MANNHEIM Nationaltheater: ELEKTRA – Wiederaufnahme

by ac | 14. Mai 2017 17:25

Nationaltheater Mannheim: ELEKTRA –  Wiederaufnahme 13.5.2017

In Mannheim findet die Wiederaufnahme und gleichzeitig die 57. Vorstellung der Ruth-Berghaus Inszenierung , Bühne/Kostüme: Marie-Luise Strandt statt.

In einem wuchtig bedrohlichen wirkenden Hinterhof mit rohem Holzverschlägen und nur durch eine wie ein Fallbeil wirkende Falltüre sowie einen schmalen Lukenspalt betretbar, haust Elektra auf einem schmuddeligen Kanapee. Ihre Besucher gehen oft  nicht über den mit Sägespänen bestreuten blutverschmierten Boden, sondern über die schroffen Holzplankenwände, die in in wechselndes Licht getaucht sind in dieser paradigmatischen Inszenierung von Ruth Berghaus.

Alexander Soddy hat die Neueinstudierung des Orchesters übernommen, und das  hat in einer glanzvollen Abendverfassung einen besonderen Auftritt  mit dieser genialen Partitur, in der düstere, furchtbare Töne noch stärker als bei Stauss‘ erstem Hauptwerk ‚Salome‘ vorkommen. Die Verbohrtheit der rachedurstigen Elektra, die angstzerrissenen Träume der Klytämnestra und das jauchzende Bekenntnis der Chrysothemis zu einem ‚Weiberschicksal‘ werden mit einer wahnsinnigen unter die Haut gehenden Direktheit geschildert und in wie eherne und erzene Klangwellen umgesetzt. Julia Faylenbogen gestaltet Klytämnestra, ja ist in der völlig angstzerfressenen Atridenkönigin aufgegangen, die, wenn nicht auf dem Boden krabbelnd, sich auf den Hälsen und Schultern ihrer Dienerinnen abstützt. Nach dem Mord läuft Orest um diesen Blutplatz schreiend herum, während um ihn ein Kreis von Silhouetten geworfen wird. Thomas Berau baut die Wiederkennungsszene mit Elektra spannend mit seinem starken Bariton auf. Julia Faylenbogen taucht auch gesanglich mit ihrem flexiblen und nuanciert eingesetzten Mezzo in die Klytämnestra ein. Catherine Foster kann in der Titelrolle langgezogene Bögen mit Schwellungen singen und setzt ihren wohltimbrierten Sopran schonungslos ein. Miriam Clark als Chrysothemis ist auch ein ganz starkes Kaliber, die beklemmende Proben ihres optimal in der Maske sitzenden Soprans gibt.

Gut eingebunden klingen auch die tenoralen Einwürfe des Ägisths von Uwe Eikötter. Die Dienerinnen stellen Anja Wollenweber und Tatjana Rjasanova (beide Sopran). Der baritonale Pfleger des Orest ist Valentin Anikin. Die Diener (alt und jung) sind Philipp Alexander Mehr und Christopher Diffey, die Aufseherin Gerda Maria Knauer. Als die 5 Mägde sind Silvia Hauer, Alt, Iris Marie Sojer und Marie-Belle Sandis (Mezzo), sowie Iris  Kupke und Eunju Kwon (Sop.) als klanglich gut abgestuftes Ensemble im Einsatz.                                                

Friedeon Rosén                                              

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