Der Neue Merker

MET (im Kino) Vincenzo Bellini NORMA

NORMA an der MET  (Foto Facebook)

NORMA an der MET (Foto Facebook)

METROPOLITAN OPERA
(MET im Kino)
Vincenzo Bellini NORMA
7.10.2017

Zwei Beiträge unserer Mitarbeiter Johannes Marksteiner und Peter Dusek

  1. MET IM KINO: GRANDIOSE NORMA – Bericht von Peter Dusek

Die US-Medien berichteten schon Ende September von einem Norma-Triumph an der MET. Und in der Tat: diese Produktion von Vinzenzo Bellini „Norma“ wäre auch in Wien ein Mega-Erfolg. Die Inszenierung von Sir David Mc Vicar (Bühne Robert Jones) setzt auf stilisiertes historisches Kelten-Ambiente samt angedeuteten Aktualisierungen. Schließlich geht um die Macht und Ohnmacht der römischen Besatzer bzw. um die Druiden-Parallel-Gesellschaft. Im Mittelpunkt der „Norma“ stehen jedoch zeitlose Emotionen; vor allem ambivalente Gefühle: etwa zwischen der Kelten-Priesterin Norma und Pollione, dem feschen Besatzungs-Capo aus dem fernen Rom; der erst am Scheiterhaufen sein Fehlverhalten entdeckt; zwischen Norma und ihrer Gegenspielerin Adalgisa kommt es ebenfalls zum „Wechselbad“ von Zuneigung und Eifersucht, zum Kippen von seelischen Zuständen. Und ganz am Schluss muss noch der Vater von Norma dazu gebracht werden, seine Enkel zu übernehmen. Aber was soll das alles: der Erfolg der „Norma“ hängt  vor allem von der Besetzung der Hauptpartien ab. Und da kann die MET nur punkten: Sondra Radvanovsky ist eine grandiose Norma, die den widersprüchlichen Abforderungen der Rolle mühelos zurande kommt. Mag sein, dass Callas-Fans die Wildheit, die Rachegelüste und die Magie der Gefühls-Wandlungen vermissen. Diese Ober-Priesterin und Tochter von Oroveso (recht ruppig und „wild“ Matthiew Rose) ist eher sanft und melancholisch, sie ist durch und durch mütterlich, sie sucht nicht Rache sondern Vergebung. Und auch stimmlich kommt sie mit den technischen Ansprüchen dieser Partie spielend zurecht. Mit dieser Primadonnen-Rolle rückt die 1969 nahe Chicago geborene Sängerin endgültig in die erste Reihe der MET-Diven auf. Einen durchschlagenden Erfolg verbuchte  auch Adalgisa – Yoyce DiDonato. Die gleichaltrige US-Sängerin mit irischen Vorfahren gilt als Rossini-Spezialistin. Und bei Bellini kann sie ihre stupende Technik nur selten einsetzen. Aber die beiden großen Duette zwischen Norma und Aldagisa, vor allem die Stretta des2.Duetts (Mira o Mira) brachten dann das Publikum „aus dem Häuschen“. Wunderbar auch das Objekt der doppelten weiblichen Begehrlichkeit: Joseph Calleja (aus Malta) hält perfekt die Balance zwischen Dramatik und Lyrik. Die Stimme strahlt, das Timbre ist kostbar und die Wirkung „verzaubert“. Am Pult des Orchesters der Metropolitan Opera sorgte Carlo Rizzi für (manchmal) fast zu laute Dynamik. Und lobend zu erwähnen ist auch der Chor der Metropolitan Opera sowie die Sängerin der Clotilde-Michelle Bradley wertete die kleine Rolle wirklich auf!

Peter Dusek

2.DER BERICHT VON JOHANNES MARKSTEINER

Die neue Saison der MET hat mit einer beeindruckenden Neuproduktion von Bellinis (meiner Meinung nach) bester Oper begonnen. Entgegen der Meinung eines früheren Operndirektors finde ich, dass man „Norma“ sehr wohl szenisch aufführen kann und soll – vor allem eingedenk der sterilen konzertanten Aufführung vor zwölf Jahren an der Wiener Staatsoper. David McVicar, mittlerweile zum „Sir“ geadelt, hat diese vor allem musikalisch herausragende Oper inszeniert. Man könnte bemängeln, dass es auf der Bühne stets dunkel war, freilich spielt die Handlung ja im Wald und bei Nacht. Der von den Galliern besungene Neumond hatte Erbarmen und beleuchtete die Szenerie (das Bühnenbild stammt von Robert Jones) doch ein wenig. Die Dreiecksgeschichte zwischen Norma, Adalgisa und Pollione, deren Ende für zwei Personen tödlich endet, lässt wenig Spielraum für Experimente, man veränderte weder Zeit noch Ort der Handlung. Sehr gut gelangen vor allem die Duettszenen der beiden Priesterinnen, hier war die Entlarvung des liederlichen Römers spannend anzusehen. Zum Leading Team war auch noch der Kostümbildner Moritz Junge zu zählen, der sehr auf Authentizität der Gewandung bedacht war, und der Lichtingenieur Paule Constable, von dem man sich – siehe oben – etwas weniger Energiesparbewusstsein gewünscht hätte. Musikalisch stand die Aufführung ganz im Zeichen der Damen. Sondra Radvanovsky sang die Titelpartie mit größtem Einsatz. Ihre tolle, voluminöse Stimme, die zu den zartesten Lyrismen fähig war – einmalig das „Casta diva“ -, die aber auch genügend Kraft hatte, um sich in den Massenszenen mühelos durchzusetzen, begeisterte auch darstellerisch. Joyce Di Donato feierte ihr Rollendebüt als Adalgisa. Immer wieder bewundert man ihre warme, aber auch durchschlagskräftige Stimme, mit der sie hier die ihr wechselndes Schicksal von der Liebenden zur Enttäuschten und letztendlich zur Verlassenen gestaltet. Joseph Calleja sang den treulosen Pollione, sein Tenor hat an Fülle und Farbe gewonnen. Mit Ausnahme eines kleinen Ausrutschers in seiner Arie konnte man seine gute Mittellage und sichere Höhe bewundern. Nuancierung im Spiel ist freilich nicht seine Stärke. Matthew Rose war ein Oroveso von Format, mit mächtigem Bass war er ein Turm im gallisch – römischen Kampfgetümmel. Äußerst präzise dirigierte Carlo Rizzi das ausgezeichnet disponierte Orchester. Schon die exakt gespielte Overtüre ließ einen groen Opernabend erwarten, der es ja dann auch wurde. Ovationen im Publikum, das auch einem Meisterwerk gegolten hat. 

Johannes Marksteiner
OnlineMERKER

 

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