Der Neue Merker

MÜNSTER/ Überwasserkirche: ELIAS von Mendelssohn

Münster:   Mendelssohn  „Elias“ – Überwasserkirche am 23. Mai 2015

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Foto: Familie Schepper

Viele wie alt wiederaufgebaute Kirchen gibt es in Münster, auch einen normalerweise schmalen Fluß namens „Aa“ – von lateinisch aqua! Eine Kirche liegt vom Dom her gesehen hinter diesem Flüßchen und heißt deshalb „Trans aquam ecclesia“ oder „Überwasserkirche“ Hier wurde am Samstag aufgeführt von Felix Mendelssohn  das Oratorium „Elias“ für vier Solostimmen, Chor und Orchester op. 70, veranstaltet vom Philharmonischen Chor Münster – lauter stimmlich begabte Enthusiasten – und seinem Leiter Martin Henning

In wenigen Oratorien findet man so viel opernhafte Szenen wie im „Elias“ Da Israel sich von Gott abgewendet hat, verkündet Elias grosse Dürre. Durch Anrufung Gottes läßt er den Sohn einer Witwe vom Tode auferstehen, läßt im Gegensatz zu den Anhängern des Baal Feuer vom Himmel stürzen und läßt es regnen – da jubelt das Volk ihm zu. Das währt nicht lange, angestiftet durch die Königin wendet sich das Volk wieder Baal zu und verurteilt Elias zum Tode. Er kann in die Wüste fliehen, resigniert wegen seines Mißerfolgs. Gott erscheint ihm auf dem Berg Horeb,  und er fährt in den Himmel. Weissagung ergeht auf den kommenden Retter des Volkes Israel.

Der Chor ist Hauptträger des Geschehens. Deshalb kam Verstärkung durch den Kammerchor Rheine, einer Stadt etwa 40 km nördlich von Münster.  Geleitet wird dieser Chor ebenfalls von Martin Henning, sodaß insgesamt ungefähr 130 Chorsänger auf dem Podium  standen. Als Israeliten, Baalspriester, Kommentator des Geschehens haben sie schwierige kontrapunktische auch fugierte Sätze zu singen,  sowie Rezitative,  fast einstimmige Hymnen und choralähnliche Strophen, teils zusammen mit dem Solistenquartett – eine Nummer zu groß für „Laienchöre“? Das war nicht der Fall, wie die Aufführung zeigte! Bei mehrstimmigen Stellen waren die einzelnen Stimmen durchhörbar, so weit es die Akustik des Kirchenraums zuließ. Als Beispiele seien genannt  aus dem I. Teil das Fugato „Wohl dem der den Herrn fürchtet“ oder der  Schlußchor „Dank sei Dir Gott“ Trotz zahlenmässiger Unterlegenheit gilt dies auch für die Herren, das  wurde etwa beim  Einsatz der Tenöre im erstgenannten Fugato deutlich. Auch beeindruckten alle Herren bei ihrem Einsatz „Einer erwacht vor Mitternacht“  im II. Teil. In allen Chören überstrahlten die Damen höhensicher dann doch das musikalische Geschehen. Beeindruckend gewaltig teils unisono klangen die Chöre beim wenn auch vergeblichen Anruf „Baal erhöre uns“ oder wenn sie Elias in stürmischen Rhythmen gen Himmel fahren liessen. Höhepunkt war dann die Beschreibung der drei Naturgewalten, Sturm Erdbeben und Feuer, mit dem plötzlichen Wechsel nach p, als der Herr stattdessen im „sanften Säuseln“ erscheint.

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Foto: Familie Schepper

Ganz hervorragend besetzt waren die vier Solopartien, allen voran Thomas Laske  als Elias. Immer textverständlich bis in die tiefen Töne seiner Basspartie machte er die emotionalen Wandlungen der Partie deutlich, flehend um des Herrn Beistand, höhnisch und spöttisch  über den Mißerfolg der Anrufung Baals, strafend-klingend in den Koloraturen der Arie vom „Hammer der Felsen zerschlägt“ und als Höhepunkt resignierend bei „Es ist genug“ Ganz dramatisch begann Susanne Berhard mit ihrem hellen Sopran in der Sorge um ihr verdurstetes Kind. Legatobögen und weiches p hörte man dann zu Beginn des II. Teils „Höre Israel“ Gerhild Romberger beeindruckte mit ihrem Mezzo  sowohl als überheblich-stolze Königin wie auch eindringlich legato und p singend als Engel bei „Sei stille dem Herrn“  Völlig textverständlich und  mit unangestrengtem  Legato bei Spitzentönen sang Markus Schäfer die Tenorpartie von Obadjah und Ahab, vor allem etwa bei „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ Ein besonderes Lob gebührt dem Knabensopran des jungen Solisten der Chorakademie Dortmund glockenrein intonierend und ganz ohne Orchester das hohe a treffend .

Die Kölner Vokalsolisten haben sich eigentlich auf Neue und ganz Neue Musik spezialisiert, hier sangen sie die Soloquartette vor allem das Doppelquartett „Er hat seinen Engeln befohlen“ Drei Damen hatten die Freude den heimlichen Hit des Stücks, den a-capella Gesang der Engel „Hebe Deine Augen“ zu singen.

Martin Henning ließ gleich zu Beginn das  Sinfonieorchester Münster die fugierte Ouvertüre zügig spielen und leitete überlegen mit exakten Einsätzen  das musikalische Geschehen. Im Orchester sind hervorzuheben  die weich klingenden Bläser. Von den instrumentalen Soli sei beispielhaft gelobt die Oboe beim Klagen der Witwe und vor allem das Cellosolo von Monika Krack zur Bassarie „Es ist genug“
Wichtige Passagen wurden akzentuiert hervorgehoben.. Beispielhaft sei genannt, wenn im triumphalen Schluß-„Amen“  in den Chorbässen deutlich wieder

zu hören war das sogenannte „Fluch-Motiv“, das die ersten Worte des Elias begleitet. So konnte auch  dadurch die formale Einheit des monumentalen Werkes deutlich werden.

Die Aufführung war ausverkauft, vor Beginn sah man vor der Kirche  Wartende, die noch auf Karten hofften. Die  Platz gefunden hatten, spendeten zuerst ergriffen, dann andauernd und herzlich Beifall, wie heute üblich auch stehend, mit Bravos vor allem für den Sänger des Elias und den Dirigenten.

Sigi Brockmann

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