Der Neue Merker

MANNHEIM/ Nationaltheater: DIE WÜSTE INSEL von Joseph Haydn. Premiere

Mannheim: Die wüste Insel/Haydn 6.4.2017 Premiere

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 Ji Yoon, (c) Hans Jörg Michel

Das Nationaltheater bringt in seiner Spielstätte Tanzhaus Käfertal die 1779 im Hoftheater von Schloß Esterhazy uraugeführte Azione per Musica Die wüste Insel von Joseph Haydn auf ein Libretto von Metastasio zur Aufführung, Die zweiaktige Handlung spielt auf einer fruchtbaren Insel im westindischen Pazifik, die einzigen Bewohner sind Silvia und ihre ältere Schwester Constanze, die nach einem Schiffsunglück seit längerer Zeit hier überleben. Constanze ist eine  tragischen Figur, denn sie glaubt sich von ihrem Eheman verlassen, der aber nach dem Unglück von Piraten geraubt wurde. Silvia, die damals noch ein Kind war, hat größeren Lebensmut, wird von ihrer Schwester aber zu Männerhass erzogen. Nach endlicher Flucht aus der Hand der Piraten stranden Ehemann Ferrando und sein Freund Enrico auf der Insel und suchen die Mädchen. Enrico und Silvia verlieben sich sofort ineinander. Auch das andere Paar findet endlich wieder zueinander, Haydn hat das ganz reizend in Rezitative, Arien & in ein Abschlussensemble, zwischen den Stimmungen changierend, vertont. Es wird hier von einem Sreichqintett (+ Kontrabaß) und Klavier wiedergegeben, das der Pianist Robin Phillips sehr einfühlsam dirigierte.

Marco Misgaiski (Regie und Bühne) hat den großen Ballett-Probensaal mit eiem ocker-goldenem Tuch drapiert, das an Wüstensand gemahnt, aber den Protagonisten auch gute Unterschlupfmöglichkeit zum Verstecken bietet. Während Constanze ihr luftiges Empire-Kostüm anbehalten hat, hat sich Silvia mit Fantasie in wilde Klamotten geworfen, bevor alle in moderne Jeans wechseln,  Die Männer tragen 18.Jahrhundert-Uniformen und treten mit reichhaltigem Waffenarsenal auf (Kost.: Alexander Häberlen). Mit einer guter Personenregie und mit rot an die Spiegelwand gemalten Sprüchen der „Tragödin“ wird das Geschehen anschaulich gemacht. Alle Sängerdarsteller sind Mitglieder des 2016 gegründeten Intern.Opernstudios des Nationaltheaters und geben eine gute Probe ihres Könnens. Der Enrico des Ilya Lapich kann einen dunkelklaren, fast schwarzen Bariton sehr sympathisch einsetzen. Pascal Herington präsentiert einen leichtgeführten, in den Registern noch ein wenig unausgeglichenen Tenor, der manchmal fast unbeholfen wirkt, gepaart mit einer jugendlich tatendurstigen Ausstrahlung. Iris Marie Sojer ist die ganz unbedarft wirkende naturhafte Silvia, mit auch etwas ungeschliffenem, aber angenehmem Mezzo. Einen elegisch timbrierten Sopran bringt Ji Yoon für die Constanze mit klassisch schön gestalteten Bögen zum Einsatz.                       

Friedeon Rosén

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