Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Huzulen-Festival: Begeisterung über das Junge Orchester der Neuen Philharmonie München

 

MÜNCHEN /HUZULEN-FESTIVAL: Begeisterung über das Junge Orchester der Neuen Philharmonie München und die eindrucksvollen Veranstaltungen auf dem „Huzulen-Festival“ (12. . 18.3.)

©Adelina Yefimenko.

Lyniv mit Orchester
Oksana Lyniv dirigiert. Foto © Oleh Pavliuchenkov

Jedes menschliche Herz birgt einen Schatz. Für mich ist dieser Schatz meine tiefe Verbindung mit deralten, einzigartigen ukrainischen Kultur“, so Oksana Lyniv über das einwöchige Huzulen-Festival (12.3.-18.3.2017) in München. Die aus der Ukraine stammende Dirigentin, die derzeit noch an der Bayerischen Staatsoper als musikalische Assistentin von Kirill Petrenko und ab Sommer 2017 als neue Chefdirigentin für die Oper Graz tätig ist, hat das Projekt „Der Geist der Huzulen – ein mystisches Bergvolk in den ukrainischen Karpaten“ ins Leben gerufen.Die Huzulen, ein ostslawisches Bergvolk, für die Ukrainer ähnlich bedeutend wie die Bayern für die Deutschen, lebt bis heute in den ukrainischen Karpaten im Einklang mit der Natur und pflegt eigenständige Bräuche, Sitten, Tracht und Folklore. Die Kunst der Huzulen inspiriert weithin professionelle Künstler zu originellem Schaffen.

Den Kern des Huzulen-Festivals bildeten zwei überragende Veranstaltungen ‑ das Symphoniekonzert des Jungen Orchester der Neue Philharmonie München, mit insgesamt 98 Musikern aus 14 Ländern (unter ihnen spielen 19 Studenten der Nationalen-Peter-Tschaikowsky–Musikakademie aus der Ukraine, die für dieses Konzert nach München gekommen sind) – und das Bühnenwerk „Ein Huzulen-Jahr“ nach dem ukrainischen Dramatiker, Komponist und Ethnologen Hnat Khotkevych. Die urtümliche Musik zum Bühnenwerk komponierte der aus Kolomyja stammende zeitgenössische Komponist Olexander Kosarenko.

„Ein Huzulen-Jahr“ begeisterte das Publikum mit einer transparenten und dynamischen Darstellung von archaischen Riten dieses mystischen Volkstammes, die der Regisseur Dmytro Chyborak sehr intelligent und einfühlsam in Einklang mit der zeitgenössischen Musik brachte. Die Dramaturgie des Bühnenwerks stellte in einem gestalterischen und ethnisch einmaligen Fokus die Riten zu Weihnachten, zu Ostern, für die Trauung und für die Todesfeier als kalendarisch sakrales Huzulen-Jahr vor. Die Kostüme, das Bühnenbild, die Musik, der Klang des Volksinstruments Trembita und die melodische-Sprache des huzulischen Dialektes faszinierten mit ihrer einmaligen Atmosphäre und ihren Ausführungen über die Schönheit und Mannigfaltigkeit der ethnischen Traditionen dieses Volkes.

mit Neue Muenchner Philarmonie
Oksana Lyniv mit der Neuen Münchner Philharmonie. Foto © Oleh Pavliuchenkov

Das Konzert des Orchesters „Neue Philharmonie München“ fand im wunderbaren Herkulessaal der Münchner Residenz statt. Oksana Lyniv engagierte sich für die innovative Möglichkeit eines Austausches europäischer und ukrainischer Jugend. Die Künstlerin präsentierte die Kunst der Ukraine als modernes, an großen und hervorragend ausgebildeten Künstlern reiches sowie ethnisch einzigartiges, traditionsreiches, multikulturelles Land. Prinzipiell ging es Oksana Lynivmit dem Thema des Festivals um das internationale kulturelle Konzept „Kunst und Ökologie“. Die Dirigentin sieht ihre Aufgabe darin, die Kunst den Kriegen, der Umweltverschmutzung und dem Terrorismus entgegen zustellen und mit der kulturellen Darstellung verschiedener ethnischer musikalischer Schätze verschiedener Nationen zum Frieden, zur Harmonie und zum sozialen Gleichgewicht aufzurufen. Sorgfältig hat Oksana Lyniv für das Konzert mit dem Orchester „Neue Münchner Philharmonie“ die Werke von drei Komponisten ausgewählt, die zur wahren Harmonie der menschlichen Existenz mit der Natur und dem Universum streben. Von Richard Strauss, der als Klangdichter der Schönzeit der Alpen gilt, hat die Dirigentin dynamische sowie gefühlsame Momente mit überragender Fantasie und malerischen Orchesterklängen des Symphonischen Dichtung „Ein Heldenleben“ erzeugt.

