Der Neue Merker

MANNHEIM: AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY. Premiere

Mannheim: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny  1.7. 2017 Premiere

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Heike Wessels und Chor. Copyright: Hans-Jörg Michel

‚Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny‘ von Kurt Weill blieb neben der ‚Dreigroschenoper‘  die einzige Zusammenarbeit Weills mit Bertold Brecht. Wahrscheinlich gefiel Brecht die Ausweitung seines ‚Mahagonny-Songspiels‘ in Richtung große Oper dann doch nicht so sehr, obwohl Weill hier nach seiner frühen ‚Findungsphase‘ bis 1930 erstmalig eine eigene moderne Zeitoper erfand, die er mit mit ‚Silbersee‘ später weiter ausformte. Während im 1.Akt bei der Stadtgründung die Musik noch näher am Songspiel bleibt, wuchtet und weitet sie sich im 2.Teil auf großartige Weise aus. Hier gelingt es Weill, abgründige Stimmmungen auch im Zusammenhang eines nahenden Hurrikans in teils mysteriöse Klangwolken zu verpacken, die z.B. von tiefen Klarinetten in Triolenfolgen schmeichelnd grundiert werden, das gleiche trifft auf den öfteren  Einbau des Saxophons zu, das nahezu enigmatische Bedeutung erlangt.  Gegen Schluss bemächtigt sich Weill auch des Brecht’schen ‚Lehrschlusses‘. Die Verurteilung und Hinrichtung des Holzfällers Jim Mahoney wird von ihm wie ein Requiem mit Trauermarsch tonal verarbeitet.- Das bravourös aufspielende Nationaltheater-Orchester wird vom neuen 1.Kapellmeister Benjamin Reiners geleitet, dem es gelingt, Mahagonnny als vollwertige Weiterentwicklung der Oper seit den 20er Jahren zu präsentieren.

Für sie Inszenierung konnte der freischaffende Schauspielregisseur Markus Dietz gewonnen werden. Es gelang ihm eine gute Verquickung der Songspielelemente mit der Handlung, z.B. die in die Handlung involvierte Conferienciere Ànne Diemer (microfonierte Sprechrolle), die wie die anderen Mahagonny-Huren in die Szene eintrat. Dietz kordiniert spannende Bewegungen der Protagonisten und der allpräsententen Chormasse wobei er sich auch auf die abgezirkelten Choreographien von Lillian Nadler verlassen konnte. Den Hit stellten aber die Bühnenarchitekturen von Ines Nadler dar. Während man zu Beginn gar nicht checkt, ob wir es noch mit großem Cinemascope zu tun haben, oder ob die Bilder sich schon  in Gegenständen manifestieren, treten die drei Gängster aus ihrem US- Pannenschlitten heraus, um an dieser Stelle das mythische Mahagonny zu gründen. Dabei entsteht eine riesige maschinell bewegbare und bespielbare Rampe, die in allen möglichen Drehbewegungen agiert. An der hinteren Wand, die aber auch gedreht wird, ist aus Leucht- Neonstäben ein bühnenbeherrschendes M geformt. Bei dem die Stadt erreichenden Taifun knallen hunderte gefüllte Platikflaschen auf den Boden, die nachher golden angestrahlt werden.Vielleicht hat der Regisseur, ähnlich wie der Komponist beim Trauerokondukt Wagner assoziiert, und wenn man das M umdrehen würde, erhält man ein W…

Auch die Kostüme ’spielen mit‘. Henrike Broder hat Jenny Hill  wie die anderen Mädchen in schwarze Strapse und phantasievolle Korsetts gesteckt, später, nach der Loslösung von Jim, wechselt sie in ein aber ebenso scharf designetes schwarzes Minikleid. Auch die Männerkostüme zeugen von einiger Phantasie.

Heike Wessels gibt eine tolle Leokadja Begbick mit expressiv starkem Mezzo. Fatty ist der kleine Raphael Wittmer mit charmantem leicht fließendem Tenor (Lehrer: Joseph Protscka). Den Dreieinigkeitsmoses gibt KS Thomas Jesatko mit knorrigem Baßbariton und großer Spielastk. Einen tenoral aus dem Ensemble herausragender J.Mahonney stellt Will Hartmann, der hier aber nicht auf dem elektrischen Stuhl, sondern durch Pistolschüsse seiner geliebten Jenny stirbt. Diese hat mit Vera-Lotte Böcker den anmutigsten Sopran- Schöngesang zu bieten, auch im Duett mit Jim ist sie eine Wucht. In den kleineren Rollen machen Uwe Eiklötter (Jack O’Brien), Thomas Berau (Sparbüchsenbill), Philipp Alexander Mehr (Joe) und Christopher Diffey (Tobby Higgins) ihre Sache gut.      

Friedeon Rosén

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