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MÜNCHEN/ Bayerisches Staatsballett: „ALICE IM WUNDERLAND“

München: Bayerisches Staatsballett:„ALICE IM WUNDERLAND“ – 04.04.2017

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Séverine Ferrolier als Herzkönigin. Copyright: Wilfried Hösl

Nach „Spartacus“ ist auch die zweite Premiere des Bayerischen Staatsballetts in der Saison 2016/2017 ein abendfüllendes Handlungsballett, allerdings eines aus dem 21. Jahrhundert. „Alice im Wunderland“, das Eröffnungsstück der diesjährigen Ballettwoche, wurde 2011 von Christopher Wheeldon für das Londoner Royal Ballet choreographiert und war dort ein so großer Erfolg, dass es schon bei mehreren anderen Companien neu einstudiert wurde und jetzt auch beim Bayerischen Staatsballett. Die literarische Vorlage „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll ist sicher vielen noch aus der Kindheit bekannt. Aber nicht nur Kinder sind Fan der skurrilen Geschichte, sondern auch viele Erwachsene. So war es auch die Intention von Christopher Wheeldon, ein Ballett für alle Generationen zu schaffen, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dies ist ihm gelungen. Alice im Wunderland ist eine kurzweiliege Revue, spannend, witzig, romantisch, märchenhaft und skurril zugleich.Die Musik, von Joby Talbot extra für das Stück komponiert und vom Bayerischen Staatsorchester unter Myron Romanul engagiert dargeboten, ist ebenfalls sehr abwechslungsreich und illustriert das Geschehen perfekt, mal als fluoreszierender, glitzernder Klangteppich, mal mit schärferen, eckigeren Passagen und mal mit eingängigen romantischen oder auch schwungvollen Melodien. Die aufwendige Ausstattung von Bob Crowley ist phantasievoll und bunt, aber immer geschmackvoll. In der neoklassischen Choreographie, die auch Elemente anderer Tanzrichtungen, wie etwa Stepptanz, enthält, können die Tänzer all ihre technischen und schauspielerischen Fähigkeiten zeigen, insbesondere natürlich die Interpretin der Alice, in dieser Vorstellung Ksenia Ryzhkova.

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Ksenia Ryzhkova als Alice und Jonah Cook als Herzbube. Copyright: Wilfried Hösl

Sie war wunderbar einerseits als beherztes, neugieriges und auch trotziges Kind, andererseits als eine die Liebe entdeckende junge Frau. Obwohl sie nahezu in jeder Szene auf der Bühne steht, sah man ihr keinerlei Anstrengung an. Eine beeindruckende Vorstellung. Ihr Partner als Jack und Herzbube war Jonah Cook, der durch seine elegante Erscheinung und seinen noblen, wenn auch nicht unbedingt spektakulären Tanz beeindruckte. In der Doppelrolle des Lewis Carroll und des Weißen Kaninchen war Javier Amo zu sehen. Er tanzte die Partie mit feinem Witz, sympathischer Ausstrahlung und filigraner Technik. Wunderbar skurril, mondän und selbstironisch war Séverine Ferrolier als böse Herzkönigin. Vor allem mit der Rosenadagio-Parodie hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Auch die Tänzer der kleineren Solopartien zeigten schauspielerisch wie tänzerisch hervorragende Leistungen, so etwa Dustin Klein als steppender „Verrückter Hutmacher“, Matej Urban als Herzogin oder Norbert Graf als unter der Fuchtel der Herzkönigin stehender Herzkönig. Das Publikum ließ sich von den Tänzern gerne in das Wunderland entführen und erlebte einen zauberhaften und kurzweiligen Abend, für den es sich mit begeistertem Applaus bei allen Mitwirkenden bedankte.

Gisela Schmöger

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