Der Neue Merker

Marcello GIORDANI – die wahre Lehrmeisterin ist die Bühne

Interview mit MARCELLO GIORDANI im Juni 2016.

Das Interview führte Elena Habermann


Marcello Giordani in Wien als Des Grieux (2016). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Der Tenor Marcello Giordani wurde 1963 in Augusta (Siracusa/Sicilia) geboren. Er steht bereits seit dreißig Jahren in der Karriere. Sein Debüt wat 1986 bei dem „Festival di due mondi“  in Spoleto/Umbrien als „Duca di Montova“ .nach seinen Studien in seiner Heimat Sizilien und in Milano. Weiter ging er dann noch nach New York zum Studieren. Diesen Lehrer, Bill Schuman, besucht er heute noch zur Kontrolle seiner Stimme und Technik. Das ist für die Stimme wichtig, ähnlich einem Arztbesuch zur Gesundenuntersuchung. Wichtige Lehrer waren auch in Sizilien Maria Gentile, die auch Salvatore Fisichella unterrichtete, sowie später auch Carlo Bergonzi, der ihm sehr viel für den Verdi-Stil und allen Spintorollen  vermitteln konnte.

Sein Debüt in Wien war 1993 mit einer der schwersten Rollen, die es für einen lyrischen Tenor gibt, dem „italienische Sänger“ in „Der Rosenkavalier“. Er sah es als eigentliches Vorsingen und eine große Herausforderung. Somit erhielt er die Premiere der „Puritani“ an der Seite von Edita Gruberova unter der Leitung von Placido Domingo. Heute singt er hauptsächlich das Spintofach über den Belcantostil, aber immer auch Rollen des Belcanto, diese Stimmhygiene ist sehr wichtig. Somit hat der Künstler ein sehr großes Repertoire, von immer noch Belcanto bis zum lyrischen Spinto. In allen großen Häusern des Erdballs wird er gerne eingeladen, um es dem Auditorium zu vermitteln. Er bedauert sehr, dass es nie zu einer Umsetzung mit den Rollen der Opern von Mozart kam, ein Komponist den er ungeheuer schätzt. 

Rückblickend auf die Zeit seiner Karriere, eingeschlossen die Studienzeit, ist er sicher, die wahre Lehrmeisterin ist die Bühne, dann weiß man, wie man studiert hat. Auf der Bühne alles stimmlich umsetzen ist die wahre Kunst, das Publikum muss glauben, was man singt, nicht was man spielt. Was natürlich nicht heißt, dass man sich wie eine Marionette bewegt oder auch noch weniger.

Über zwanzig Jahre singt er immer wieder an der Met, und in allen bedeutenden Häusern wie Paris, London, Hamburg,  Berlin und München. Aber Wien ist etwas Besonderes. Über die Arbeit mit Anna Netrebko als Partnerin in Manon Lescaut ist er total glücklich und schwärmt von der angenehmen Kollegin und ebensolcher tollen Mutter.

Der Künstler kam schon in sehr jungen Jahren von Augusta nach Catania. Diese Stadt liebt er über alles und hat auch dort das Haus für seine Familie gebaut. Die aus der Schweiz stammende Ehefrau war sofort in Sizilien und auch in die Stadt verliebt, somit bleibt die Familie, zwei Söhne, zuhause und warten auf die Heimkehr des Stars des Hauses.

Die nächsten Ziele nach den Ferien (auf diese Auszeit und nur Zeit mit der Familie zu verbringen legt er allergrößten Wert)  sind Cincinati mit Tosca, in Moskau große Galakonzerte im Kreml, und eine Tosca-Serie folgt in Budapest als Gastspiele am Plan..

Er würde gerne viel mehr in seiner Heimat Italien singen, aber die derzeitige Lage ist natürlich für einen Familienvater nicht einfach, wenn man heute singt, muss man auf die Gage bis zu drei Jahren warten, das ist somit nicht immer einfach., auch wenn man einer privilegierten Klasse angehört.

Er unterrichtet an keinem Konservatorium, gibt aber gerne Ratsschläge an junge begabte Künstler weiter.

In seiner kargen Freizeit liest er gerne, und schreibt auch selber Poesie, auch in englischer Sprache. In Amerika hat er bereits zwei Bände Lyrik veröffentlicht.

Die beiden Söhne sind ebenso hoch musikalisch, mögen aber eine andere Musik, daher wird zuhause auch Pop gehört. Und wenn sein Sohn mit neunzehn Jahren derzeit eine Pop Karriere anstrebt, gefällt dem Vater auch diese Musik, wenn es das Kind macht.

An die Wiener Staatsoper kommt er immer wieder gerne und natürlich laufen die  Verhandlungen über weitere Abende.

Elena Habermann

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