Der Neue Merker

MANNHEIM: MADAMA BUTTERFLY

Mannheim: „MADAMA BUTTERFLY“ – 10.03.2017

Knapp fünf Jahrzehnte  steht  „Madama Butterfly“ (Giacomo Puccini)  des Produktions-Team Wolfgang Blum (Insz.), Paul Walter (Bühne) und Gerda Schulte (Kostüme) auf dem Spielplan des Nationaltheaters und erlebte heute ihre 217. Vorstellung.  Erfreulicherweise pflegen fast alle Opernmetropolen derartige sehenswerte, exemplarische Inszenierungen welche sich nach wie vor als Publikums-Magneten erweisen und sich positiv konträr zum gegenwärtigen Regietheater abheben.

Mit Verve widmete sich GMD Alexander Soddy der Partitur, entfachte mit dem gut disponierten Orchester des NTM nach hektisch-nervöser Einleitung süßen Puccini-Klang, farbliche Kontraste sowie kraftvolle leidenschaftliche Orchestrierungen. Zuweilen ließ es jedoch Maestro Soddy an kongenialer Sängerbegleitung mangeln und schien Lautstärke mit Dramatik zu verwechseln, ließ so manche Forte-Eruptionen ganz gehörig krachen. Umhüllt von enormer Dynamik, aber auch schönen Übergängen sowie herrlich elegischen Momenten des begleitenden Sounds, fühlten sich Solisten größtenteils zu vokalen Glanzleistungen beflügelt.

Nach umjubelten Erfolgen als Turandot, Tosca und Manon Lescaut erlebte ich Galina Shesterneva erstmals als Cio-Cio-San. Die vielseitige Sängerin vereinte in glaubwürdiger Darstellung  mädchenhafte Naivität mit Gesten der großen Tragödin. Paarte sowohl  heitere Klarheit der Auftrittsszene mit makellos-schwebender Stimme, als auch den Enthusiasmus wunderbar strömend und leuchtend zu  Un bel di vedremo, sowie die seelenvolle Ernüchterung im dritten Akt. Die dramatischen Momente gestaltete  die Sopranistin mit ihrem bestens fokussierten Material in hervorragend phrasiertem Vortrag und überzeugte mit authentischer  Interpretation der unsterblichen und berührenden Opernfigur.

Ihr zur Seite ein Partner aus früheren gemeinsamen Produktionen: der georgische Tenor Zurab Zurabishvili in der Rolle des leichtsinnigen abenteuersuchenden Marineoffiziers. Im Hinblick seines glanzvollen Debüts als Otello vor wenigen Tagen voll und ganz im Aplomb  dunkelgrundierter Couleurs sowie dramatischer Ausbrüche, erstaunte nun die feine schlanke  Linienführung der Puccini-Kantilenen umso mehr. Die Partie des Pinkerton adelte Zurabishvili mit herrlichem Timbre in erlesenen Phrasierungen, balsamischem Schmelz und Wohlklang. Jugendlich ungestüm-drängend in technisch versierter Perfektion  verlieh er den tenoralen Aufschwüngen strahlenden Höhenglanz.

Dunkel-warme Mezzotiefen sowie dramatisch aufleuchtende Töne der oberen Regionen vernahm von der treuen Suzuki (Franziska Rabl). Markant setzte Jorge Lagunes (Sharpless) seinen klangvollen Bariton in Szene. Ebenso schönstimmig der kurze Auftritt des Fürsten Yamadori (Raymond Ayers). Farblos und blass blieb hingegen John in Eichen (Onkel Bonzo). Tenorale Qualitäten vernahm man von Christopher Diffey (Goro). Rollendeckend fügten sich die Darsteller der kleinen Rollen in die reizvolle Optik und ganz besonders vorteilhaft in bester klanglicher Formation präsentierten sich die Choristen des NTM (Dani Juris).

Prasselnder Applaus, Bravos des teils jungendlichen Publikums bedankte alle Beteiligten.

Gerhard Hoffmann

Diese Seite drucken