Der Neue Merker

MÜNCHEN/Prinzregententheater: JUNGE CHOREOGRAPHEN /Bayerisches Staatsballett

München: Bayerisches Staatsballett: Ballettabend „JUNGE  CHOREOGRAPHEN“ im Prinzregententheater, 01.07.2017

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Ballett „Out of Place“ mit Séverine Ferrolier udn Matej Urban. (c) Wilfried Hösl

Nach einigen Jahren zeigte das Bayerische Staatsballett wieder einmal einen „Junge Choreographen“ – Ballettabend. Dabei waren diesmal nicht –wie früher üblich- ausschließlich Kreationen von Mitgliedern des Münchner Ensembles zu sehen, sondern mehrheitlich Stücke von Tänzern anderer Companien, die sich bereits einen Namen als Choreographen gemacht haben: Benoît Favre vom Züricher Ballett, Andrey Kaydanovskiy aus Wien, Anton Pimonov vom Mariinsky Ballett St. Petersburg und Dustin Klein, Halbsolist beim Bayerischen Staatsballett.

Im ersten Teil sah das Publikum zwei stilistisch ähnliche Stücke „Mama, ich kann fliegen“ von Dustin Klein (Musik: Georg Vorsamer) und „Out of Place“ von Benoît Favre (Musik: Antonio Vivaldi /Bearbeitung: Joel Gilardini). Beide Stücke, in denen sich Ensembles, Pas de deux und Soli von sieben bzw. acht Tänzern abwechselten, bestanden aus einem aus dem neoklassischen Tanz entwickelten Modern Dance mit mehrheitlich erdverbundenen Bewegungen und vielen gebrochenen Linien. „Mama, ich kann fliegen“ wirkte, auch durch die geometrisch angeordneten Lichtsäulen und die farbige Beleuchtung dynamischer, klarer und optimistischer, wohingegen sich „Out of Place“ durch weich fließende Bewegungen auszeichnete, die dem Stück zusammen mit der dunklen Atmosphäre und den schlichten grauen Kostümen einen eher melancholischen Charakter gaben. Die Stücke des zweiten Teils hätten dagegen unterschiedlicher kaum sein können. In „Marimba Dances“ von Anton Pimonov entfaltete sich die ganze Schönheit neoklassischen Tanzes zu rhythmischen, aber dennoch weichen Marimba-Klängen von Alexandre Rabinovitch-Barakowsky. Drei Tänzerinnen (Ksenia Ryzhkova, Kristina Lind und Prisca Zeisel) und vier Tänzer (Alexey Popov, Dimitry Vyskubenko, Konstantin Ivkin und Stefano Maggiolo) traten in wechselnden Formationen auf und zeigten in den höchst anspruchsvollen Schrittkombinationen nicht nur ihr technisches Können, sondern auch Eleganz und Bühnenpräsenz. Pimonov sorgte mit den unterschiedlichen Ensembles und oft auch überraschenden linearen Anordnungen dafür, dass seine Choreographie frisch und modern wirkte.

Für mich persönlich waren die „Marimba Dances“ das ausgereifteste Stück des Abends. Andrey Kaidanovskiy zeigte mit „Discovery“ dann zu guter Letzt die einzige erzählerische Choreographie des Abends. Laut Programmheft ging es um die „evolutionäre Entwicklung [des Menschen] und das Tierische in uns“. Dargestellt wurde dies in einer Bürowelt mit Drehstuhl und Kopierer durch einen selbstverliebten, tyrannischen Chef (Nicholas Losada), der seine Mitmenschen, respektive Mitarbeiter übel terrorisiert und erniedrigt, so dass sie wie ferngesteuert oder wie eine Herde Schafe oder Hühner herumlaufen, bis sie sich am Ende von seinem Einfluss befreien können und er selbst an seiner Egomanie zugrunde geht. Der Großteil des Publikums fand das Stück lustig, was es wohl auch sein sollte. Mir hat sich der Humor nicht ganz erschlossen und ich hoffe auch, dass niemand, der in seinem Berufsleben schon einmal mit Mobbing konfrontiert war, unter den Zuschauern war.

Insgesamt war es ein interessanter Abend und es ist schön, dass im nächsten Sommer wieder einige „Junge Choreographen“ die Chance haben werden, ihre Werke in München zu präsentieren.

Gisela Schmöger

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