Der Neue Merker

NÖ / Klosterneuburg: KIRCHE, KLOSTER, KAISERIN

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NÖ / Klosterneuburg: KIRCHE, KLOSTER, KAISERIN
Maria Theresia und das sakrale Österreich
Jahresausstellung anlässlich des 300. Geburtstags Maria Theresia
4.
März bis zum 15. November 2017

Fromm und gottesfürchtig

Das Quartett des Jahresausstellungen zu Maria Theresia anlässlich ihres 300. Geburtstags hat das Thema Glauben und Religiosität bewusst schmal gehalten, weil Stift Klosterneuburg natürlich der gebotene Ort ist, Maria Theresia und das sakrale Österreich zu dokumentieren. Allerdings geht es weniger um die Rolle, die die katholische Kirche in ihrem Reich spielte, als vielmehr um die private Beziehung der Kaiserin zu dem Stift, das mit den Habsburgern aufs engste – besonders mit ihrem Vater Karl VI. – verbunden war.

Von Heiner Wesemann

Der heilige Leopold        Stift Klosterneuburg geht auf eine Stiftung des später heilig gesprochenen Babenberger-Herzogs Leopold III. zurück. Die „Schleier-Legende“ zählt zu den berühmtesten Überlieferungen aus der österreichischen Sagenwelt: Hier, wo er den verwehten Schleier seiner Gattin Agnes gefunden hat, wurde das Stift  ab der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet. Hier sind Leopold und Agnes begraben, heute unter dem Verduner Altar, zur Zeit Maria Theresias noch unter einer prachtvollen Gitterkonstruktion, die nicht mehr existiert. Heute Landesheiliger von Niederösterreich, war Leopolds Bedeutung als Heiliger für die Habsburgischen Erblande noch weit bedeutender. Maria Theresias Großvater, der Leopolds Namen trug, veranstaltete alljährlich zum Sterbetag des Heiligen am 15. November eine „Staatswallfahrt“ von Wien nach Klosterneuburg, und selbst, wenn dies nur eine Übernachtung bedeutete, betrug sein Gefolge bis zu 300 Personen.

Klosterneuburg Daniel Gran~1 Klosterneuburg   Klosterneuburg Kaiserliche Tafel~1

Karl VI. und sein Escorial     Es war Maria Theresias Vater, Kaiser Karl VI., der früher König in Spanien gewesen war, der in Klosterneuburg die Möglichkeit sah, sich hier, an Kirche und Kloster angebaut, seinen persönlichen Escorial zu errichten. Die Bauarbeiten gerieten nur bis zu den beiden prunkvollen Kuppeln, es gibt Kaiserappartements (bis heute nahezu unverändert erhalten) und einen Marmorsaal mit einem Deckenfresko von Daniel Gran, das alle Qualitäten des strahlenden Barocks vereinigt. Allerdings hatte Maria Theresia kein Geld, hier den barocken Ausbau des Stiftes weiter zu betreiben (ihr zentrales Interesse galt Schloß Schönbrunn). Die Wallfahrten, die sie seit Kindestagen unternommen hatte, behielt sie lange bei, bis sie diese 1765, im Jahr ihrer Witwenschaft,  beendete – was nicht nur für den Wiener Hof eine finanzielle Erleichterung darstellte, sondern auch für das Stift, das stets eine gewaltige „Hoftafel“ mit Austern und Leckereien auszurichten hatte. Das Stift gab übrigens jedem Pilger, der zu ihnen kann, einen „Leopold-Pfennig“ – einige davon sind in der Ausstellung zu sehen.

Klosterneuburg Erherzogshut  x~1

Der Erzherzogshut     So bedeutend der sakrale Rang von Klosterneuburg war und ist, so ist man hier als Hüter des „Erzherzogshuts“ auch für die Monarchie „staatstragend“ gewesen. Da es vor 1806, als Maria Theresias Enkel das „Kaisertum Österreich“ konstituierte, nur ein „Erzherzogtum“ gab, für das zwar eine Krönung, allerdings unter dem Namen „Erbhuldigung“ vorgesehen war, ist dieser Erzherzogshut die erste „österreichische Krone“ und durfte das Kloster nur für die Feier der Erbhuldigung in Wien verlassen. Es war das erste große Zeremoniell, das Maria Theresia am 22. November 1740 – nur einen Monat nach dem Tod des Vaters am 20. Oktober 1740 – als Nachfolgerin konstituierte, obwohl sie „nur eine Frau“ war. Die Ausstellung in Klosterneuburg stellt einen Teil des Erbhuldigungszuges, mit Maria Theresia in einer Sänfte nach (sie war mit ihrem vierten Kind schwanger, es sollte – was damals noch niemand wusste – der erste Sohn und damit der heiß erwartete Thronfolger sein). Der Hut (die Krone) wird samt Szepter und Apfel feierlich voran getragen. Es ist nur eine „Puppen-Prozession“, aber man kann dahinter auch noch einen Dokumentarfilm über den Erzherzogshut betrachten.

