Der Neue Merker

MANNHEIM/ Rosengarten: „4. AKADEMIE-KONZERT“ – Marek Janowski / Marina Prudenskaya

: „4. AKADEMIE-KONZERT“ –  Rosengarten 09.01.2017

Geprägt vom Leitfaden Richard Wagner wurde das Programm des Konzerts der Musikalischen Akademie des Nationaltheater Orchesters unter der Leitung eines der größten Wagner-Dirigenten unserer Zeit: Marek Janowski.

Konzentriert, liebevoll, sphärisch, in schlanker Dynamik führte Janowski die Musiker des bestens vorbereiteten NT- Orchesters in die opulente sich steigernde Farbenpalette des Vorspiels  zu  „Tristan und Isolde“. In uferloser Klangfülle nahm man die variablen, herrlich transparenten, instrumental gefächterten Themen der tiefschürfenden überdimensionierten Gefühlswelten des größten musikalischen Liebesepos der abendländischen Musikkultur gewahr. Prächtig vermittelte der versierte Wagner-Dirigent die ekstatischen Kulminationen der Leidenschaften.

Als Solistin der „Wesendonck-Lieder“ hörte man die Wunschkandidatin des Dirigenten Marina Prudenskaya, die vorzügliche Mezzosopranistin erwies sich als besonders glückliche Wahl. Wagners Melos, der herbe Pathos dieser Preziosen schienen geradezu auf die dunkel leuchtende, warm timbrierte Stimme der exemplarischen Sängerin zugeschnitten.

Ihr Material blieb im Höhenbereich stets angenehm fokussiert, bot genügend dramatischen Spielraum und schenkte der Mittellage eine sinnliche Wärme. Zudem gewann man den Eindruck die Sängerin scheint immer genau zu wissen, wovon sie singt, denn sie interpretiert mit ihrer ausgefeilten, akzentfreien Deklamation förmlich aus dem Sprachklang heraus.

Elegant, intensiv schenkte Marek Janowski den Liedern orchestral die idiomatisch, sensible Untermalung. Das Publikum dankte mit langer herzlicher Zustimmung.

Quasi als Vorspiel eröffnete man mit der „Dritten Symphonie“ den Anton Bruckner-Zyklus kommender Konzert-Spielzeiten. Lehnten dereinst die Wiener Philharmoniker das Werk wegen Unspielbarkeit ab, entschloss sich Bruckner zu grundlegenden Umarbeitungen und deshalb existieren drei Fassungen dieser 3. Symphonie. Die erste von 1873, die Bruckner dem Widmungsträger Richard Wagner überreichte, wurde zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt. Die zweite von 1876/77, in der vor allem die ursprünglichen Wagner-Zitate eliminiert wurden, lag dem bereits erwähnten Fiasko der Wiener UA 1877 zugrunde. In der dritten von 1888/89, nahm der Komponist Kürzungen im Finale vor welche nun  Marek Janowski im Rosengarten in spannungsvoller Interpretation präsentierte.

In dunklem Gewoge der Streicher, den mächtigen Holzbläsern und Trompeten im Hintergrund eröffnet sich das gewaltige Hauptthema des ersten Satzes und großformatig erblühte das Orchester im famosen  Klimax zum mächtigen Fortissimo . In stimmungsvollem Wechselgesang zelebrierte Janowski mit dem prächtig musizierenden und bestens disponierten Klangkörper die Umkehrungen des Triolenmotives, schwang sich in die pastoralen atmosphärischen Empfindungen und geleitete in das dritte chorale Thema, der für wahr frommen Danksagung an den Schöpfer.

In dynamischen Schwankungen servierte der erfahrene Dirigent jene gewaltigen Schmerz- und Freudenausbrüche des Andante  mit ekstasischen Charakterzügen, verschärfte zudem die Kontraste des leidenschaftlichen Verlaufs im kurzen, kaum vernehmbaren Atemholen der Generalpausen. Friedvolle Stimmungen wurden durch die klagenden Rufe der Bläser jäh zerrissen, die Bratschen stimmten die hellere Welt an, zarte Ausklänge erloschener Motive formierten sich in leisen Streicherharmonien.

In erregender Rhythmik erhebt sich das kurze Scherzo in seiner drastischen Wirkung mit den wirbelnden kreisenden Violinen zum beherrschend auftrumpfenden Gesamtklang des Orchesters im lebensfrohen Ausklang.

Beim krönenden  Allegro bündelt Bruckner nochmals die Themen Freud und Leid, führt sie zum befreiend, lichten, erstrahlenden Klangdom. Marek Janowski setzte wiederum in stilvollem Engagement jene thematischen Motive virtuos in Szene, ließ die Pauken grollen, die Holzbläser artikuliert figurieren, die Streichsegmente vollendet zelebrieren, setzte mit den ausgezeichneten Blechbläsern mächtige Kontraste und mündete schließlich das gesamte Instrumentarium in die hymnische finale Steigerung. Diese bewegend vollendete Wiedergabe des strukturellen Klanggeflechts setzte bereits Qualitäts-Maßstäbe an welchen sich „Kommendes“ unweigerlich messen muss.  Relativ kurz jedoch heftig die Begeisterung des Publikums.

Gerhard Hoffmann

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