Der Neue Merker

MAILAND: DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG – Besprechung und Erlebnisbericht. Premiere

ANMERKUNGEN ZU DEN MAILÄNDER „MEISTERSINGERN“ (von Ulrike Messer-Krol)

LA SCALA : Die Meistersinger von Nürnberg – 16.März 2017

Bildergebnis für Mailand teatro scala die meistersinger von nürnberg
Jacquelyn Wagner, Michael Volle. Copyright: Teatro alle Scala/ Brescia & Rudy Amisano

 Vorne weg, dort wird auch nur mit Wasser gekocht, und das schmeckt  nicht so gut wie unser kostbares Hochquell- Getränk.

 Der Kurier-Kritik muß ich leider voll zustimmen ( wenn auch nicht dem Ranking, Berlin  war zumindest schwungvoll ), sie ist im Ton  noch recht  liebevoll .

Jetzt ist die Inszenierung schon in Zürich kein Meisterwerk gewesen, aber in dem großen Haus wollte keine Stimmung aufkommen,  bei einer Szenerie, die stundenlang nur ein unterschiedlich behübschtes sich drehendes Stahlbaugerüst bietet, auch schwer herzustellen . Auffallend  die schwache Personenführung und das Rampensingen bei einer Art Premiere, die zwar  eingekauft aber doch neu einstudiert worden sein  dürfte. Es verbeugte sich zumindest das gesamte Produktionsteam zum freundlichen Schlußapplaus (  ein zaghaftes Buh ), der etwas andauerte, weil der Saal konsequent dunkel blieb. Nur Daniele Gatti wurde aufrichtig gefeiert, er hatte aber auch viel Mühe diesen langen Abend über.  Es gelang überhaupt nicht, die Routiniers unter den Sängern – Herr Volle ist ja so was wie der Hans Sachs vom Dienst-  oder den stimmgewaltigen Albert Dohmen, der seinen Veit  Pogner  diesmal als Herrscher  der Meistersinger zelebrierte, mit Rollenneulingen zu einem Team zu schmieden.

Vor allem das“ junge“ Paar blieb dabei auf der Strecke. Kein Bangen, kein Sehnen, trotz Fliederbusch  keine Frühlingsgefühle . Bei  der Eva von Jacquelyn Wagner war nomen leider kein omen,  die Stimme zu schwach für die  Scala mit gut 2000 Plätzen, da nutzten auch vier elegante Kostüme nichts. Michael Schade soll vorigen Sommer beim Festival  in Glyndebourne ein erfolgreiches Rollendebüt als Stolzing  gegeben haben,  aber dort fasst der Saal  eben “ nur“ 1200 Zuschauer.  Ein Glück für ihn, dass alle, die Piotr Beczala 2013 als Germont mit heftigen Mißfallenskundgebungen ein für alle Mal aus Mailand vertrieben haben, bei Richard Wagner zu Hause geblieben sind.  Schon im ersten Akt sind mir fast die Tränen gekommen beim Gedanken  an  „unseren“  Johan Botha  , von der Statur her beide  ja nicht ganz unähnlich und der gleiche Jahrgang.

Obwohl die erste Vorstellung, war sie bei weitem nicht ausverkauft, ich saß einsam in der Loge, viele waren schütter besetzt, was nach der Pause noch mehr auffiel. Als ich die Oberbilleteure dazu befragte, meinten sie nur, 18h Beginn wäre für Mailand unter der Woche viel zu früh. Aber meine Freundin konnte sich bei  einer halbszenischen Vorstellung von Porgy and Bess  im Nov.2016 auch in der ganzen Loge ausbreiten. Ohne Starbesetzung sind wohl  die Preise zu hoch, 300 Euro für  alle Plätze mit guter Sicht. Der rechte Platz in der 12er Loge, zweite Reihe kostet immerhin noch 235 ,-, in  Wien bei Premieren 130,-. Ich mußte den ganzen Abend allein bleiben, denn die Bekannten saßen  in der Galerie-90 Euro , noch höher als bei uns – auf zwei Stockwerke aufgeteilt. Das Publikum von oben darf nicht herunter , hat auch einen separierten Aufgang. Einsam saß auch Herr Pereira in der linken Proszeniumsloge. Er hat sich wohl  wehmütig an die drei Traviata-Vorstellungen die Tage davor erinnert, die er mit Anna Netrebko mindestens  doppelt so oft hätte verkaufen  können- was aber keine Kunst ist… Interessant, dass er, der Produktionen aus dem Ausland einkauft, dafür die noch nicht vier Jahre alte hauseigene in der eher mißlungenen Regie von Dmitri Tscherniakov  anscheinend entsorgt  und auf die „historische “ Inszenierung der Filmregisseurin Liliana Cavani ( Der Nachtportier) zurückgegriffen hat. Nicht ganz so alt wie unsere Tosca, die auch viele ersetzten wollen, aber doch schon aus dem Jahr 1990.

 Ulrike Messer – Krol

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