Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett im Nationaltheater: LA BAYADÈRE

München: Bayerisches Staatsballett: „LA BAYADÈRE“ 15.10.2016:

La Bayadere_Ryzhkova_Gouneo_Ensemble c) W.Hösl A2722

Ksenia Ryzhkova als Nikija, Osiel Gouneo als Solor und das Ensemble. (c) Wilfried Hösl

Nachdem das Bayerische Staatsballett seine Saison mit „Giselle“ eröffnet hatte, steht nun mit „La Bayadère“ der zweite Klassiker auf dem Programm, wieder in hervorragender Besetzung. Den Anfang machten am 15.10. Ksenia Ryzhkova als Nikija, Ivy Amista als Gamzatti und Osiel Gouneo als Solor. Ksenia Ryzhkova tanzte ihre Rolle mit großer Eleganz und einer bezwingenden Bühnenpräsenz, auch ohne große, dramatische Gesten, aber mit großer klassischer Allüre. Wenn sie auf der Bühne war, konnte man die Augen nicht von ihr abwenden. Auch technisch zeigte sie sich hochsouverän. Besonders ihre atemberaubenden Balancen und traumwandlerisch sicheren Pirouetten begeisterten das Publikum. Ivy Amista war als Gamzatti eine würdige Rivalin um die Liebe des Kriegers Solor. Mit ihrem Temperament, ihrer frischen und verführerischen Ausstrahlung sowie ihrer großen Tanzkunst zog sie die Zuschauer in ihren Bann. Es war sehr spannend, den beiden Tänzerinnen mit ihrer unterschiedlichen Ausstrahlung zuzusehen. Osiel Gouneo versetzte einen mit seinen phänomenalen, hohen und weich gelandeten Sprüngen und seinen virtuosen Pirouetten in Staunen. Dazu war er ein sehr einfühlsamer Partner, so dass Ivy Amista und Ksenia Ryzhkova bei den Hebefiguren nahezu durch die Luft schwebten. Darstellerisch hielt sich Gouneo jedoch merkwürdigerweise sehr stark zurück. Von Liebe zu Nikija oder Gamzatti war beinahe nichts zu sehen, seine Variationen bestanden aus einzelnen Schrittsequenzen, fast wie im Training, die sich aber nicht zu einem Ganzen fügten. Schade, aber es bleibt zu hoffen, dass sich seine Darstellung noch verbessern wird, wenn erst einmal die Nervosität des Debuts in einer neuen Produktion verschwunden ist. Man darf auf die nächsten Vorstellungen gespannt sein. Die übrigen Solisten tanzten alle auf sehr hohem Niveau, insbesondere Jonah Cook, der seine Variation als Goldenes Idol mit großer Eleganz und technischer Raffinesse darbot, und Elizaveta Kruteleva in der phänomenal getanzten 2. Schattenvariation. Das Corps de Ballet im Schattenakt war im Großen und Ganzen sehr homogen, einige kleine Unebenheiten werden sicher in den folgenden Vorstellungen noch verbessert werden. Michael Schmidtsdorff leitete das gut aufgelegte Bayerische Staatsorchester. Am Ende großer Jubel, vor allem für Ksenia Ryzhkova, Ivy Amista und Osiel Gouneo.

Gisela Schmöger

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