Der Neue Merker

MECKLENBURGS SCHLOSS MIROW IN NEUEM GLANZ

Mecklenburgs Schloss Mirow in neuem Glanz, 08.12.2014

Von Ursula Wiegand

Elf Jahre lang wurde Schloss Mirow, seit 1979 leer stehend und reichlich marode, aufwändig restauriert. Nun zeigt es sich wieder als goldgelbe Barock- und Rokokoperle der Mecklenburgischen Seenplatte, umrahmt von einem gepflegten Park und einem englischen Landschaftsgarten.

 Schloss Mirow in frischem Glanz
Schloss Mirow in frischem Glanz. Foto: Ursula Wiegand

Gehört sich eigentlich so, diente das Schloss doch als Witwensitz des Hauses Mecklenburg-Strelitz. Christiane Aemilie Anthonie (1681-1751), Gattin des 1. Herzogs von Mecklenburg und schon mit 27 Jahren solo, ließ sich ab 1709 diese feine Bleibe errichten und zog mit ihrem Töchterchen ein.

Schloss Mirow, der edle Festsaal
Schloss Mirow, der edle Festsaal. Foto: Ursula Wiegand

Eine attraktive Frau, wie ein großes Gemälde zeigt, die im erhaltenen Festsaal gerne feierte, und eine offenbar lustige Witwe, die noch zwei Töchter gebar. Der Name des Vaters blieb ihr Geheimnis.

Schloss Mirow, fein restaurierter Rokoko-Raum
Schloss Mirow, fein restaurierter Rokoko-Raum. Foto: Ursula Wiegand

 Auch ihre Schwiegertochter, Elisabeth Albertine zu Mecklenburg-Strelitz (1713-1761), zog 1753 als Witwe ins Schloss Mirow und ließ das Interieur im Stil des friderizianischen Rokoko umgestalten. Hauptsächlich von Künstlern, die in Berlin und Potsdam arbeitslos geworden waren.

Schloss Mirow, chinesische Tapete, Detail 
Schloss Mirow, chinesische Tapete, Detail. Foto: Ursula Wiegand

 Preußenkönig Friedrich II, seit 1756 in den Siebenjährigen Krieg verwickelt, hatte für Verschönerungen kein Geld mehr. Hier jedoch wurden die Wände mit chinesischen Tapeten geschmückt.

Das kam Schloss Mirow zugute, doch genau genommen war das ein Witz. Immerhin hatte Friedrich als Kronprinz sehr über die „Mirokesen“ gespottet und ihre kinderreichen Familien als „Karnickelstall“ bezeichnet.

Die berühmteste Bewohnerin des Schlosses war Elisabeths Tochter, Prinzessin Sophie Charlotte (1744-1818). Am 17. August 1761 verbrachte sie dort ihre letzte Nacht, um als 17-Jährige auf der königlichen Yacht nach England zu ihrem künftigen Gatten, König Georg III, zu reisen. Während der stürmischen Überfahrt soll sie auf ihrem Cembalo „God save the king“ geübt haben, weiß Wikipedia.

Schloss mIrow, Miniatur von König Georg III 
Schloss Mirow, Miniatur von König Georg III. Foto: Ursula Wiegand

 1764 kam der achtjährige Mozart nach London, begleitete sie – nun Königin Charlotte von Großbritannien – beim Singen an der Orgel und widmete ihr anschließend sein „Opus 3″. Sie aber widmete sich ihrem Georg, der sie gleich am Tag der Ankunft geheiratet hatte, und gebar ihm 15 Kinder. Die beiden führten ein fast bürgerliches Leben, ganz ohne Skandale.

War es der Kummer über die Abreise der Tochter, der Herzogin Elisabeth Albertine 1761 das Zeitliche segnen ließ? Nach ihrem Tod wurden alle Baumaßnahmen gestoppt, das Schloss stand leer und fiel in einen hundertjährigen Dornröschenschlaf.

Zwar starteten die Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz 1861 eine umfängliche Restaurierung und füllten Schloss Mirow mit Ahnenbildern. Zuletzt – von 1952-1979 – diente es als Altersheim und stand danach wiederum leer. Immerhin blieb vieles von der Inneneinrichtung erhalten, was nun aufgearbeitet wurde. Anderes wurde nachgefertigt. Nur die Schätze des Kuriositätenkabinetts – darunter silberne Mausefallen und goldene Elefanten, alles zusammen teurer als das Schloss selbst – sind endgültig perdu.

 Schloss Mirow, Remise, nun Restaurant
Schloss Mirow, Remise, nun Restaurant. Foto: Ursula Wiegand

 Dennoch ist Schloss Mirow nun endgültig aus dem Dornröschenschlaf erwacht und zeigt sich als attraktives Museum mit zahlreichen Veranstaltungen. Die ebenfalls wieder hergestellte Remise beherbergt das „3-Königinnen-Palais“, ein gutes Restaurant.

Schloss Mirow, Johanniterkirche 
Schloss Mirow, Johanniterkirche. Foto: Ursula Wiegand

 Selbst die Toten in der Fürstengruft der Johanniterkirche haben nun ihre Ruhe. „Zu DDR-Zeiten standen einige Särge offen, und die Kinder spielten mit den Knochen,“ erzählt Museumsleiterin Susanne Bocher.

Schloss Mirow, Brückengeländer, Weg zur Liebesinsel 
Schloss Mirow, Brückengeländer, Weg zur Liebesinsel. Foto: Ursula Wiegand

 Über eine kleine Brücke mit einem schmiedeeisernen Geländer gelangen die Besucher zu der mit dem Schlossareal verbundenen Liebesinsel. Dort ruht einer, der in der Fürstengruft fehlt: Großherzog Adolph Friedrich IV, der letzte Regent.

 Schloss Mirow, Grabmahl von Adolph Friedrich VI auf der Liebesinsel
Schloss Mirow, Grabmahl von Adolph Friedrich VI auf der Liebesinsel. Foto: Ursula Wiegand

 Der nahm sich 1918 aus unbekannten Gründen das Leben, hatte jedoch zuvor schon sein Grabmal auf der stillen Liebesinsel entworfen. Es ragt in einen Baum hinein und vereint den Verstorbenen auf besondere Weise mit der Natur.

 Schloss Mirow, erholsames Umfeld
Schloss Mirow, erholsames Umfeld. Foto: Ursula Wiegand

 Die Natur ist hier wirklich schön und abwechslungsreich. Direkt am See ein Ferienhaus mieten, segeln, paddeln, angeln, wandern, radeln, relaxen – Erholung pur in sanfter Natur.

 Infos: Schloss Mirow liegt nahe der A 19 von Rostock nach Berlin, Ausfahrt 198. Keine Zimmervermietung. Öffnungszeiten des Museums: Mai, Juni, Oktober: Di-So 10-17 Uhr, Juli bis September: Mo-So 10-18 Uhr. Von November bis April Führungen nur auf Anfrage. Auskünfte unter Tel. 0049-(0)0398-3387661 oder 0049- (0)174-1525837 sowie unter www.schlossmirow.de .

Auskünfte zur Mecklenburgischen Seeplatte unter www.mecklenburgische-seenplatte.de  und www.auf-nach-mv.de/mecklenburgische-seenplatte . (U.W.)

 

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