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MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett/ BallettFestwoche: SPARTACUS

München: Bayerisches Staatsballett, BallettFestwoche 2017: „SPARTACUS“ – 08.04.2017

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Osiel Gouneo als Spartacus. Copyright: Wilfried Hösl

Seit der Premiere am 22.12.2016 ist „Spartacus“ beim Bayerischen Staatsballett der Publikumsrenner. Alle Vorstellungen sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und man kann sich glücklich schätzen, wenn man zu den Kartenbesitzern gehört. Auch in der „BallettFestwoche“ 2017 darf dieses Stück natürlich nicht fehlen. Schon in der ersten Serie im Dezember sahen die Zuschauer tänzerisch hervorragende Leistungen, so dass man in der Vorstellung am 08.04. überrascht war, noch eine Steigerung gegenüben den ersten Aufführungen zu sehen. Osiel Gouneo tanzte die Titelpartie mit atemberaubender Souveränität. Seine hohen, mit Leichtigkeit vorgetragenen, sicher und weich gelandeten Sprünge und seine virtuosen, an einen Eiskunstläufer erinnernden Pirouetten suchen ihresgleichen. Wie immer war er auch ein sicherer Partner, so dass vor allem der Pas de deux im dritten Akt mit Ivy Amista als Phrygia sehr spektakulär anzusehen war. Auch Ivy Amista hat sich ihre Partie seit der Premiere noch mehr zu Eigen gemacht. Mit ihrer großen Ausdrucksstärke und ihrem expressiven und leidenschaftlichen Tanz bringt sie dem Publikum die tiefen Gefühle der Phrygia nahe.

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Ksenia Ryzhkova und Jonah Cook als Crassus und Aegina. Copyright: Wilfried Hösl

Die Gegenspieler von Spartacus und Phrygia, der römische Konsul Crassus und seine Geliebte Aegina wurden in dieser Vorstellung von Jonah Cook und Ksenia Ryzhkova getanzt. Jonah Cook besticht durch seine elegante und intelligente Interpretation des Crassus. Er ist kein dekadenter Proll, wie die Rolle vielleicht ursprünglich in der Sowjetunion gesehen wurde, sondern ein echter römischer Aristokrat, dem die Überlegenheit gegenüber anderen im Blut liegt. Für ihn ist seine Stellung an der Spitze der Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit, so dass es keiner großen Gesten oder eines übertrieben energiegeladenen Auftretens bedarf, um dies unter Beweis zu stellen. Ksenia Ryzhkovas Aegina ist eine machtbewusste, eher kühl elegante, aber auch sehr attraktive Frau. Sie wickelt nicht nur Crassus, sondern auch die abtrünnigen Thraker mühelos um den Finger. Tänzerisch gelang ihr an diesem Abend alles. Insbesondere ihre mühelosen Pirouetten konnten einen begeistern. Auch die Tänzer der kleineren Solopartien und das Corps de Ballet boten allesamt sehr gute Leistungen. Einen großen Anteil am Erfolg des ganzen Stücks hat auch die mitreißende, glutvolle Musik von Aram Chatschaturjan, insbesondere wenn sie so temperamentvoll und leidenschaftlich gespielt wird, wie an diesem Abend vom Bayerischen Staatsorchester unter Karen Durgaryan. Am Ende heftiger Applaus eines wiedermal begeisterten Publikums.

Gisela Schmöger

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