Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett: DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG

München: Bayerisches Staatsballett: „DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG“ – 08.10.2017

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Sergej Polunin, Natalia Osipova. Copyright: Wilfried Hösl

 

Sergej Polunin ist einer der berühmtesten Tänzer der Gegenwart. Glück für die Ballettstadt München, dass sein Mentor Igor Zelensky seit letzter Saison Direktor des Bayerischen Staatsballetts ist und ihn als ständigen Gast an die Company binden konnte. Gleich zu Beginn dieser Spielzeit ist Polunin in drei verschiedenen Produktionen zu sehen: als Albrecht in „Giselle“, als Solor in „La Bayadere“ und in der Vorstellung am 08.10. als Petrucchio in John Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“. Wie immer begeisterte er das Publikum im ausverkauften Nationaltheater mit seinen atemberaubend hohen, kraftvollen Sprüngen und seinen spektakulären Pirouetten. Wer sich also in erster Linie an virtuosem Tanz erfreut, der kam an diesem Abend voll auf seine Kosten. Wer jedoch außerdem noch Wert auf eine differenzierte Darstellung des raubeinigen, aber doch charmanten, witzigen und liebenswerten Edelmanns Petrucchio legte, der verließ die Vorstellung ein wenig enttäuscht, da Polunin an schauspielerischen Details nicht besonders interessiert schien und sich auf die vordergründigen Gesten und Witze beschränkte. Seine Partnerin als Katharina war an diesem Abend Natalia Osipova. Auch sie ist eine technisch hervorragende Tänzerin, der die anspruchsvolle Partie keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Ihre Katharina sprühte nur so vor Temperament und Streitlust, wandelte sich aber später zu einer liebevollen, fügsamen, aber dennoch selbstbewussten Ehefrau. Als Bianca und Lucentio debutierten Prisca Zeisel und Erik Murzagaliyev. Beide überzeugten das Publikum durch eine strahlende, souveräne Vorstellung. Prisca Zeisel bewunderte man vor allem für ihren eleganten, anmutigen Tanz und ihre gekonnte Interpretation der hübschen, lieblichen, aber auch verwöhnten und zickigen kleinen Schwester Katharinas. Die übrigen Solisten hatten ebenfalls ihren Anteil am großen Erfolg der Vorstellung: Tigran Mikayelyan war ein herrlich eingebildeter Hortensio, Javier Amo ein liebenswerter Gremio. Severine Ferrolier und Mia Rudic zeigten als Huren ihr komödiantisches Talent genauso wie Petrucchios Diener Nicholas Losada, Dustin Klein, Konstantin Ivkin und Stefano Maggiolo. Myron Romanul und das Bayerische Staatsrochesters spielten die tänzerische Musik von Kurt-Heinz Stolze nach Domenico Scarlatti mit Leichtigkeit und Esprit. Am Ende langanhaltender Applaus eines begeisterten Publikums.

Gisela Schmöger

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