Der Neue Merker

MORITZBURG bei Dresden: MORITZBURG-FESTIVAL (5. bis 20.8.)

Moritzburg bei Dresden / verschiedene Veranstaltungsorte: 25. MORITZBURG FESTIVAL 5. ‑ 20.8.2017

mor
W. A. Mozarts „Kleine Nachtmusik“ bei stürmischer Überfahrt: Feldmann, Violine, „vom Winde verweht“, Jan Vogler, Violoncello, Mira Wang, Violine
 ©Oliver Killig

Alljährlich im August begegnet man in Moritzburg bei Dresden überall Menschen mit Instrumentenkästen, denn jeden Sommer kommen gefeierte Solisten der internationalen Musikszene und herausragende Nachwuchskünstler aus aller Welt in den idyllischen Ort, um zusammen mit Freunden und geschätzten Kollegen zu musizieren und ein aufmerksam lauschendes Publikum – im Jubiläumsjahrgang waren es über 6.500 Besucher – mit ihrer großen Leidenschaft, der Kammermusik, zu begeistern.

Das Moritzburg Festival, 1993 in Anlehnung an das berühmte „Marlboro Festival“ (USA) gegründet, um der ins Schattendasein geratenen Kammermusik ein Podium zu geben und sie wieder mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken, feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen. Die Gründungs-„Väter“ waren damals drei junge enthusiastische Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden: Jan Vogler, Solocellist, sein Bruder Kai Vogler, 1. Konzertmeister und Peter Bruhns, ebenfalls Solocellist. Inzwischen hat „Energiebündel“ Jan Vogler, der auch weiterhin das Cello als seine Hauptaufgabe sieht, die Festivalleitung „solo“ übernommen – neben seiner Intendanz der Dresdner Musikfestspiele.

Der Ort Moritzburg ist mit Kunst und Kultur eng verbunden und für ein Festival wie geschaffen. Inmitten von 24, nur von Regenwasser gespeisten, „Himmelsseen“ liegt das märchenhaft anmutende Schloss auf einem Felssporn inmitten des größten Sees, von wo aus man in einer geraden Sichtachse die Kirche im Neobarockstil als stilgerechtes Pendant erblickt und in einer anderen Sichtachse an einem anderen See das spätbarocke „Fasanenschlösschen“, das kleinste Königsschloss Sachsens mit kompletter Hofhaltung, in dessen Umgebung ein maritimes Ensemble mit „Leuchtturm“ und „Dardanellen“ liegt, wo einst der Sächsische Hof eine Seeschlacht von 1770 zwischen Russen und Türken „nachspielte“. Käthe Kollwitz verbrachte in Moritzburg auf Einladung des Sächsischen Prinzen ihre letzten Lebensjahre. Die „BRÜCKE“-Maler (Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff) schufen hier ihre epochalen Bilder, und in kurfürstlicher Tradition gibt es hier das renommierte Landgestüt Moritzburg für edle Rassepferde.

In kurzer Zeit wurde das Festival zu einem der renommiertesten Kammermusikfestivals weltweit mit Kultstatus. Es versteht sich als experimentelles Labor und Exzellenzstätte zugleich. Das Spektrum reicht von feierlichen Konzerten in Schloss und Kirche, über Musiker- und Komponistenporträts mit Gesprächen oder musikalischen Beiträgen, über Öffentliche Proben bis zum Blick hinter die Kulissen. In 15 Konzerten, 2 Porträtkonzerten (Ramón Ortega Quero und Gloria Chien sowie Alexander Sitkovetsky und Wu Qian), 3 Öffentlichen Proben, einem Komponistengespräch (Sven Helbig) und einem Künstlergespräch (Jan Vogler) sowie einem „Tourkonzert“ stellten sich die Künstler in immer neuen Besetzungen – auch innerhalb eines Konzertes – vor. Es werden keine Ensembles eingeladen, nur Einzelkünstler, die sich in Moritzburg zum gemeinsamen Musizieren ihrer persönlich ausgewählten Lieblingsstücke zusammenfinden. Die Stimmung ist ausgelassen und heiter.

Neben Schloss und Kirche in Moritzburg finden die Konzerte an verschiedenen, auch ungewöhnlichen, Orten statt, wie dem Flugzeughangar der Elbe Flugzeugwerke Dresden („Orchesterwerkstatt“), dem König Albert Theater in Bad Elster („Tourkonzert“), der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden (Eröffnungskonzert) oder open air in den Gartenanlagen von Schloss Proschwitz bei Meißen.

