Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: KONZERT DES OPERNSTUDIOS

München: Bayerische Staatsoper: Konzert des Opernstudios, 05.11.2016

Seit Beginn der Spielzeit 2006/2007 gibt es das Opernstudio, das hochtalentierte junge Sänger und Sängerinnen fördert und sie praxisbezogen auf eine Karriere als Opernsänger vorbereitet. Sie übernehmen kleinere Rollen, in den Produktionen der Bayerischen Staatsoper und manche internationale Karriere begann hier, beispielsweise die von Angela Brower und Tara Erraught.

An diesem nasskalten Novembersamstag durften sich nun die Mitglieder des neuen Opernstudios mit einem Arienabend vorstellen. Und man sah und hörte wieviel Spaß es ihnen macht, mal nicht nur die „Wurzen“ zu singen, sondern auch mal Hauptrollen. Das Programm war klug zusammengestellt, es gab Ausschnitte aus drei Opern und einer Operette, Le Nozze di Figaro, L‘elisir d’amore, Pique Dame und La belle Hélène, die jeweils so ausgewählt waren, dass die wichtigsten Handlungselemente erfahrbar wurden.

Der Bass Igor Tsarkov zeigte als Doktor Bartolo und als Dulcamara eine kräftige, bewegliche Stimme, der es vielleicht noch ein bisschen an Schwärze fehlt.

Anna El-Khashem als Susanna sang mit sehr schönem, mädchenhaftem Timbre die Susanna, sie hat ein wunderbares Piano und bewegte das Publikum zu den ersten Bravo-Rufen.

Auch den Namen Johannes Kammler sollte man sich merken: hier wächst m.E. ein Kavaliersbariton allererster Güte heran. Mit edlem Material, ausgeglichen in allen Lagen, und wunderbarem Legato überzeugte er schon als Graf im Figaro, noch mehr aber mit der Arie des Fürsten Jelezkij aus Pique Dame.

Auch der Bariton Milan Siljanov gefiel mir mit der Ballade des Tomskij besser als mit dem Se vuol ballare des Figaro. Er zeigte dort mehr Stimmfarben und schien sich in der Dramatik der Ballade wohler zu fühlen.

Der Tenor Joshua Owen Mills durfte als Don Curzio und als Paris brillieren. Beide Rollen kamen seinem komödiantischen Talent und seinem hellen, schön geführten Tenor entgegen.

Selene Zanetti durfte gleich drei Rollen übernehmen: die Figaro-Gräfin, die Lisa in Pique Dame und die titelgebende schöne Helena. In allen drei Rollen überzeugte Sie mit ihrem über alle Lagen ausgeglichen geführtem, warm und fraulich klingendem Sopran. Ihre Stimme passte auch wunderbar zum samtigen Mezzo von Alyona Abramova im Duett Lisa-Polina. Letztere sang auch noch die Romanze der Polina mit russischer Schwermut und warmer Stimme. Außerdem war sie die Marcellina im Figaro.

Paula Iancic Amina hat mich in den Ausschnitten aus L‘elisier d’amore nicht so überzeugen können. Ihre Stimme hatte nicht die nötige Leichtigkeit und Ausgeglichenheit für Donizettis Musik, die Spitzentöne kamen relativ schrill. Vielleicht läge ihr eine dramatischere Partie besser.

Galeano Salas wiederum überzeugte als Nemorino mehr dann als Hermann, vor allem darstellerisch. Sein Tenor hat ein helles Timbre mit sicheren Spitzentönen, was für den Nemorino gut passte, aber für den Hermann fehlten ihm einfach ein paar Stimmfarben der Verzweiflung, die er auch darstellerische nicht wirklich glaubhaft machen konnte.

Mit dem Couplet des Orestes aus La belle Hélène brillierte die Mezzosopranistin Niamh O’Sullivan, die anderen Solisten gaben den Chor dazu.

Alle Sänger zeigten nicht nur ihre stimmlichen, sondern auch ihre darstellerischen Fähigkeiten, die größtenteils mit- und hinreißend waren. Viel Applaus im ausverkauften Cuvilliestheater für die Stars von morgen.

Susanne Kittel-May

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