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MARINA REBEKA: „Die Traviata“ ist meine Schicksals-Oper“

 

DIE TRAVIATA IST MEINE SCHICKSALS-OPER“: MARINA REBEKA IM INTERVIEW MIT PETER DUSEK (28.11.2016)

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Marina Rebeka. Copyright: Agentur

Spätestens seit ihrem sensationellen „Einspringen“ als Thais bei den Salzburger Festspielen im heurigen Sommer gehört die in Riga geborene Sopranistin Marina Rebeka nicht mehr in die Kategorie „Geheimtipp“ sondern in die Spitzenklasse des internationalen Opernbetriebes. Wir treffen uns zwei Tage nach einer bejubelten „La Traviata“-Vorstellung in der Wiener Staatsoper. Ihre blauen Augen strahlen, ihr Charme wickelt sogar den Kellner ein. Ich frage, ob die schöne Kurtisane Thais ihre Schicksalsoper sei und wieviel Zeit sie dafür gehabt habe?

R: Stellen Sie sich vor – nur 4 Tage für eine so anspruchsvolle Rolle! Ich hatte nur zwei Szenen für ein Konzert „drauf“, dann kam der Anruf meines Agenten! Ich bin wirklich stolz, dass ich das in der kurzen Zeit geschafft habe…

D: Der unbeschreibliche Jubel am Ende führte dazu, dass die Schluss-Szene der konzertanten Wiedergabe der Oper von Jules Massenet kurz vor Mitternacht wiederholt werden musste. Das Ganze wirkte total improvisiert?

R: War es auch. Als der Jubel nicht und nicht nachließ hatte Placido Domingo die Idee. Und wir hatten prompt Start-Schwierigkeiten…Ich hörte mehrfach, dass sie so etwas noch nie erlebt hatten! Aber Sie wollten ja wissen, ob Thais meine „Schicksals-Oper“ ist. Ich glaube, dass dies nicht der Fall ist. Meine wichtigste Rolle singe ich gerade in Wien – „La Traviata“! Mit dieser anspruchsvollen Verdi-Partie habe ich vor bald 10 Jahren in Erfurt mein Bühnendebüt gegeben und ich habe die Violetta seither in 14 Produktionen verkörpert, darunter an der MET, in Covent Garden, München, Zürich  und Wien.

D: Haben Sie nicht auch als Traviata an der Volksoper gastiert?

R:  Ja, ganz am Anfang meiner Karriere – im Jahr 2007! Ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt – es war ein wunderschöner Herbst und ich hatte Erfolg!

D: Wie haben Sie überhaupt zur Oper gefunden? Sie kommen aus Riga, ihre Mutter ist Lettin, ihr Vater Weiß-Russe, wie haben Sie zu Hause gesprochen?

R: Russisch! Bis zur Unabhängigkeit, dann kamen wir in lettische Schulen. Und zur Oper kam ich durch meinen Großvater – er war Ingenieur, musikbegeistert und Organist. Und als ich 13 Jahre alt war, hat er mich in Norma mitgenommen. Und schon in der Pause war klar:   “Ich will Sängerin werden!“ Übrigens ist die Norma von Bellini meine zweite „Schicksals-Oper“. Ich habe vor wenigen Monaten  mit großem Erfolg damit in Triest debütiert und nächste Saison singe ich die keltische Priesterin an der MET in New York.

D: Und wann hören wir Sie wieder in Wien? Sie haben an der Staatsoper außer Traviata noch Donna Anna, Juliette und Antonia verkörpert!

R: Erst in der zweiten Hälfte der nächsten Saison 2017/2018 – dafür aber in 3 Rollen: neben Traviata erstmals als Mimi und als Amelia in Simon Boccanegra.

D: Wohin wollen Sie sich entwickeln, welche neuen Rollen peilen Sie an?

R: In die Nähe von Traviata und Norma: Maria Stuarda, Anna Bolena, Iolanta, Luisa Miller, Elettra in Idomeneo, vielleicht auch Manon…

D: Sie haben doch nicht nur in Riga studiert sondern auch in Italien?

R: Ja und zwar in Parma und in Rom, dort habe ich meine Liebe zu Verdi und zum Belcanto entwickelt.

D: Kennen sie wichtigsten Einspielungen der Traviata von Callas bis Scotto?

R: Ja die habe ich alle angehört, sie dann wieder vergessen und auf mein emotionales Innenleben gehört! Nur meine eigenen Gefühle zählen letztlich…

D: Wurden Ihnen auch Rollen von Richard Wagner oder Richard Strauss angeboten?

R: Ja aber ich habe sofort „Nein“ gesagt, wenn überhaupt, dann erst in ein paar Jahren!

D: Ihre Ehe mit dem russischen Tenor Popov ging berufsbedingt in die Brüche, ihre 5jährige Tochter Katrina lebt wo?

R: Bei meinen Eltern in Riga. Und ich versuche sooft ich kann, zu Hause zu sein.

D: Haben Sie überhaupt Zeit für sich selbst, wie entspannen Sie sich?

R: Sie werden es nicht glauben, aber ich gehe oft und gerne klassisch Tanzen! Das ist für mich Teil meines Gymnastik-Programms – und mit Musik kombiniert.

D: Und wofür entscheiden Sie sich kulinarisch, für die Küche in Lettland oder in Russland?

R: Weder noch. Ich versuche mich gesund zu ernähren: wenig Fleisch dafür Fisch und Gemüse und Salat. Und den Wiener Mehlspeisen versuche ich auszuweichen so gut ich kann! Übrigens kommt Wien in Punkto Wertschätzung gleich hinter meiner Geburtsstadt Riga – als wunderbare Stadt und Ort mit dem besten Publikum.

D: Dann sollten Sie aber mehr in Wien singen, warum keine konzertante Norma oder Thais?

R: An mir liegt es nicht, das müssen Sie Ihren Direktor fragen…

D: Ich danke für das inspirierende Gespräch!

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