brillierte die gertenschlanke, bereits mit vielen Preisen ausgezeichnete Mezzosopranistin Sophie Berner, die ihre Rolle sowohl stimmlich wie auch tänzerisch exzellent ausfüllte und Marilyn Monroe, mit der sie figürlich keinerlei Ähnlichkeit hatte, vergessen ließ. Beeindruckend die Leistungen des Schauspielers und Schlagersängers  Andreas Köhler als Joe alias Josephine und des Schauspielers Oliver Severin als Jerry alias Daphne. Die beiden tänzelten auf Stöckelschuhen gekonnt „weiblich“ auf der Bühne und glänzten auch als „Sängerinnen“.

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Am Strand von Florida: Sir Osgood Fielding (Richard Kindley) wird von Sugar (Sophie Berner) becirct (Copyright: Jutta Missbach)

Großartig komödiantisch der amerikanische Tenor Richard Kindley in der Rolle des alternden Millionärs Sir Osgood Fielding, der seine Verliebtheit mit Charme und Noblesse ausspielte. Ebenso humorvoll agierte die dänische Sopranistin Marianne Larsen als Sweet Sue, Chefin der „Society Syncopators“, die mit rauem Ton ihre „Untergebenen“ befehligte, darunter auch den Bandmanager Bienstock, der vom Grazer Schauspieler Thomas Nunner mit großer Ergebenheit gespielt wurde. Witzig auch der schwedische Musical-Darsteller  Robert Johannson als Gangsterboss der steppenden Gamaschen-Colombos-Bande und der amerikanische Tenor Timothy Hamel als Gangster Charly Norton.

Das von den Leistungen des Sänger- und Tanzensembles restlos begeisterte Publikum spendete am Schluss allen Mitwirkenden frenetischen Beifall.

Udo Pacolt

 

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