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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO. Premiere

Bayerische Staatsoper München: Mozart: Le nozze di Figaro Premiere 26.10.17

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 Etwas überambitioniert ging es bei der Premiere von Mozart´s „Le nozze di Figaro“ los.

Dirigent CONSTANTINOS CARYDIS übertrieb mit zu viel „Wollen“ an Tempo und Phrasierung extrem, sodass die Ouvertüre inhomogen und manieriert klang. Die beiden ersten Akte schwang sich das noch nicht wirklich ein, aber gerade zum Ende hin entspannte sich die musikalische Ambition und die Schlussensembles gerieten himmlich schön und ausgeglichen.

Ebenso schienen auch die Akteure von Regisseur CHRISTOF LOY zu leicht-affektierten Überreaktionen zunächst angehalten zu sein. Natürliches Spiel stelle sich erst ab der Cavatine der alles überragenden FEDERICA LOMBARDI als Contessa ein, die sowohl bildschön die musikalischen Linien fliessen liess wie szenische Größe und Ruhe ausstrahlungsstark verkörperte. OLGA KULCHYNSKAs Susanna harmonierte mit schmeichelndem Timbre und Musikalität perfekt mit ihrer Gräfin in den Duetten und Ensembles. SOLENN LAVANANT-LINKE war ein rollendeckend, schlanker Cherubin. Die Begegnung mit ANNE SOFIE VON OTTER als Marzelline eröffnete reizvollen Erfahrungschatz einer großen Sängerin, die Ihre Bühnenjahre nicht verbergen möchte.

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Alex Esposito (Figaro). Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Die Männer blieben in ihrer Austrahlung das Erotisch-Flirrende der Frauen schuldig. ALEX EXPOSITO war ein quirliger, oft aufbrausend und sportlich- drahtiger Figaro, während der Conte Almaviva CHRISTIAN GERHAHERs in der großen herrschaftlichen Geste nicht recht authentisch wirken mochte, und sich lieber introvertiert zurückzog und etwas isoliert mit stimmlicher Feinheit die turbulenten Wogen von Musik und Spiel der anderen über sich einstürzen liess.

Das restliche Ensemble fügt sich klangstark und spielfreudig ein. LOY gelang zunehmend gegen Ende ein dichtes Erzählen, zu dem JOHANNES LEIACKER intensive und im Schlussakt mit den überdimensionalen Türen unvergessliche, stilsichere Räume baute.

 Das Münchner Publikum hatte nach Anlaufschwierigkeiten zum Schlussapplaus hin beste Laune und feierte allen voran FEDERICA LOMBARDI.

 Christian Konz

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