Um exzellente Musikalität auch für die Zukunft zu sichern, wurde 2006 als fester Bestandteil des Moritzburg Festivals die Moritzburg Festival Akademie ins Leben gerufen, eine kreative musikalische „Werkstatt“, bei der die jungen Musikerinnen und Musiker ein umfangreiches Orchester- und Kammermusikprogramm erarbeiten, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse erweitern und anschließend in mehreren Konzerten präsentieren. Unter der künstlerischen Leitung von Mira Wang, Violinistin und Gattin Jan Voglers, hat sich die Akademie einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Das Interesse war in diesem Jahr besonders groß. In dem international ausgeschriebenen Verfahren hatten sich über 500 junge Musiker aus aller Welt, darunter erstmals aus Armenien, Thailand und der Türkei beworben. 50 Nachwuchsmusiker aus 19 Nationen, d. h. nur etwa 10 % konnten ausgewählt werden – entsprechend ihrem Können. Sie repräsentieren die internationale „Creme de la creme“ der Nachwuchskünstler auf dem Gebiet der Kammermusik.

Im begeistert aufgenommenen ERÖFFNUNGSKONZERT (5.8.) brachte das Moritzburg Festival Orchester unter der Leitung von Josep Caballé Domenech „Ouvertüre, Scherzo & Finale“ (op. 52) von Robert Schumann, die „Sinfonia concertante“ von W. A. Mozart und die „9. Sinfonie“ von Dmitri Schostakowitschs zur Aufführung.

Der nächste Tag war traditionsgemäß ganz den jungen Musikern der Festival Akademie in der traditionellen Open-Air-Matinee „MUSIK PICKNICK“ (6.8.) vorbehalten. Sie musizierten bei idealem Wetter inmitten von Weinbergen im stilvollen Garten-Ambiente des hoch über der Elbe gelegenen Schlosses Proschwitz, von wo aus der Blick zum Meißner Dom und der Albrechtsburg, dem ersten „Wohnschloss“ des ausgehenden Mittelalters, schweifen kann.

Die Stimmung war großartig. Die 26 jungen Musikerinnen und Musiker gaben ihr Bestes und musizierten sehr engagiert mit Orientierung auf gutes Zusammenspiel. Die Jugend scheint wieder eine Vorliebe für Klassik und Romantik zu haben. In breit aufgestellter Besetzung von Streichern und Bläsern erklangen bekannte und weniger bekannte Streichquartette und unterhaltsame kleinere Stücke berühmter Komponisten. Um das Programm vielseitig zu gestalten und seinen Umfang in Grenzen zu halten, wurden nur ein oder zwei perfekt einstudierte Sätze der Streichquartette gespielt. In diesem Rahmen konnten es nur „Kostproben“ des reichhaltigen Könnens der jungen Musiker sein.

Bei den Ausführenden gab es eine breite Palette beachtlicher, sicherer Technik und guter, mitunter auch noch etwas zurückhaltender, Mitgestaltung im Ensemblespiel bis hin zu bereits professionellem, sehr sicherem Auftreten einzelner Musiker, hoher Musikalität und entsprechenden Führungsqualitäten. So gaben bei der sehr sauber gespielten, die Matinee einleitenden, „Bläserserenade in Es-Dur“ (KV 375) von W. A. Mozart der junge Fagottist (Maximilian Erb) und die Klarinettistin (Anna Niedermühlbichler), die auch für kleine, feine Soli sorgte, den guten Ton an. Wenig später musizierte die junge Klarinettistin gemeinsam bei dem, schon in die Zukunft weisenden, „Bläserquintett“ (op. 43) des Spätromantikers Carl Nielsen mit ganz anderen jungen Bläsern ebenfalls auf hohe Qualität orientierend.

Beim „Terzetto in C-Dur“ (op. 74) von Antonin Dvořák sorgte die 1. Violine (Rachel Ostler) mit ihrem engagierten, hingebungsvollen Spiel und reifer Musizierweise, in die Violine II und Viola einfühlsam einstimmten, für eine eindrucksvolle Wiedergabe. Mit ihren Führungsqualitäten, klangvollem Strich, singendem Ton, schönen Trillern und viel musikalischem Gefühl bewirkte sie etwas später auch bei den zwei Sätzen aus dem „Streichquartett in D‑Dur“ (op. 64/5), dem „Lerchenqartett“ von Joseph Haydn mit wieder anderen Mitstreitern ein eindrucksvolles Klangerlebnis. Es hat etwas von Ursprünglichkeit, wenn sich die Musiker, fernab von Routine und ausgetretenen Pfaden, immer wieder neu zu Kammermusik-Formationen zusammenfinden.