Vivi Vasileva
Vivi Vassileva (Percussion-Solo). Foto © Oleh Pavliuchenkov

Das außergewöhnliche Stück des zeitgenössischen chinesisch-amerikanischen Komponisten Tan Dun„The Tearsof Nature” / “Die Tränen der Natur” wurde von der bedeutenden Künstlerin Vivi Vassileva (Percussion-Solo), einer mehrfachen internationalen Preisträgerin gespielt. Die junge Musikerin, faszinierte die Zuhörer mit einem erstaunlichen Timbre undberauschenden Klängen als Naturphänomen durch den innovativen Umgang mit den Schlaginstrumenten Marimba, Vibrafon, chinesische Pai-Gu-Trommeln. Viele Instrumente sowie Buckelgongs, Holzblöcke, Kuhglocken und Bambusglocken sind aus einfachen Naturstoff wie Steine oderBambus hergestellt.

Lyniv-Skorik
Foto © Oleh Pavliuchenkov. Oksana Lyniv und Myroslav Skoryk mit Neue Philharmonie München.

Eine besondere Vision der Dirigentin wurde folgend in einem von ethnisch ursprünglichen und von huzulischer Folklore geprägten Stück Myroslav Skoryks „Huzulen Triptychon“offenbart. Oksana Lynivs Interpretation des „Huzulen Triptychon“ beeindruckte mit einem bemerkenswertenKlangquasi archaischer Quellen aushuzulischer Folklore im Lichte eines originalen persönlichen Stils MyroslavSkoryks. Diese Suite vervollständigte der Komponist zu einem selbstständigen Werk nach dem großen Erfolg seiner Filmmusik zur Filmproduktion „Feuerpferde – Schatten vergessener Ahnen“ des Regisseurs Sergei Paradschanow. Skorykund Paradschanow ist es gelungen ein bis heute überragendes Vorbild der Gattung „poetisches Kino“ zu schaffen.Der Film, der 39 internationale Preise und 28 Auszeichnungen bei Filmfestivals in 21 Ländern erhielt, wurde im Rahmen des Festivals mit deutschen Untertiteln präsentiert.Wenige Münchner wussten bis dahin, dass die Genialität Paradschanows von weltbekannten Regisseuren wie Federico Fellini, Akira Kurosawa, Michelangelo Antonioni, Andrzej Wajda hochgelobt wurde und dass der Film auf der Liste des verbindlichen Filmknowhows für die Bewerber um die Promotion in der Medienwissenschaftan der Harvard Universität steht. Die eigenartige Musikkultur der huzulischen dialektischen Volksgruppe wirkte im Film als Symbol der nationalen Selbstidentifikation der Huzulen.

Die große Resonanzder außerordentlichen Veranstaltungen der Huzulen-Woche rundeten Workshops ab, an dem MyroslavSkoryk als Ehrengast, sowie Künstler und Experten aus verschiedenen Kunst-Bereichen über das Festival „Der Geist der Huzulen – ein mystisches Bergvolk in den ukrainischen Karpaten“ in München praktizierten. Bei Workshops zeigte der Maler Ostap Losinsky die Kunst der huzulischen Ikonen und Glasmalerei, die Sängerin Natalia Rybka-Parkhomenko stellte den Volksgesang der rituellen huzulischen Lieder. Das Abschlusskonzert fürhuzulischenGesang mit Teilnehmern des Workshops schloss das Festival „Der Geist der Huzulen – ein mystisches Bergvolk in den ukrainischen Karpaten“grandios ab und wurde mit bewegten Applaus gewürdigt.

Das Münchner Publikum ließ sich zum einem von den ethnischen Riten und Sitten dieses mystischen Volkstammes verzaubern, zum anderen von den erstklassigen zeitgenössischen professionellen Komponisten und Interpreten begeistern.

Die Namen der zeitgenössischen ukrainischen Komponisten Myroslav Skoryk, Alexander Kosarenko und das einzigartige Festival „Der Geiste der Huzulen – eines mystischen Bergvolks in den ukrainischen Karpaten“ ist nun Dank des Projektes von Oksana Lyniv im kulturellen Diskurs Münchens integriert. Die großartige Musikerin wird ihr künstlerisches Credo weiter im österreichischen Graz entwickeln, damit Brücken zwischen der Ukraine und Europa in der Kunst und im Leben aufbauen, begabte junge Menschen miteinander zusammenbringen und aktiv neue kulturelle dynamische Musik-Universen in der Interaktion zwischen ethnischer, klassischer und experimenteller Konzepten kreieren.

 

Improvisation_Film
Natalia Rybka-Parkhomenko und Viktor Andriichenko improvisieren bei der Filmpräsentation. Foto © Oleh Pavliuchenkov

 

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