Der Neue Merker

MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – „LE CORSAIRE“ – Ein bunter Balletttraum mit besten Auspizien beim debütierenden Nachwuchs.

 

MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – 8.11. / 15.00 – „LE CORSAIRE“

Ein bunter Balletttraum mit besten Auspizien beim debütierenden Nachwuchs. 

Kurz nach der Wiederaufnahme von Ivan Liškas Rekonstruktion des Petipa-Klassikers (mit Hilfe von Doug Fullington/Choreografie, Maria Babanina/Musik und Roger Kirk/Ausstattung) gab es in der Sonntagnachmittag-Vorstellung eine ganze Latte von Rollendebuts, welche diese Aufführung besonders interessant und spannend machte.

Die beiden bestens etablierten Damen, Ivy Amista/Medora und Katharina Markowskaja/Gulnara feierten ihre Rollendebuts in diesem Stück. Sie zeigten allerfeinste Ballerinentechnik, unterstützt durch ihre zierlichen Erscheinungen („Zuckerpüppchen“) und jeweils gewürzt mit einer gehörigen Portion Charme.

Die „Jungs“ waren vielleicht noch interessanter, weil hier der tänzerische Nachwuchs sein Können auf Teufel komm raus demonstrieren konnte: Der aus Kasachstan stammende Erik Murzagaliyev hat sich inzwischen wohlverdient zum Halbsolisten hochgearbeitet und bekam hier, nach einigen anderen Rollen, die Chance einer großen klassischen Hauptrolle. Der große, ausdrucksstarke Tänzer brillierte in den Soli des Korsaren Konrad so flockig locker (kein Landegeräusch), als wär‘s gar nichts. Dass er ein enorm sicherer Partner ist, der klaglos jede Dame lässig in die Lüfte hebt, durfte er ja schon bei anderen Einsätzen zeigen. Dazu kommt seine starke Persönlichkeit, diese zeigte sich besonders, als er seinem Kumpel Birbanto klar macht, wer hier der Chef ist. Natürlich lässt sich das Rollenportrait in weiteren Einsätzen noch ausfeilen, aber insgesamt war dieses Debut schon recht beeindruckend. Auch Adam Zvonař als geschmeidiger Sklave Ali konnte tänzerisch bestens überzeugen, jedoch fehlt ihm noch die Ausstrahlung eines Murzagaliyev, aber das könnte sich bei Folgeaufführungen ja noch entwickeln. Ein weiterer Rollendebutant, der sowohl tänzerisch als auch vom Ausdruck her stark herüberkam, war Leonard Engel als gegen den Chef rebellierender Korsar Birbanto – super die Kampfszene zwischen ihm und Konrad. So pfiffig wie in der Rolle des Sklavenhändlers Lankedem habe ich Maxim Chashchegorov, der sonst auch den Ali tanzt, kaum je gesehen.

Da insgesamt nahezu die gesamte Compagnie auf der Bühne steht, samt großer Kindergruppe, kann man hierfür nur ein Pauschallob aussprechen, denn alle waren gut. Neben den drei Odalisken spielt jeder einzelne Gruppentänzer hier seine ganz spezielle Rolle, das sorgt für die sprudelnde Lebendigkeit auf der Bühne.

Ein Einziger war schlecht, sehr schlecht sogar, der diensthabende Solo-Hornist, der sein Solo bös versemmelte. Auch Dirigent Aivo Välja schien nicht immer ganz auf der Linie der Tänzer zu sein, zudem liebte er es, recht dreinzuhauen (es gibt ja keine Sänger, die er zudecken könnte…).

Das jugendliche Publikum veranstaltete einen Schlussjubeltrubel sondergleichen und brachte mit seinem Getrampel die Ränge zum Beben.

Schön war’s, Spaß hat’s g’macht!

 

Doro Zweipfennig

 

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