Bei der mit jugendlicher Frische musizierten „Sonate Nr. 3“ von Gioacchino Rossini, die so recht zu der heiteren Stimmung der entspannten familiären Picknick-Atmosphäre passte, sorgte ebenfalls die 1. Violine (Christine Wu) mit musikalischem Gespür für eine gute Interpretation. Bei Felix Mendelssohn-Bartholdys „Streichquartett“ (op. 44 Nr. 1) stand vor allem eine gute technische Bewältigung im Vordergrund, und bei einem Satz aus Ludwig van Beethovens „Streichtrio in Es-Dur“ (op. 3) ein gutes Zusammenspiel mit schönem Gesamtklang, wobei neben der zarten 1. Violine der Cellist (Zachary Mowitz) mit entsprechenden technischen Voraussetzungen und musikalischem Verständnis unmerklich die Führung übernahm, ohne vordergründig zu wirken.

Erste Violine (Alice Ivy-Pemberton) und Violoncello (Wolf Hassinger) bestimmten auch bei dem, von Antonin Dvořák noch auf böhmischem Boden geschriebenen „Streichquartett“ (op. 96), „American“ das Geschehen, wobei sich Violine II und Viola gut einfügten.

 

In der LANGEN NACHT DER KAMMERMUSIK (10.8) bewarben sich die Teilnehmer der Festivalakademie, unter ihnen auch dieselben, die schon beim Proschwitzer Musik-Picknick auftraten, mit dem gleichen Programm in der Kirche Moritzburg um den, von den „Freunden des Kammermusikfestivals Schloss Moritzburg e. V.“ gestifteten „Akademiepreis 2017“, mit dem die besten, kurzzeitig über die Dauer des Festivals zusammengestellten Kammermusik-Ensembles ausgezeichnet werden, und präsentierten in der Vielfalt der Kammermusikliteratur ihr bewundernswertes Können. Die „Lange Nacht“ machte ihrem Namen alle Ehre. In 17 Programmpunkten über mehr als 3,5 Stunden wurden sehr beachtliche Beiträge geboten, bei denen die jungen Musiker neben technischer Perfektion auch sehr viel Musikalität, Werkverständnis und musikalischen Ausdruck bewiesen. Es war ein besonders guter Jahrgang – wie man in Weingegenden sagt. Den einen oder anderen Namen wird man in den Konzertprogrammen in aller Welt und/oder beim nächsten Moritzburg Festival wiederfinden.

32 „gestandene“ Instrumentalisten, internationale „Klassik-Stars„, unter ihnen Peter Bruhns, Gründungsmitglied und Ausnahmecellist, der mehr im Stillen wirkt und dessen Solopassagen in Richard Wagner „Ring“ in Bayreuth unvergessen sind, Ulrich Eichenauer, der schon fast von Anfang an beim Festival dabei ist, Baiba Skride, die 2006 beim Festival ihre große Liebe und Ehemann fand, und, und, und …, musizierten in den Konzerten auf sehr hohem Niveau.

Das erste KONZERT (9.8.) im ehemaligen Speisesaal des Schlosses Moritzburg, der seit diesem Jahr nach längerer Restaurierung wieder für die besonders festlichen Konzerte genutzt werden kann, begannen vier gestandene Musiker mit dem „Oboenquartett“ F‑Dur (KV 370), von W. A. Mozart das dieser für einen Freund und außergewöhnlichen Oboen-Virtuosen schrieb. Mit der Leichtigkeit des jungen Mozart brachten sie den 1. Satz („Allegro„) zu Gehör, getragener und mit viel Hingabe und musikalischem Gespür den 2. Satz („Adagio„) und den 3. Satz („Rondeu. Allegro„) sehr agil, mit großer Gewissenhaftigkeit und Einfühlungsvermögen für die Welt des konzertanten Mozart.

Wer sich an diesen Oboenpart heranwagt, muss schon über außergewöhnliche Spieltechniken verfügen. Ramón Ortega-Quero bewältigte den, oft auch quasi solistisch hervortretenden Oboen-Part mit außergewöhnlicher Sicherheit und entsprechendem Können, musizierte auch jedes kleinste Detail fein nuanciert aus. Mitunter schlichen sich aufgrund der ungeheuren spieltechnischen Schwierigkeiten (sehr) leichte klangliche Härten in der Höhe ein, aber das tat dem außergewöhnlichen Gesamteindruck keinen Abbruch. Seine adäquaten Mitstreiter waren Tobias Feldmann, Violine, Ulrich Eichenauer, Viola und Peter Bruns, Cello, bei dem auch das kleinste Hervortreten seines Instrumentes zum musikalischen „Erlebnis“ wird.

