Der Neue Merker

MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: DER ROSENKAVALIER

München: Bayerische Staatsoper: „DER ROSENKAVALIER“, 08.02.2017:

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Günther Groissböck als „Ochs“. Copyright: Wilfried Hösl

Manchmal hat es das künstlerische Betriebsbüro schon schwer. Für die Vorstellung von „Der Rosenkavalier“ am 08.02. hatten kurzfristig sowohl die Sängerin der Marschallin, Anne Schwanewilms, als auch die der Sophie, Hanna Elisabeth Müller, krankheitsbedingt abgesagt. Da hieß es, schnell hochkarätigen Ersatz zu finden. Für die Rolle der Marschallin konnte Michaela Kaune verpflichtet werden. Diese Partie ist ihre Paraderolle und so fiel es ihr nicht schwer, sich in die wunderschöne traditionelle Inszenierung von Otto Schenk und Jürgen Rose hineinzufinden. Sie war eine elegante, hochattraktive und würdevolle Frau, die eine große Faszination ausstrahlte. Musikalisch konnte Michaela Kaune vor allem in ihrem großen Monolog am Ende des ersten Aktes mit klarer, souverän geführter Stimme und zarten Piani überzeugen. Zu Anfang und auch im dritten Akt klang ihr Sopran in der Höhe dagegen manchmal etwas eng. Als Sophie sprang Ensemblemitglied Golda Schultz ein, die schon in Salzburg mit dieser Partie einen großen Erfolg gefeiert hatte. Sie hatte erst am Morgen nach einer Bühnenprobe von Elektra von ihrem Glück erfahren, und so konnte sie sich nicht mehr mit der Münchner Inszenierung vertraut machen. Sie sang die Partie von der Seite, während Claudia Küster, die Leiterin des Probenbüros der Bayrischen Staatsoper, den schauspielerischen Part übernahm. Das war sicher nicht einfach, aber Frau Küster stellte eine ganz reizende, jugendlich zarte Sophie dar. Golda Schultz bezauberte das Publikum mit ihrer wunderschönen, weich fließenden, glasklaren Stimme und ihrem beseelten Gesang. Es war ein großer Genuss ihr zuzuhören.

Eine weitere Glanzleistung brachte Günther Groissböck als Baron Ochs auf Lerchenau. Er war einerseits der großspurige, dreiste, arrogante und mit einem schier übermenschlichen Selbstbewusstsein gesegnete „aufgeblasene schlechte Kerl“, als den ihn die Marschallin bezeichnet, strahlte dabei aber trotzdem eine gehörige Portion Charme, Gelassenheit und Großzügigkeit aus. Stimmlich schien er über unerschöpfliche Reserven zu verfügen und konnte seinen voluminösen Bass in jeder Lage souverän führen. Wie in allen seinen Rollen überzeugte Markus Eiche auch als Faninal. Er zeichnete ein wunderbar selbstironisches Portrait des Parvenüs, der nach gesellschaftlicher Anerkennung lechzt.

Das Bayerische Staatsorchester unter Kirill Petrenko spielte die vielschichtige Musik elegant, charmant, romantisch-träumerisch, zupackend und auch mal polternd, aber nie sentimental oder oberflächlich. Dabei waren sie den Sängern auch immer aufmerksame und einfühlsame Begleiter und machten so die Vorstellung zusammen mit den Darstellern auf der Bühne zu einem besonderen Erlebnis.

Gisela Schmöger

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