Der Neue Merker

MÜNCHEN/ (Gärtnerplatztheater im Cuvilliestheater: COSI FAN TUTTE (Wiederaufnahme)

München (Gärtnerplatztheater im Cuvilliestheater) – COSI FAN TUTTE (Wiederaufnahme am 18.November2016)

 Vor nicht ganz eineinhalb Jahren, am 13.Juni 2015, hatte diese „Cosi fan tutte“ in einem der Ausweichspielstätten des wegen Renovierung geschlossenen Gärtnerplatztheater, dem schon von Mozart bespielten Cuvillierstheater, eine erfolgreiche Premiere. Die Wiederaufnahme gestern Abend am selben Ort wurde vom Publikum nicht weniger enthusiastisch aufgenommen. Dass der Besucher aus Wien nicht ganz so begeistert war, lag an diversen Kleinigkeiten und wohl auch an einer gewissen Premierennervosität. Obwohl – in Summe war die Aufführung durchaus hörens- und sehenswert.

Von der Premierenbesetzung stand einzig Jennifer O´Loughlin als Fiordiligi auch bei der Wiederaufnahme auf der Bühne. Ihre Stimme ist in der Mittellage breiter geworden und hat an Schönheit gewonnen. Das kommt ihr vor allem in der zweiten Arie zu Gute.  Die hörbare Veränderung ihrer Stimme auch mit den passenden Rollen zu kombinieren, diese Möglichkeit bietet ihr das Gärtnerplatztheater. Man darf auf ihre Leila in den „Perlenfischern“ und vor allem auf die Donna Anna zu Saisonende gespannt sein. Matija Meic, Zweitbesetzung der Premierenserie, war der stimmgewaltige Guilelmo des Abends. Voll Spielfreude ist er der verliebte Offizier ebenso wie der in köstliche Kostüme gewandete „Albaner“. Der positive Eindruck, den ich von diesem Sänger kürzlich bei der Premiere von „Liliom“ gewinnen konnte, bestätigte sich gestern weitgehend.

Ebenfalls im Ensemble von „Liliom“ zu hören und neu als Despina ist Cornelia Zink. Für die intrigante Bedienstete und intelligente Strippenzieherin ist sie nahezu eine Idealbesetzung. Urkomisch als Arzt und Notar, verschmitzt und hinterhältig die Zofe. Und all diese Wandlungen setzt sie auch stimmlich gekonnt um. Brava. Bei der Stimme von Anna-Katharina Tonauer, der Dorabella des Abends, habe ich – sehr subjektiv – das Problem, dass sie mir für einen Mezzo zu hell ist. Das passt natürlich zur Rolle, macht die Schwester glaubwürdiger, erschwert dem Hörer aber die Unterscheidung der mit den Offizieren verlobten Damen. Dieser Einwand darf aber nicht täuschen, denn stimmlich ist über Frau Tonauer nichts zu lästern. Levente Páll ist der neue Don Alfonso in dieser Inszenierung. Vor ein paar Jahren habe ich ihn in St.Gallen als Osmin gehört und auf meine private Merkliste gesetzt. In dieser Zeit hat er sich hörbar weiter entwickelt und ist stimmlich gereift. Vielleicht ist er für den Don Alfonso noch etwas zu jung, aber die Notierung der Partie passt ideal zu seiner Stimme. Und mit den Feinheiten der Rolle weiß er gekonnt umzugehen. Leider hörbar indisponiert stellte sich Lucian Kraszec als neuer Ferrando vor und entzieht sich damit einem gerechten Kommentar.

In gewohnter Qualität der Chor und das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Oleg Ptashnikov führte alle Mitwirkenden auf und vor der Bühne sicher durch den Abend.

Woran diese Wiederaufnahme aber wirklich litt, war die kurze zur Verfügung stehende Probenzeit, vor allem wenn man bedenkt, dass vier der sechs SängerInnen neu eingestiegen sind. Aber angesichts der Rahmenbedingungen, das Gärtnerplatztheater muss immer noch in unterschiedlichen Spielstätten gastieren, lässt sich das wohl nicht ändern. Olivier Tambosi , der im Zuschauerraum saß, hatte seinerzeit ein exakt getimtes Spiel der Paare voll subtilen Humors konzipiert. Und vor allem der 1.Akt litt unter mangelndem Timing und auch die eine oder andere hintergründige Pointe blieb auf der Strecke. Und so wirkte die weiß gekachelte Bühne von Bengt Gomer umso kontrastreicher zu den farbenprächtigen Kostümen von Carla Caminati.

Michael Koling   

 

 

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