Der Neue Merker

NEU: Bach Kantaten und andere Reformationsmusiken

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NEU: Bach Kantaten und andere Reformationsmusiken – harmonia mundi CDs

1) REFORMATION 1517-2017

Genau 500 Jahre nach dem Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther an der Wittenberger Schlosskirche im Oktober 2017 versuchen im Jubiläumsjahr 2017 verschiedene Musiker, das außerordentliche theologische, kulturelle und geistige Erbe der europäischen Reformation und Gegenreformation mit exemplarischen  Aufführungen vor allem der Musik Johann Sebastian Bachs zu würdigen. Auf der vorliegenden CD mit dem Choir of Clare College, Cambridge, des Clare Baroque Orchesters unter Graham Ross werden in chronologischer Reihenfolge Johann Sebastian Bachs beide großen Reformationskantaten „Eine feste Burg ist unser Gott“ BWV 80 und „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ BWV 79, drei auf Chorälen basierende Werke von Mendelssohn („Wer nur den lieben Gott waltrn lässt“), Brahms („Warum ist das Licht gegeben“) und Vaughan Williams („Lord, thou hast been our refuge“) präsentiert, denen jeweils die dem Werk zugrundeliegende Choralmelodie vorangestellt ist. 

Es ist ein sehr schönes, dem festlichen Anlass der Fünfhundertjahrfeier der Reformation würdiges Album geworden, an dem die Solisten (Mary Bevan Sopran, Robin Blaze Counter und gewöhnungsbedürftig, Nicholas Mulroy Tenor und der ganz prächtige Bass Neal Davies) ihren guten Anteil haben. Der Choir des Clare College unter der kundigen und artikulatorisch lebendigen Leitung von Graham Ross folgt bei luxuriöser Tongebung einem typisch instrumentalen britischen Ideal, vibratoarm und überaus hell im Klang. Das Orchester begleitet dynamisch differenziert, bisweilen plagen sich die Naturtrompeten mit der Intonation. Die im April 2017 in der Kirche St. John the Evangelist in London aufgenommene CD profitiert nicht zuletzt von einer ganz vorzüglichen Aufnahmequalität.

2) BACH: BASSKANTATEN mit MATTHIAS GOERNE

Matthias Goerne, Lieder-Sänger von Gnaden, hat sich in letzter Zeit vor allem im dramatischen Bariton-Fach auf den Opern- und Konzertbühnen u.a. als Jochanaan und Wotan versucht. Mit den berühmten Basskantaten von Johann Sebastian Bach „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“, BWV 56 und „Ich habe genug“, BWV 82, kehrt er sozusagen zu seinen angestammten Wurzeln zurück. 

Den andachtsvollen, melancholisch bis düsteren Arien begegnet Matthias Goerne diesmal nicht ohne deklamatorische und interpretatorische Manierismen, die Koloraturen geraten allzu behäbig. Natürlich weiß Goerne Texte zu gestalten, der Partitur eine dramatische Wort-Ton Dialektik abzuringen. Allerdings zeitigt offenbar die Befassung mit den großen Opernrollen ihren Tribut. Die Stimme ist für dieses Repertoire eigentlich zu üppig und voluminös geworden, auch fehlt dem Bass bisweilen ein Quentchen an Kern und Fokus. Mir ist die Aufnahme auch zu hallig geraten.

Zwischen den beiden Kantaten erklingt Bachs Konzert für Oboe d‘amore. Das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Gottfried von der Goltz ist hier ganz in seinem ureigenen Element und kann zeigen, wie schlafwandlerisch es sich die Musik Bachs angeeignet hat. Katharina Arfken, Mitglied des Orchesters, überzeugt als Solistin mit eleganter Leichtigkeit, schlankem Ton und spielerisch überschäumenden Verzierungen. 

Dr. Ingobert Waltenberger

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