Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Staatstheater am Gärtnerplatz: LA CENERENTOLA – Kini-Alarm im Cuvilliestheater. Premiere

München: Staatstheater am Gärtnerplatz: „Premiere: La Cenerentola“ – Kini-Alarm im Cuvilliés-Theater, 04.11.2015

Die kurze, launig-ernste Rede das Intendanten zog einen kühnen Vergleich vom immer noch unbehausten Gärnterplatztheater, das von Spielstätte zu Spielstatte wandert, zu den Tausenden Flüchtlingen, die ja auch auf der Wanderschaft seien. Zur Geburtstagspremiere – das Staatstheater am Gärnterplatz feierte den 150sten – führte die Wanderung ins Cuvilliés-Theater in der Münchner Residenz. Für die Premiere von Rossinis Cenerentola hatte man Brigitte Fassbaender als Regisseurin gewinnen können. Die ehemalige Mezzosopranistin gab hier zeitgleich mit dem FC Bayern ein Heimspiel und inszenierte die Oper als Hommage an Ludwig II., der 1864 den Bau des Theaters am Gärtnerplatz für das Münchner Volk genehmigte. Das „Dauerschmunzeln“, das Fassbaender dem Publikum auf die Lippen zaubern wollte (Fassbaender in der Abendzeitung vom 1.11.2015: Ich bin glücklich, wenn ein Dauerschmunzeln entsteht.“) stellte sich spätestens mit dem Auftritt des als Prinz verkleideten Kammerdieners Dandini ein: vor einem Modell von Schloß Neuschwanstein erschien er in dem berühmten weißen Hermelinmantel, umgeben vom weißbefrackten Herrenchor, akustisch angekündigt von – Siegfrieds Hornruf!

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Alexandru Aghenie als Dandini (leider gab es dieses Foto nicht mit dem Sänger der Premiere), Herrenchor, © Christian POGO Zach

Vittorio Prato lieh dem Dandini seinen schönen Bariton, der in den Rezitativen manchmal etwas zu leise war, ansonsten aber sehr schön und fokussiert sang. Vielleicht begann das Schmunzeln aber auch schon vorher, wenn Marco Filippo Romano als Don Magnifico seine Auftrittsarie unter der Dusche singt und am Ende eine kleine Plastikente herzt. Ein herrlich komischer Sänger, der keine Slapstick-Einlage scheut und in jeder Lage schöne oder auch schön schräge Töne produzieren kann. Ihm zur Seite seine Töchter, die bösen Stiefschwestern, Mercedes Arcuri als Clorinda und Dorothea Spilger als Tisbe. Beide waren ebenso spielfreudig und mit Mut zu schrägen Tönen, so singt Tisbe einmal mit einem Törtchen im Mund und Clorinda zeigt in ihrer Arie kurz vor dem Ende mit weinerlichen Koloraturen die perfekte Parodie einer Arie der Opera Seria. Den beiden Schwestern hat der Bühnenbildner Dietrich von Grebmer zwei riesige Kleiderschränke gebaut, aus denen sie auftreten, Angelina dagegen, das Aschenputterl, haust im wie ein Kamin gestalteten unteren Teil eines Küchenbuffets.

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Mercedes Arcuri als Clorinda, Diana Haller als Angelina, Herrenchor, © Christian POGO Zach

Gesungen wurde sie von Diana Haller: ein wunderbar weicher lyrischer Mezzosopran, schön gleichmäßig und kräftig in den unteren Lagen, gestaltete sie die Rolle mit großer Intensität. Gegen Ende schlichen sich allerdings ein paar schrille Höhen ein. Ihr Prinz Don Ramiro war Arthur Espiritu, der schon vor einem Monat für das Gärtnerplatztheater in La Sonnambula große Zustimmung erhielt. Ein schön timbrierter Tenor, gerade noch beweglich genug für Rossinis Koloraturen, fehlte ihm manchmal ein Tick Eleganz in der Stimme. Bleibt noch die relativ kleine Rolle des Alidoro: sie wurde von István Kovaćs mit samtigem, nicht immer gleichmäßigem Bass gesungen.

Die Musikalische Leitung hatte Michael Brandstätter, der mit dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz ein flottes, federndes Dirigat hinlegte, manchmal etwas zu laut in dem kleinen Theater, aber immer ohne die Sänger zuzudecken.

Um noch mal auf den „Kini“ zurückzukommen: am Ende fährt der Prinz in einem goldenen Schwanenboot herein und Angelina tritt im Reitkostüm auf: „Sisi“ raunt es im Publikum, „Sisi“ ruft der Herrenchor begeistert. Dann singen sie wieder.

Mit einem Lächeln auf den Lippen ging man nach der Vorstellung zu Sekt und Häppchen ins Foyer: alle Besucher waren eingeladen, den Geburtstag zu feiern.

 

Susanne Kittel-May

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