Der Neue Merker

MÜNCHEN / Bayerisches Staatsballett: „ROMEO UND JULIA“

München: Bayerisches Staatsballett: „ROMEO UND JULIA“, 21.11.2016:

Nach den beiden rein klassischen Balletten „Giselle“ und „La Bayadère“ zeigte das Bayerische Staatsballett im November eines der Kernstücke der Neoklassik im Münchner Repertoire: John Crankos „Romeo und Julia“. In den vier Vorstellungen waren vier verschiedene Hauptpaare zu sehen, zuletzt am 21.11. Ivy Amista und Vladimir Shklyarov. Der Romeo von Vladimir Shklyarov war das Idealbild eines romantischen Liebhabers: schwärmerisch und verträumt in den ersten Begegnungen mit Julia, jungenhaft verschmitzt im Zusammenspiel mit den Freunden Mercutio und Benvolio, tief verzweifelt beim Abschied von der Geliebten. Ein wunderschön poetisches Rollenportrait. Dabei zeigte Shklyarov auch sein ganzes technisches Können. Er tanzte die Partie mit bewundernswerter Leichtigkeit und konnte all die berühmten Hebefiguren und Posen voll auskosten, so dass die Choreographie in ihrer vollen Schönheit zur Geltung kam. Insbesondere die Balkonszene hat man schon lange nicht mehr so tief empfunden gesehen. Dies lag natürlich nicht nur allein an Vladimir Shklyarov, sondern auch an seiner Partnerin Ivy Amista als Julia. Ihr apartes Wesen und ihre temperamentvolle Art zu tanzen waren ein interessanter Gegenpol zur eher introvertierten, zarten Art von Vladimir Shklyarov. Auch Ivy Amista beherrscht ihre Rolle tänzerisch perfekt und konnte mit jedem Schritt und jeder Pose große Emotionen vermitteln. Jonah Cook war ein liebenswerter, jugendlicher, fast zerbrechlich wirkender Mercutio. Im Großen und Ganzen meisterte er die technischen Anforderungen der Rolle sehr gut, in manchen Momenten merkte man ein wenig, dass er sich die Partie noch nicht vollkommen zu Eigen gemacht hat. So wirkte manche Bewegung und mancher Sprung noch etwas eckig und schlaksig, manche Geste noch etwas einstudiert. Trotzdem ein interessantes und vielversprechendes Rollenportrait. Der Tybalt von Matej Urban zeigte sich im ersten Teil noch etwas zurückhaltend. Er wirkte neben den jungen, fast noch in kindlichem Übermut agierenden Montagues erwachsen und abgeklärt. Erst im zweiten Teil zeigte er auch den Zynismus und den schwarzen Charakter, den man in dieser Rolle eigentlich erwartet. Matteo Dilaghi war ein einfühlsamer Graf Paris, Dmitrii Vyskubenko ein fröhlicher, temperamentvoller Benvolio. Das Bayerische Staatsorchester unter Robertas Ševenikas war den Tänzern diesmal eine große Unterstützung und brachte die verschiedenen Facetten und Stimmungen von Prokofjews vielfältiger Partitur voll zum Ausdruck. Das Publikum bedankte sich bei den Tänzern und Musikern mit großem Applaus für eine tief berührende Vorstellung.

Gisela Schmöger

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