Der Neue Merker

MANNHEIM: DIE HEIMKEHR DES ODYSSEUS von Monteverdi – Neuinszenierung

Mannheim: Die Heimkehr des Odysseus/Monteverdi 9.3. 2017 –  Neuinszenierung

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Raphael Wittmer, Euju Kwon, (c) Jörg Michel

Mit der Aufführung von Claudio Monteverdis „Heimkehr des Odysseus“ setzt das Nationaltheater die Tendenz in dieser 1.Spielzeit unter dem Opernintendanten Albrecht Puhlmann fort, außer Aida wenig repertoiregängige Werke auf die Bühne zu bringen. Die 1640 in Venedig uraufgeführte, sehr unvollständig überlieferte letzte Oper Monteverdis  wird in einer sog. ‚ Strichfassung Mannheim 2017‘ gespielt. Ziel des Inszenierungsteams Markus Bothe/Regie, Robert Schweer/Bühne, Justina Klimczyk /Kost. und des musikalischen Leiters Jörg Halubek ist es, mit einem kleinen Orchester, wie es Monteverdi zur Verfügung gestanden haben könnte, die Partitur zu rekonstruieren, und es selbst mit in die Bühne zu integrieren, um daraus auch dramatisches Kapital zu schlagen, was gelingt. Dabei handelt es sich bei dem Gastorchester Il Gusto Barocco um ein Ensemble mit Originalinstrumenten wie Barockharfe, eine Orgel, ein Regal , Blockflöten und Zinken, also geschwungenen Flöten mit Trompetenmundstück. Die Musiker befinden sich unter den Sängerschauspielern wie im mittelalterlichen Mysterienspiel. Das Bühnenbild, das in den Zuschauerraum hereinragt, besteht aus zwei ineinander gelegenen holzgezimmerten Kreisen, die in oppositioneller Richtung manuell von Statisten gedreht werden. Der ‚innere Ring‘ liegt dabei höher als der äußere. Der Prolog der Oper mit den allegorischen Figuren Amor Fortuna etc. findet im Theaterfoyer statt, zurm 1.Akt ziehen die Protagonisten  mit ihren Figuren in der Hand ins Opernhaus ein.

Im Zentrum der Handlung steht die von vier Freiern bedrängte Penelope und deren Bezwingung durch den nach einer Irrfahrt zurückgekehrten, von der Göttin Minerva geführten Griechenhelden Odysseus. Für Monteverdi war es aber auch wichtig, neben der heeren Handlung eine Diener- und Abängigenhandlung, und damit Elemente der italienischen Comedia dell‘ Arte hineinzunehmen. Die Dienerin Melanto liebt einen der Freier, Eurimaco und will ihre Herrin ebenfalls zur Liebe überreden. Dazu gibt es noch einen gefräßigen Schmarotzer, der von den Freiern ausgehalten wird. Alle werden trefflich musikalisch gezeichnet und z.T. mit Arien bedacht. Während wie oft beim Regietheater die männlichen Protagonisten in moderner Kleidung gehen, so auch hier Odysseus in ‚Freischärlerlook‘. Die ihn begleitende Minerva, anfänglich in Schafsverkleidung, wird auch eher als heutige Lady in schwarzem Kleid-Mantel- Ensemble gezeigt. Penelope geht in einer klassisch vornehmen  dunklen Robe, während die Freier sehr fantasievoll in Barock- oder Renaissance-Kostümen stecken, in denen sie sich, meist betrunken, sehr lasziv gerieren.

Der ‚Barocke Geschmack“ spielt mit einem herzenserwärmenden Klang voller vielseitiger Farben  und mit dem mitten im Geschehen agierenden Dirigenten Jörg Halubek, der auch Orgel und Cembalo spielt. Den Jupiter singt Christoph Wittmann mit leicht näselndem Tenor. Den Neptun gibt Bartosz Urbanowicz mit bewährtem Baßbariton, wobei er auch immer mit agogischem Aplomb aufwarten kann. Die Minerva singt Ludovica Bello mit angenehm perlendem Mezzo und verbindet Buffa-Elemente mit gutem seriösem Gesang. Den Iro zeichnet Uwe Eikötter sehr effektvoll und leiht dem Vielfraß seinen stringent charakteristischen Tenor. Raphael Wittmer glänzt tenoral als Liebhaber in kurzbauschigen  Pagenhosen sowie als ein Freier, den am Ende auch Odysseus‘ tödliches Messer erreicht. Der andere Tenorfreier ist mit Pascal Herington der Frechste, während Valentin Anikin ihnen Baßfundament gibt und es sozusagen etwas ruhiger angehen läßt. Das Freier-Ensemble wird von Bariton Ilya Lapich komplettiert. Christopher Diffey,der einen lyrisch getragenen Eumete singt, verstärkt zusätzlich die Tenor-Seite. Sehr aufgebrezelt in schwarz-weißem Kellnerinnenlook erscheint Melanto-Amore in Gestalt von Eunju Kwon mit üppigem aber leicht geführtem Sopran. Den Telemaco  im bunten Abenteuerkostüm gibt der koreanische Tenor David Lee. Seine Mutter Penelope wird von Marie-Belle Sandis ganz standesbewußt, aber auch furchtsam weiblich gegeben. Mit ihrem warmen Mezzo gibt sie der Figur zusätzlichen Adel. Die Titelfigur gestaltet Nikola Diskic. Das stimmliche Material besitzt der Bariton dazu, wenn er auch am Abend als „angeschlagen“ angesagt wurde. Mit forschen nach vorne ausgreifenden Tönen und Taten greift er nach seinem Eigen, wenn er auch bis zum Schluß, vielleicht nicht nur regiegemäß, auch noch beim Wiedererkennen Penelopes ausdrucksvoll leidet.        

Friedeon Rosén

 

 

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