Der Neue Merker

MANNHEIM: LA REINE / „Die Königin“ (Berlioz/ Wagner). Uraufführung

Mannheim:  La Reine/Die Königin (Berlioz/Wagner)  UA 12.1.2017

Angela denoke - copyright HJ Michel
Angela Denoke. Copyright: Hans-Jörg Michel.

Das ist die Uraufführung einer Stück-Creation, die sich La Reine, ein Kreuzweg mit Musik von H. Berlioz und R.Wagner, nennt. Die Idee, das Konzept und die Textfassung stammen von Thomas Bischoff, und es dreht sich um eine im Niemandsland der  (Schauer)romantik angesiedelte depossedierte Königin, die sich mit ihren Ängsten und Obsessionen der Vergangenheit herumschlägt. Sie ist die darstellende Sängerin,die  da dabei den Liedzyklus Les nuits d’etè  von Berlioz und am Schluß die Wesendoncklieder von Wagner vorträgt. Zusätzlich sind drei SchauspielerInnen „Die Nonne“, „Das Weib“, „Der Krieger“ (Catherine Janke, Frank Richartz, Franziska Rieck) im Einsatz, die Texte von Gottfried Benn und Arthur Rimbaud rezitieren. Das Orchester wird bei den Liedzyklen von Benjamin Reiners animiert ud duftig geleitet. Leider mußte Thomas Bischoff seine Arbeit zurücklegen, und Jan Dvorak, Chefoperndramaturg, übernahm die künstlerische Leitung und inszenierte zusammen mit Martin Kukulies, der für Bühne und Kostüme zeichnete.

Das Stück kann man als ein Schauspiel- Opernzwitter bezeichnen. In den Texten Rimbauds und Benns kommt nachromantische expressionistische Grausamkeit in vielartiger Gestaltung zum Durchbruch.  Die Königin in schwarz-enger Tüllrobe läuft auf der chaotisch mit allerhand nachtschwärmerischen Utensilien, etwa ein den Rumpf eines Propellerflugzeug, ein Ritter ohne Kopf oder ein Metallgestänge, an dem sich das Weib später aufzuhängen versucht, herum.  Die Szenerie ist meist in dunkles fahles Licht getaucht.Die Frauen entledigen sich ihrer Nonnentracht, eine wird auch zum erotischen Obekt der Königin. Der Krieger rezitiert mit ihnen wie leitmotivisch  die Strophe über das ‚Rehlein‘ aus der Schönen Müllerin. Einen ätherisch schönen Gegensatz bilden dazu besonders die Wesendoncklieder, die Berlioz Gesänge erscheinen eher verhalten-lieblich. Angela Denoke gibt ihnen natürlichen Ausdruck mit ihrer Ausnahmestimme sowie ein Flair mit, das wie aus einer anderen Welt hereinbricht. Ihr warm timbrierter, sich in die hohen Regionen hinaufschwingender  Sopran verleiht der ansonsten düsteren Veranstaltung einen hellen Glanz.                           

Friedeon Rosén

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