Mit Vehemenz wurde danach das, unbekümmerte, Lebensfreude ausstrahlende „Klavierquartett“ (op. 15) von Gabriel Fauré von Baiba Skride, Violine, Richard O’Neill, Viola, Peter Bruns, Violoncello und Gloria Chien, Klavier ausgeführt. Sie entführten in eine andere, faszinierende Klangwelt. Entgegen der jetzt sich verbreitenden „Untugend“, sich mit dem Klavierpart laut und kraftvoll, mit hartem Anschlag in den Vordergrund zu spielen, hatte Gloria Chien mit ihrem klingenden und zuweilen „perlenden“ Anschlag das richtige Gespür für das Werk. Sie fügte sich mit einer breiten Skala von lyrisch-klangschwelgerisch bis temperamentvoll wunderbar in den Gesamtklang ein, nie vordergründig und selbst im Fortissimo ohne jede Härte, immer mit der genau richtigen „Dosis“ ihres Anschlags.

Alle vier Beteiligten musizierten mit viel Temperament und Vehemenz und selbst im raschen Tempo des Schlusssatzes, immer perfekt untereinander abgestimmt, auf gleicher „Wellenlänge“ und mit gleicher Intuition. Eine kurze meisterhafte Cello-Passage von Peter Bruhns, der die große Kunst versteht, sein Cello deutlich hörbar erklingen zu lassen, ohne vordergründig zu erscheinen, und schöne Violin-Passagen von Baiba Skride bildeten zusätzlich kleine Höhepunkte.

Mit viel Vehemenz, Herz und Sinn wurde auch das „Streichquintett G‑Dur“ (op. 77) von Antonin Dvořák mit Baiba Skride, Richard O’Neill und Mira Wang, Violine, Andreas Brantelid, Violoncello und Dominic Seldis, Kontrabass gespielt. Hier bestachen bei sehr gutem Zusammenspiel die Musiker auch einzeln dezent hervortretend, Baiba Skride mit ihrem besonders gefühlvollen Spiel, bei dem die Seele mitschwingt, Mira Wang mit einer Mischung aus Perfektion und Gefühl und die beiden meisterhaften Cellisten mit ihrem kongenialen Zusammenspiel. Besonders beglückend gelang der letzte Satz, bei dem Antonin Dvořáks böhmische Melodik und Musizierfreude, die er genial mit dem europäischen Musizierstil verband, zur Geltung kam, während sie bei den anderen Sätzen weniger mitschwang.

 Zur Feier des 25jährigen Bestehens des Festivals gab es ein besonderes „Schmankerl“, die originelle WASSERMUSIK (12.8.) auf dem Schlossteich. Sie ließ etwas von den Festlichkeiten zu Kurfürst und König Augusts des Starken Zeiten, der sich als „Kopie“ mit seiner „Mätresse“ wie zu seinen Lebzeiten unter die Zuschauer gemischt hatte, ahnen. Beinahe wäre das besondere Event sprichwörtlich „ins Wasser gefallen“ als der gerade ungewöhnlich „stürmische“ See die „Seebühne“ am gegenüberliegenden Ufer nicht starten ließ, um sie zu den zahlreich erschienenen, erwartungsvollen Zuschauern und Zuhörern zu bringen, schließlich kam sie aber mit den vier, live spielenden Musikern im Schlepptau eines Ruderbootes doch noch am Bestimmungsort an.

An Bord auch Intendant Jan Vogler mit seinem Cello und Mira Wang, die mit zwei weiteren Miststreitern, Tobias Feldmann, dessen Noten der Wind schon einmal ins Wasser geblasen hatte, und Hwayoon Lee unbeirrt „in die Saiten griffen“ und die ausharrenden Besucher mit W. A. Mozarts “Kleiner Nachtmusik“ am Nachmittag als Streichquartett erfreuten, dem anschließend noch ein Satz aus dem Streichquartett „Tres Momentos“ von Sven Helbig, dem Composer-in-Residence folgte. Er kam dieses Jahr aus der Region, nachdem in den vergangenen Jahren berühmte Komponisten wie Wolfgang Rihm, Sofia Gubaidulina, Esa-Pekka Salonen und Jörg Widmann diese Funktion begleiteten. Helbigs, am Vortag im Festkonzert uraufgeführtes Stück vereint komponierte Teile und Improvisation, Atonalität und Tonalität, „Unordnung und Struktur, Heiliges und Profanes“.

