Der Neue Merker

Malmö 2012 – LUISA MILLER – Vater und Tochter superb!

 

luisa  Malmö  2012 – LUISA MILLER – Vater und Tochter superb! – BD Arthaus 108 088

Die optisch wie musikalisch gut gelungene Malmöer Luisa Miller von Stefano Vizioli ist es aus mehreren Gründen wert, dass man sie sich anschaut. Die Kostümierung (Anna Maia Heinrich) stilgerecht dem Stück entsprechend; das immer wieder variable, schlichte aber absolut zweckdienliche Bühnenbild (Cristian Taraborrelli), das ständig von drohenden Riesenhänden dominiert wird; eine dieser Hände zerquetscht quasi zum Finale Millers Häuschen. – Das Orchester scheint in reduzierter Besetzung zu spielen, da im Nachspann jeder Musiker einzeln aufgeführt wird und dabei die wenig üppig besetzen Streicher auffallen. Dirigent Michael Güttler holt dennoch aus dem Malmö Opera Orchestra (+ Chor) einen ausgezeichneten Verdi-Klang heraus.

Luisa Miller, Malmö Opera, 121107.   „Die schöne Szenerie in Malmö ist bestückt mit goldenen Stimmen“ – schrieb eine schwedische Zeitung nach der Premiere. Vor allem zwei der aufgebotenen Sänger entsprechen absoluter Wunschbesetzung in Stimme, Optik und Darstellung: Die Luisa von Olesya Golovneva (in Wien aus ihren Koloratur-Anfängen bekannt) und ihr Vater Miller von Vladislav Sulimsky. Golovneva hat einen wunderschönen, glasklaren Sopran ohne jegliche Schärfen und von ungeheurer Intonationsreinheit. Dazu entspricht sie dem jungen, unschuldigen Mädchen in jedem Augenblick mit Haut und Haaren. Vladislav Sulimsky (der aufsehenerregende Enrico in Gergievs Lucia-Aufnahme), hat einen außergewöhnlich edel timbrierten, für Verdi prädestinierten Bariton ohne irgendwelche Grenzen nach oben oder unten – die Miller-Arie ist derart ein Schmankerl zum auf der Zunge zergehen lassen. (Weil Gergiev Sulimskys Mariinsky-Kollegen Markov angeblich bevorzugt, ist dieser im Westen inzwischen bekannter geworden als der stimmlich eigentlich viel interessantere, etwa gleichaltrige Kollege).

Der Kandier Luc Robert ist ein sehr guter, in allen Lagen souveräner Rodolfo. Bedauerlicherweise wird er durch eine älter machende Perücke in seiner Attraktivität beeinträchtigt, was natürlich in Nahaufnahme weit mehr auffällt als im Theater. (Alle Personen dieser Produktion leider unter der offensichtlich schlechten Qualität der Perücken oder Haarteile). Ivonne Fuchs ist mit sattem Mezzo eine vortreffliche Federica, Taras Shtonda mit etwas mulmigem, tiefen Bass Graf Walter. Wurm in Gestalt von Lars Arvidson schaut aus wie aus einem Gruselkabinett entsprungen und meistert die Rolle des Super-Intriganten mehr durch seine Darstellung und Schauder erregende Mimik denn durch seinen wenig profunden Bass.

Insgesamt ist diese Luisa Miller wirklich empfehlenswert, allein schon wegen dieser Vater-Tochter-Konstellation.

DZ

Trailer > http://www.youtube.com/watch?v=6FQsDEhJUxA

Golovneva > http://www.olesya-golovneva.com/de

Robert > http://www.micartists.com/micbio_LR.htm

Sulimsky > http://www.mariinsky.ru/en/company/opera_men/sulimsky1/

Attila: Attila – Ezio duet (Ildar Abdrazakov, Vladislav Sulimsky) > http://www.youtube.com/watch?v=X4aP4jcotTg  > In der Mariinsky-Serie auch als Gesamtaufnahme auf DVD

 Sulimsky/Gergiev – Posas Tod > http://www.youtube.com/watch?v=UQG5RaxufmY

 

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