Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett: EIN SOMMERNACHTSTRAUM

München: Bayerisches Staatsballett: „EIN SOMMERNACHTSTRAUM“, 26.05.2017:

Nachdem das Bayerische Staatsballett in dieser Saison schon viele unterschiedliche Vorstellungen von Klassikern wie „Giselle“ oder „La Bayadère“ über Crankos „Romeo und Julia“ bis hin zu erst kürzlich kreierten Balletten wie „Alice im Wunderland“ gezeigt hatte, fehlte noch ein Stück von John Neumeier, um die Saison komplett zu machen. Diese Lücke wurde nun mit „Ein Sommernachtstraum“ (Musik: Felix Mendelssohn-Bartholdy, György Ligeti / Bühne und Kostüme: Jürgen Rose) gefüllt. Treue Münchner Ballettfans kennen dieses Stück sehr gut und es ist immer wieder spannend, zu sehen wie neue Tänzer sich die Hauptpartien zu Eigen machen.

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Ksenia Ryzhkova als Hippolyta. Copyright: Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

Ksenia Ryzhkova, die sich im Verlauf der Saison schon in vielen unterschiedlichen Rollen präsentiert hat, war in dieser Vorstellung die Hippolyta und die Elfenkönigin Titania. Es ist immer wieder eine Freude, dieser Tänzerin mit ihrer warmherzigen, noblen Ausstrahlung, ihrer bezwingenden Bühnenpräsenz und ihrer makellosen Technik zuzusehen. Als Titania beherrschte sie die Bühne mit selbstverständlicher Autorität und war dem Elfenkönig Oberon eine mehr als ebenbürtige Partnerin. Ihre Hippolyta war eine junge verliebte Frau, die am Vorabend ihrer Hochzeit durch das Desinteresse Oberons verletzt und unsicher ist, sich ihm dann aber doch liebevoll zuwenden kann. Theseus/Oberon war an diesem Abend Matej Urban. Obwohl er erst kurzfristig für die Vorstellung angesetzt worden war, zeigte er, dass diese Partie eine seiner besten beim Bayerischen Staatsballett ist. Sein Oberon ist ein machtvoller, aber doch eleganter Herrscher über die Elfenwelt, als Theseus beeindruckte er vor allem im dritten Akt als romantisch verliebter junger Mann. Technisch meisterte er seine Partien mit großer Souveränität und war vor allem ein sicherer und versierter Partner für Ksenia Ryzhkova.

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Maria Shirinkina und Javier Amo als Helena und Demetrius. Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper
 
Als Philostrat/Puck hatte in der vorangegangenen Vorstellung der junge Gruppentänzer Nicholas Loseda debutiert, der nun die Rolle zum zweiten Mal tanzte. Er konnte vor allem als Puck mit weichen geschmeidigen, fast akrobatischen Bewegungen beeindrucken. Auch seine Interpretation des quirligen, schusseligen, aber doch geheimnisvollen Zeremonienmeisters der Elfenwelt war nett anzusehen, auch wenn er sich manchmal noch ein wenig zu sehr auf die Technik zu konzentrieren schien anstatt seinen Tanz in den Dienst der Interpretation zu stellen. Die Rolle des Puck wurde in der vorherigen Wiederaufnahme noch unter Ivan Liška ziemlich entschärft, was die komödiantischen Elemente betrifft, so dass die jetzigen Tänzer dieser Partie nicht mehr die Wirkung erzielen können, die man noch von früheren Rollenvertretern wie Alen Bottaini oder Mark Pace in Erinnerung hat. Die Liebespaare wurden von Ivy Amista und Jonah Cook (Hermia und Lysander) sowie von Maria Shirinkina und Javier Amo (Helena und Demetrius) mit Witz, Lockerheit und technischer Finesse getanzt. Alle außer Maria Shirinkina könnten aber die komödiantische Seite ihrer Rollen noch ein wenig mehr betonen und die Pointen etwas pointierter und deutlicher setzten. Ein Extralob geht wieder an die Handwerker, allen voran Robin Strona als Zettel/Pyramus und Dustin Klein als Thisbe, die dem Publikum wieder zahlreiche Lacher entlockten.

Michael Schmidtsdorff  leitete das gut aufgelegte Bayerische Staatsorchester.

Gisela Schmöger

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