Der Neue Merker

MANNHEIM/ Nationaltheater: EIN MASKENBALL. Wiederaufnahme

Mannheim: Ein Maskenball  20.9. 2017 WA

‚Ein Maskenball‘, einer der ersten Opern Verdis nach der berühmten Trias, wurde am Nationaltheater wieder aufgenommen. Sie wurde in der Regie des bekannten Filmregisseurs Werner Schroeter von 2000 gespielt, Damals sangen u.a. Marina Prudenskaya/Ulrica und Diana Damrau/Oscar, Von solchen Namen ist das NTM heute weit entfernt und besetzte überdies drei Protagonisten mit Gästen. Gründe für diese Besetzungen wurden nicht gegeben. Bei der Schroeter-Regie handelt es sich um eine kammerspielartige Wiedergabe, die auf einem etwas quer zur Bühnen gestelltem Tableau mit schmalen Rändern in fast maniriert wirkenden Schritten und Choreographien den Barock, auch im Kostüm, beschwört. Das Orchester kann bei diesem vielgestaltigem und Melodie sprühenden Verdi unter dem Dirigenten Benjamin Reiners noch nicht so souverän auftrumpfen wie sonst oft. Die Chöre zeigen sich gut präpariert.

Der Richter wird von Pascal Herington, Opernstudio, forsch gegeben. Einen Diener Amelias gestaltet Jun-Ho Lee. Die Grafen Horn und Ribbing werden von den guten markanten Bässen Philipp Alexander Mehr  und Bartosz Urbanowicz eindrücklich gestaltet. Den Cristiano gibt baritonal Ilya Lapich (Opernstudio). Als Einzige bringt Ji Yoon als Page Oscar/Opernstudio Bewegung und Emotion in die rituell erstarrte Gesellschaft, sie singt dazu einen virtuos perlenden leichtfüßigen Sopran. Rita Kapfhammer wirkt in ihrer Szene als Ulrica wie eine Ikone in einer Wandnische, aus dieser kann sie ihren wohlklingend voluminösen Mezzo flexibel verströmen. Den Anckarström gibt als einziger Haus-Protagonist Evez Abdulla. Sein Bariton wirkt öfter fast zu süßlich und ist für einen echten Verdibariton zu spielerisch bzw. charakterisierend. Die  Amelia gibt Julia Alexeeva. Auch sie scheint der komplexen Rolle noch nicht gewachsen, die sie vom Stimmvolumen und von der Dramatik her nicht ausfüllt. Der Gustavo Timothy Richards hat im 1.Akt noch Probleme mit Stimme und Intonation, entwickelt sich dann aber zu einem überzeugenden Liebenden und Verzichtenden mit feiner tenoraler Stimmgebung.      

 Friedeon Rosén

Diese Seite drucken