Der Neue Merker

NEW YORK/ Wien Cineplexx/ Die Met im Kino: LA TRAVIATA mit Sonya Yoncheva als dramatische „Traviata“

Cineplexx-Studio Village Cinemas Wien Mitte:

MET IM KINO MIT SONYA YONCHEVA ALS DRAMATISCHE „TRAVIATA“ – 11.März 2017

Keine andere Produktion von Verdis „La Traviata“ hat ähnlichen Kultstatus erreicht wie die Inszenierung in Salzburg 2005 durch Willy Decker und Wolfgang Gussmann mit dem Traumpaar Netrebko-Villazon (plus Thomas Hampson als  hochkarätigem Vater Germont). Die zeitlose Ansiedlung der Kameliendame mit rotem Kleid (und roter Sitzgarnitur) als bedrohliches Spiel rund um den Tod – symbolisiert durch eine riesige Lebensuhr und den Arzt als „Toten-Wächter“– gehört wohl nicht nur für Netrebko-Fans zur immer wieder als „Auffrischungshilfe“ benutzte DVD-Schatztruhe. Seit 2010 gibt es eine Weiterentwicklung der Salzburger „Traviata“ an der Met und in dieser Saison hat man drei Teams zur Auswahl. Eine davon war am Samstag, den 11.März 2017, live zu erleben,

Unter der Leitung des 53jährigen Nicola Luisiotti (er ist seit 9 Jahren Chef der San Francisco – Opera) konnte man den bulgarischen „shooting star“ Sonya Yoncheva in der Titelrolle erleben. Sie gehört in die Katagorie „dramatische Violetta“, die in der Arie an ihre Grenzen stößt und auch im Finale zur Schärfe neigt. Auch die Elegik in der Arie im letzten Bild nimmt man ihr nicht wirklich ab. Diese Traviata leidet nicht an der Schwindsucht. Aber ihr vitales Aufbegehren gegen die Fesseln der Konvention, ihr Ringen um die erste und letzte wirklich große Liebe geht unter die Haut. Dazu kommt, dass Sonya Yoncheva über eine wirklich schöne, dunkle Mittellage verfügt und dort auch ihre Belcanto-Qualitäten ausspielt . Immerhin singt sie ja auch Mimi und Desdemona. Mich erinnert sie an die polnische Diva Teresa Zylis-Gara, die vor allem im 2.Akt punktete. Die große  Szene mit Giorgio Germont – ausgezeichnet Thomas Hampson – wurde auch diesmal zum Höhepunkt einer Met-Vorstellung, die ansonsten in die Kategorie „Alltags-Routine“ gehört. Der 33jährige US-Tenor Michael Fabiano, der sein Bühnendebüt in Klagenfurt mit dem Alfred in „La Traviata“ hatte, kann mit dem Attribut „Vielversprechend“  versehen werden, überzeugt wird aber nicht wirklich. Dennoch möchte man mehr von dem US-Tenor hören.                                    

 Ausgezeichnet jedenfalls das Orchester der Metropolitan Opera unter  der Leitung des Italieners Nicola Luisiotti, im Totaleinsatz der Chor der Metropolitan Oper (der auch die Tanzszenen übernimmt). Von den vielen Chargen muss man zwei erwähnen: Jane Bunnell ist eine herbe und doch warmherzige Annina und James Countney  ein geheimnisvoller „Unheilsbote“ Dr. Grenvil.

Die echte Sensation war jedoch die Regie von Willy Decker und die Ausstattung von Wolfgang Gussmann. Sie fasziniert auch ohne Netrebko und Villazon. Und sie beweist, dass man nicht „zertrümmern“ muss, wenn man kluge Neudeutungen anbietet.         

Peter Dusek

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