Der Neue Merker

MÖRBISCH/ Seefestspiele : DER VOGELHÄNDLER. Premiere am 7.7.2017

MÖRBISCH/ Seefestspiele : DER VOGELHÄNDLER. Premiere am 7.7.2017

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Sieglinde Feldhofer. Cornelia Zink. Copyright: Seefestspiele/ bin.jpg

  „Alles gut “ sagte eine ältere Dame zur anderen beim Verlassen der Tribüne nach dem obligaten Feuerwerk, „die Intendantin gut, die Sänger gut, das Orchester gut, das Ballett gut.“ Tja, so einfach kann man seine Eindrücke manchmal zusammenfassen. Und diesen spontanen Stimmen „aus dem Volk“ lässt sich wenig hinzufügen. Ein Hauptmerkmal der nun zu Ende gehenden Ära Schellenberger war ja, dass immer und in jedem Bereich für höchste Qualität gesorgt wurde.

Den einzigen Einwand, den man haben kann, beträfe die Stückauswahl. „Der Vogelhändler“ ist ja ursprünglich ein intimes Kammer-Singspiel für wenige Darsteller und daher für die riesige Seebühne genau genommen nicht gerade prädestiniert. Regisseur Axel Köhler und sein Team (Bühnenbild: Frank Philipp Schlössmann, Kostüme: Armella Müller von Blon, Choreographie: Mirko Mahr, Dramaturgie: André Meyer) haben jedoch ganze Arbeit geleistet, dieses Werkchen für die Cinemascope-Szenerie am Neusiedler See ordentlich aufzupeppen, „aufzupimpen“ und aufzublasen: mit riesigen, zeichenhaften Bühnenbildelementen à la Bregenz (wie der gigantischen, zuerst ländlichen, dann aristokratischen Kuckucksuhr und dem überdimensionalen Vogelkäfig) sowie vor allem auch mit einem gar nicht vorgesehenen Ballett, das nicht weniger als 10 heftig wirbelnde Auftritte hat (wahlweise als Vögel, Rosen, etc. verkleidet).Ansonsten ist die Inszenierung eigentlich ziemlich konventionell und könnte in kleinerem Masstab jederzeit an normalen Häusern wie der Volksoper etc. aufgeführt werden.

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Dagmar Schellenberger: Copyright: Seefestspiele/bin.jpg

Gesungen wird, wie schon bemerkt, hervorragend. Das Ensemble weist keinerlei Schwachstellen auf. Paul Schweinester ist ein stolzer und zornmütiger Tiroler, Sieglinde Feldhofer eine hübsche und quirlige Christel, Horst Lamnek ein hintertriebener und einschüchternder Baron, Philipp Kappeller sein die ganze Handlung erst in Gang setzender schwindliger Neffe, Dagmar Schellenberger eine verzweifelt gegen ihre Überwuzzeltheit ankämpfende Adelaide und Cornelia Zink eine mühevoll ihre Würde bewahren wollende und letztlich das Happy End herbeiführende Kurfürstin. EIn besonderes Kabinettstückchen liefern Wolfgang Dosch und Gerhard Ernst in ihrer Prodekan-Nummer (die tagesaktuellen Scherzchen, besonders die naheliegenden mit Politikernamen, hätte man sich vielleicht sparen können).

Gerrit Priessnitz leitet das Festspielorchester mit anhaltender Verve und nicht nachlassendem Schwung.

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Sieglinde Feldhofer. Copyright: Copyright: Seefestspiele/bin.jpg

Alles gut also, wie schon die eingangs zitierten Damen sagten. Ja – wenn man auch gestehen muss, dass man letztes Jahr nach der überwältigenden „Viktoria und ihr Husar“ – Produktion in sehr viel höheren Sphären schwebte. Aber was solls: dieser neue Vogelhändler ist ein durchaus ohne Reue zu genießendes harmloses Sommerabendvergnügen.

 Robert Quitta, Mörbisch

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