Der Neue Merker

MANNHEIM/ Nationaltheater: PARSIFAL – Wiederaufnahme

Mannheim: PARSIFAL,  9.4. 2017 Wiederaufnahme

Über die jetzt 60jährige Parsifal-Inszenierung des Nationaltheaters ist viel geschrieben worden, ich verweise auf meine Rezension u.a. vom Karfreitag 18.4.2014 (siehe Merker Online Archiv?). Die Inszenierung soll restauriert werden, und dafür wurde vom Richard Wagner Verband auch bei einem Benefizkonzert 35.000 Euro gesammmelt, die vor der Vorstellung symbolisch (in einer Tasche der Bayreuther Festspiele) dem Intendanten überreicht wurden.

Bei der Wiederaufnahme dirigierte auch erstmals der neue GMD Alexander Soddy. Er konnte die Dur -moll-Gegensätze im Vorspiel gut herausarbeiten und hatte auch bei der  Tempiwahl ein gutes Händchen, so dass nichts manieriert daher kam. Sung Ha übernahm erstmals den Gurnemanz und sang ihn erfreulich frisch und zupackend mit seinem kräftigen Baßbariton, so dass die sich lang hinziehende Erzählung der Vorgeschichte nie langweilig wurde. Das Orchester spielte ein dramatisches zugespitztes Schreiten zum Gralstempel, nur die Gralsglocken wirkten etwas synthetisch steril. Thomas Berau singt einen siechen Amfortas, der aber auch majestätische Größe ausstrahlt, die er mit seinem breit geführten Bariton unterstreicht. Den Titurel gibt Philipp Alexander Mehr sehr präzise und fast asketisch gestimmt aus dem Off. Die Höhenchöre verbreiten teils süßen Flair, könnten aber im Gralstempel halliger klingen.Die Altsimme aus der Höhe klingt warm und voluminös: Julia Faylenbogen, die auch einen Knappen und ein Blumenmädchen gibt.

Der 2.Akt findet zu einen starken Klangkonzentration. Joachim Goltz gibt einen prächtig stimmstarken Klingsor. Heike Wessels ist die Kundry und führt einen geschliffenen, dabei voluminös kraftvollen Mezzo ins Treffen, der sich ganz dramatisch entwickelt. In ihrer Verführungsszene holt sie auch ein Optimum an Wortverständlichkeit heraus. Will Hartmann singt bei seinem Parsifal-Debut einen farbigen Part, den er mit ganz einnehmendem Timbre sowie gut eingebundener Höhe gestaltet. Er kann sich im 3.Akt nochmals steigern, wo er einen aufwühlenden Karfreitagsgesang hinlegt und die Einsetzung als  Gralskönig  elegisch und mit fast schwelgerischen Tönen zelebriert. Die Blumenmädchen sind Iris Kupke, Estelle Kruger, Iris Marie Sojer, Nikola Hillebrand, Katharina Göres, sie setzen besonders in den 1.Stimmen betörende Timbres ein.                                                           

Friedeon Rosén

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