Der Neue Merker

MANNHEIM/ Nationaltheater: DER ROSENKAVALIER. Wiederaufnahme der Tambosi-Inszenierung

Maria Markina (Octavian) Astrid Kessler (Marschallin) Patrick Zielke (Ochs) (c) H. J Michel
Maria Markina, Astrid Kessler, Patrick Zielke. Copyright: Hans-Jörg Michel

Mannnheim: Der Rosenkavalier  30.11.2017

Der Rosenkavalier wurde in einer Inszenierung von Olivier Tambosi von 1997 wieder aufgenommen. Sie ist durch weitgehenden Verzicht auf Bühnenbilder bestimmt. Wichtiger war Tambosi,  abstrakte Bühnenräume zu inszenieren, so im 1.Akt einen türkisblauen Raum, inmitten ein Boot als Bett für das Liebespaar, der Boden reihum mit Silberpapier ausgelegt. Der Palast von Faninal ist ein kalter weißer Innenraum, an den Wänden überall mit kleinen Kanonen bestückt. Im Schlußakt kommt ein rot-blauer Raum zum Zug mit einer schiefen Bretterbude darauf. Später bricht diese auseinander, wenn das neue Liebespaar im stehengebliebenen Bett singt (Ausstattung: Frank Philipp Schlößmann). Jakob Matthias Seidl hat die WA szenisch geleitet und sichtlich die Intentionen Tambosis aufgefrischt.

Den Leopold gibt einigermaßen trocken witzig mit Hochperücke Jörg Ohrnberger. Die  drei adligen Waisen singen zwar noch etwas „weiß“, aber sauber und verstehen es, dem Ochs auf die  die Nerven zu fallen (Lara Brust, Leah Waisbrodt, Aglaia Ast). Den Sänger stellt der Tenor Joshua Withener mit fein austariertem Timbre, das er in seine gefühlvolle Melodiegebung einbringt. Uwe Eikötter ist als Wirt präsent mit prächtigen tenoralen Einwürfen und dabei schlau  genug, trotz der allgemeinen Turbulenz seine Gage einzufordern. Der Notar Tibor Brouwer gibt dem Ochs köstlichen Kontrapart und singt auch süperb als Polizeikommissar. Das Intrigantenpaar wird rollengerecht von Christopher Diffey (hoher schlanker Tenor) und Marie-Belle Sandis /anmutig timbrierter Mezzo) gegeben. Sehr gute Figur macht auch Estelle Kruger als Leitmetzterin mit bravem klarem Sopran. Groß gewachsen aber zerbrechlich wirkt, im grünen Kleid zur orangenen Frisur, Nikola Hillebrand, die Sophie. Ganz selbstverständlich legt sie sich am Ende mit Oktavian ins Bett. Ein lieblich reizendes Timbre bringt sie dazu ein.  Ihr Vater ist Thomas Berau, der seinen Bariton in den Höhen noch einigen Punch mitgeben kann, wie die Tochter orangen-grün drapiert.

Der Oktavian in schwarzer Uniform und Silberknöpfen ist Maria Markina, man nimmt ihr den Galan aus großem Hause ab. Auch als Mariandl ist sie ganz entzückend. Ein fast gleißender Sopran mit dramatischen Einschlägen steht ihr zur Verfügung. Patrick Zielke ist ein stimmlich flexibler Ochs. Er kommt aber nicht sehr wienerisch daher, also ein eher diskreter Lerchenau mit hohen Bariton-Anteilen. Die Feldmarschallin Astrid Kessler verbleibt manchmal stimmlich etwas blaß, besonders in den Monologen, behauptet sich im Ensemble aber gut. In ihrem türkis-blauen Kleid kommt sie auch angemessen zur Geltung.

 Friedeon Rosén

 

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