 

Die Pracht der Paramente    Die Ausstellung beginnt in der Schatzkammer des Stifts, die berühmt ist für ihre Reliquiare und liturgischen Gerätschaften, vor allem aber für ihre Paramente, also die reich bestickten und geschmückten Ornate, von denen einige direkt auf Maria Theresia Bezug nehmen. Sie hat dergleichen kostbare Stücke – oft von den „Englischen Fräulein“ in St. Pölten hergestellt – besonders gerne verschenkt. Der so genannte Maria Theresien-Kasel mit reichem Blumenschmuck ist nur eines von vielen Meisterwerken sakraler Stickkunst. Maria Theresia galt als große Verehrerin einer berühmten stehenden Kinder-Jesus-Statue, des so genannten „Prager Jesulein“ (die Schatzkammer zeigt eine Kopie aus dem 18. Jahrhundert), von dem Wundertaten überliefert sind und dem sie auch ein Gewand gestiftet haben soll. Wenn man später in die Kaiserlichen Gemächer kommt, findet man gleich nach dem Marmorsaal prominent einen so genannten „Thronus“ ausgestellt, das erste bekannte Geschenk Maria Theresias an Klosterneuburg aus dem Jahre 1740. Der reich bestickte Behälter war dazu gedacht, die Monstranz zu „ummanteln“.

Klosterneuburg MaTh  Unterschrift~1

Aus eigener Hand    Von ähnlicher Bedeutung für das Stift ist im gleichen Raum ein Dokument, in dem Maria Theresia die Rechte des Stifts bestätigte – was sich die Äbte von jedem neuen Herrscher erbaten. Zur Sicherheit. Das Stift besitzt auch noch andere Originale, etwa ein Kondolenzschreiben aus eigener Hand der Kaiserin. Besonders bedeutend ist das Schreiben, in dem sie um Überlassung des Erzherzogshuts für ihre Erbhuldigung „bittet“.

Klosterneuburg Dekret~1

Auf Maria Theresias Spuren     Man schreitet im zweiten Teil der Ausstellung, den Kaiserzimmern, durch Maria Theresias „fromme“ Geschichte – sie war eine gläubige, praktizierende Katholikin, die auch noch im Tod bewusst ihrem Gott entgegengehen wollte. Allerdings ist es durchaus nicht klösterliche Bescheidenheit, sondern imperialer Prunk, dem man in diesen Räumen begegnet – eine gedeckte Tafel vermittelt den Eindruck, wie man zwischen Gobelins und Kandelabern speiste. Man sieht reichlich kostbares Porzellan, und prunkvolle Möbel und Gemälde geben einen Eindruck der damaligen Lebensform. Viele Bilder und Ausstellungsobjekte beziehen sich dabei naturgemäß auf Maria Theresias große Familie, Jubelschriften zeigen, mit welchem „Frohlocken“ jedes einzelne Kind begrüßt wurde. Immerhin haben zehn ihrer 16 Kinder das Erwachsenenalter erreicht, davon vier Söhne: der jüngste, Maximilian Franz (1756-1801), schlug, wie es in Fürstenfamilien oft der Fall war, die geistliche Laufbahn ein und wurde Erzbischof und  Kurfürst von Köln.

Klosterneuburg   Locke~1 Klosterneuburg a  Blumenschere und Schreibfeder~1

Eine Locke, eine Blumenschere    Den persönlichsten Zugang zu Maria Theresia findet man im Eckzimmer, wo in einer Vitrine, die von einer weißen Porzellanbüste der Herrscherin gekrönt wird, „Devotionalien“ zu finden sind: Offenbar hat sie einmal eine Haarlocke gespendet, und man hat ein Glas, eine Blumenschere und eine Feder, die sie während ihres Klosterneuburger Aufenthalts benützte, sorglich aufbewahrt. Daneben befindet sich ein opulent ausgestattetes Nähkästchen, das in Form einer Orgel gestaltet ist…

Am Ende weiß man, dass das Stift seine eigene Beziehung zur frommen Kaiserin schön und würdevoll thematisiert hat. Die religiösen Spannungen, die dieses 18. Jahrhundert kennzeichneten, hat man ausgeklammert. Klosterneuburg ist für die positiven Seiten des Katholizismus zuständig.

Stift Klosterneuburg:
Kirche, Kloster, Kaiserin
Vom 4. März bis zum 15. November 2017
täglich 10.00 – 17.00 Uhr, Sommersaison ab 1. Mai, täglich 9.00 – 18.00 Uhr

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