Am Abend ging es dann – wieder „an Land“ – in die Kirche von Moritzburg. In einem der traditionellen PORTRÄTKONZERTE (12.8.), bei dem sich ausgewählte Künstler des Festivals solistisch vorstellen, erweckte der Oboist Ramón Ortega Quero, der beim Schlosskonzert den anspruchsvollen Oboenpart in Mozarts „Oboenquartett“ mit Bravour meisterte, zusammen mit der einfühlsam am Flügel mitgestaltenden Gloria Chen die „Sonate für Oboe und Klavier“ (op. 166) von Camille Saint-Saens, das Stück „Alla Gitana“ von Paul Dukas und die geniale „Fantasie über Themen aus Verdis ‘Rigoletto‘ “ für Oboe und Klavier von Giovanni Daelli mit großem technischem Können und ausgeprägtem Verständnis für die sehr unterschiedlichen Werke zu blutvollem Leben.

Das nachfolgende KONZERT (12.8.) brachte Musikgenuss pur. Wie mit Selbstverständlichkeit, technisch perfekt und voller Temperament erklang das „Klaviertrio d‑Moll“ (op. 4) von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Auch hier bestach Gloria Chien mit ihrer einfühlsamen Gestaltung, wie schon im Konzert im Schloss (9.8.) und dem vorangestellten Porträtkonzert (12.8.). Mit sehr feinem, klingendem Anschlag widmete sie sich den leiseren, lyrischen Passagen und entfaltete Temperament, wo es sich im Fluss der Musik im kongenialen Zusammenwirken mit Tobias Feldmann, Violine und Andreas Brantelid, Violoncello, in logischer Folge ergab.

Mit feinen Nuancen und Schattierungen brachten Ismo Eskelinen, Gitarre, Mira Wang und Tobias Feldmann, Violinen, Hsin-Yun Huang, Viola und Peter Bruns, Violoncello das „Gitarrenquintett e-Moll“ (G 451) von Luigi Boccherini zu Gehör, ganz dem leicht tändelnden Charakter dieser im besten Sinne unterhaltenden Musik Rechnung tragend, mit temperamentvoller Gegenwärtigkeit und Hingabe und keineswegs antiquiert.

 Eine andere Seite von Johannes Brahms als die gewohnte war bei seinem „Streichquintett F‑Dur“ (op. 88) zu entdecken, interpretiert von Kai Vogler, Violine, Abigél Králik, der 19jährigen Konzertmeisterin des Eröffnungskonzertes, die hier kurzfristig für Arabella Steinbacher eingesprungen war, Violine, Hwayoon Lee und Hsin-Yun Huang, Viola sowie Peter Bruns, Violoncello, wo Gesanglichkeit, Durchsichtigkeit und Gefühl den lyrischen 2. Satz, bei dem die Melodielinien jedes Instrumentes plastisch hörbar wurden, und viel Vehemenz und Temperament den 3. Satz bestimmten.

Alle beteiligten Musiker spielten an diesem Abend mit ungeheurer Intensität und als gleichberechtigte Partner mit von innen kommender Energie, auf gleicher Wellenlänge und mit gleichem musikalischem Verständnis.

Beim seit einigen Jahren traditionellen „MOSTLY BACH“ präsentieren sich Teilnehmer des Festivals in der nahe gelegenen Dorfkirche von Steinbach solistisch mit Werken „rund um J. S. Bach“, in diesem Jahr der Fagottist David Seidel mit der „Partita BWV 1013 im Arrangement von William Waterhouse, die Violinistin Ning Feng mit den „Capricien“ 1, 5, 7, 17 und 24 (op. 1) von Nicccolò Paganini, Hwayoon Lee, Viola mit  „Arirang Varition“ für Violine solo von Go-San Baek, Felix Klieser, der als „Hornist ohne Arme die Welt erobert“ mit „Laudatio“ von Bernhard Krol, Ruth Killius, die beim Eröffnungskonzert neben Mira Wang, Violine mit dem Viola-Solopart in W. A. Mozarts “Sinfonia Concertante“ begeisterte und last not least Peter Bruns mit der „Cellosuite Nr. 2“ vom Namenspatron J. S. Bach.

Mit Mozart, Mahler und Mendelssohn im ABSCHLUSSKONZERT (20.8.) klang das 25. Moritzburg Festival stimmungsvoll aus. Es war ein wirkliches Jubiläums-Festival, bei dem die Kammermusik hochkarätige Interpretationen und eine noch weiter gesteigerte Qualität erlebte.

Das 26. Moritzburg Festival wird in der Zeit vom 11. – 26. August 2018 stattfinden.

 Ingrid Gerk

Diese Seite drucken