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MÜNCHEN/ Philharmonie: VALERY GERGIEV UND DIE MÜNCHNER PHILHARMONIKER (Ravel, Tschaikovsky, Rimskij-Korsakov )

MÜNCHEN/Philharmonie: VALERIE GERGIEV und die MÜNCHNER PHILHARMONIKER, 13.5.2017

 Ravel, Tschaikovsky, Rimskij-Korsakov

 Das Publikum dieses Abonnementkonzertes der Münchner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev hatte sich bis 19.00 Uhr pünktlich und vollzählig in der Philharmonie am Gasteig versammelt. Das war keine kleine Leistung, denn an diesem Wochenende war die Stammstrecke der Münchner S-Bahn durch die Innenstadt komplett gesperrt. Man war auf den berühmten „Schienenersatzverkehr“ durch Busse, Trambahnen und die eigenen Füße angewiesen. Mit freundlicher Ironie konstatierte dann das Publikum, dass die Veranstalter mit den Verkehrsverhältnissen nicht ebenso gut zurechtgekommen waren und per Ansage um Verständnis für eine viertelstündige Verspätung baten. Trotz dieses Vorgeplänkels wurde es noch ein hochbefriedigender, begeisternder Konzertabend!

Zunächst erklang elegant und flüssig „Le tombeau de Couperin“, die viersätzige Orchester-Suite von Maurice Ravel (1875-1937), eine Hommage des Komponisten an die französische Musik des 18. Jahrhunderts.

Dann folgten Piotr I. Tschaikovskys „Variationen über ein Rokoko-Thema“, ein Kind der lebenslangen Verehrung und Liebe Tschaikovskys für die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Dabei gab es ein Wiedersehen mit dem jungen Cellisten Andrei Ioniţǎ, der 2014 den 2. Preis beim ARD-Musikwettbewerb in München gewonnen hat. Der 1994 in Bukarest geborene junge Mann studiert nach Anfängen in seiner Heimat seit 2012 an der Universität der Künste Berlin, hat von vielen großen Cellisten gelernt und ist schon mit berühmten Orchestern und Dirigenten aufgetreten, so nun hier mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev. Trotz seiner Jugend tritt Andrei Ioniţǎ sympathisch selbstbewusst auf, sucht aber immer den Kontakt zum Orchester. Sein Ton ist in allen Lagen, auch den extremen, warm und schön und seine Technik scheint makellos zu sein. Vielleicht hätte man sich im Schlusssatz noch etwas mehr Expressivität gewünscht, aber es war in jedem Fall ein großes Erlebnis, ihn erstmals im Konzert in München zu hören. Es gab viel Beifall, auch vom Orchester, Blumen und eine Umarmung vom 1. Konzertmeister.

Der grandiose Höhepunkt des Abends folgte nach der Pause: Nicolai Rimskij-Korsakovs Orchester-Suite „Scheherazade“. Valery Gergiev und das Orchester entfalteten einen Klangrausch, wie man ihn in der Münchner Philharmonie selten erlebt. Der ganze Reichtum der Partitur und alle Klänge des Orients waren zu hören: Romantische Liebe, Lust, Kampf und Wildheit. Fast meinte man sogar, die Düfte eines persischen Gartens wahrzunehmen oder das wogende Meer vor sich zu sehen. Die Geigen-Soli des 1. Konzertmeisters Lorenz Nasturica-Herschcowici und die Holz- und Blechbläser-Solisten begeisterten ebenso wie die Streicher mit ihrem warmen, dunklen Klang. 

Am Ende starker Applaus eines enthusiastischen Publikums.

Helga Schmöger

 

 

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