Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Philharmonie: MÜNCHNER PHILHARMONIKER / Gergiev / Trifonov

München: Philharmonie: MÜNCHNER PHILHARMONIKER / Gergiev / Trifonov, 14.02.2017

 

Das Konzert der Münchner Philharmoniker am 14.02.2017 unter ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev wurde mit der „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy eröffnet. In der literarischen Vorlage für dieses Werk, dem Gedicht „L’après-midi d’un faune“ (Der Nachmittag eines Fauns) von Stéphane Mallarmé, geht es dem Programmbuch zufolge um einen Faun (gehörnter, bocksfüßiger altrömischer Flur- und Waldgott, später Waldgeist, der in Kunst und Literatur besonders die starke, ungehemmte sexuelle Triebhaftigkeit symbolisiert), der an einem Sommernachmittag in einer idyllischen Landschaft auf Sizilien träumend die Vorstellung eines ihn verlockenden Nymphenpaars sowie die blühende Natur um ihn herum beschwört. Dieses Bild wurde von Valery Gergiev und den Münchner Philharmonikern insgesamt mit einem recht dicken Pinsel gemalt. Der Klang war wunderbar warm, aber sehr kompakt, wenig transparent. Das Träumerische der Szene kam dabei nicht so zum Ausdruck. Sehr bildhaft hingegen das zart gespielte Solo der Violine, das starke Assoziationen an flirrende Hitze weckte. Für das erste Stück gab es vom Publikum freundlichen, eher verhaltenen Applaus.

Ganz anders jedoch nach dem zweiten Stück des Abends, dem Klavierkonzert Nr. 2 c-moll op. 18 von Sergej Rachmaninow mit Daniil Trifonov. Der Solist und das Orchester erwiesen sich hierbei als gleichberechtigte Partner, die wechselseitig in den Vordergrund traten und einen Dialog miteinander führten. Hierbei entstand der Eindruck vollkommener Harmonie. Daniil Trifonov begeisterte mit seiner faszinierenden Musikalität und dem wunderbaren Klang, den er seinem Instrument zu entlocken vermag. Er spielte mit einer souveränen Selbstverständlichkeit und stellte seine Virtuosität nie zur Schau. Seine stupende Technik war nie Selbstzweck, sondern diente ihm ausschließlich als Mittel dafür, der Musik intensiven Ausdruck zu verleihen. Temperament und Leidenschaft, Ruhe und Meditation, Melancholie und Verträumtheit – all das wurde intensiv hör- und spürbar. Vor allem Daniil Trifonov galt der begeisterte Applaus des Publikums, wofür er sich mit zwei Zugaben bedankte, die er ebenfalls ganz wundervoll spielte.

Nach der Pause ging es mit Sergej Rachmaninow weiter: Die Symphonischen Tänze op. 45 spielte das Orchester temperamentvoll und beschwingt. Besonders eindrücklich gelang der zweite Satz mit dem düsteren, unheilvollen Walzer, der intensive zwiespältige Emotionen weckte. Am Ende auch für dieses Stück verdientermaßen großer Beifall des Publikums.

Martina Bogner

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