Der Neue Merker

LUZERN/KKL: ARIENABEND JONAS KAUFMANN

Jonas Kaufmann Arienabend im KKL Luzern / 28. Oktober 2012

 Er kommt auf die Bühne und hat das Publikum fest im Griff mit seiner Stimme und seinem Charisma. Der deutsche Tenor war auf sämtlichen grossen Bühnen der Welt zu Gast und hat sich profiliert, sowohl im Liederfach wie im Opernbereich. Jonas Kaufmann ist zu einem wahren König des Gesangs avanciert, verfügt über eine modulationsreiche Stimme, einen baritonal gefärbten Tenor, wunderbare Phrasierungen, eine klare Diktion und schliesslich eine enorme Selbstbeherrschung.

 Einst rannte der Künstler, vor einer Opernvorstellung an der Metropolitan Opera New York, heftig und schmerzhaft gegen eine Lampe und sang dann trotzdem, den ganzen Abend lang. Es sind solche Geschichten am Rande, die zeigen, mit was für einem Ausnahmekünstler wir es hier zu tun haben.

 Seine Arienauswahl des Abends kam einem Programm zugute das er bestens beherrscht, denn Kaufmann ist im italienischen und französischen Repertoire genauso zu Hause wie im deutschen.

 Er kann zerrissene Charaktere genauso gut verkörpern wie hingebungsvoll verliebte Figuren darstellen. Jonas Kaufmann zeichnet Gestalten nach, die stürmisch lieben, schrecklich leiden und herzzerreissend schmachten können. Und wenn er Wagner verkörpert, dann kommt wahrlich einer aus dem Himmel der schönsten Träume. Er zeigt, dass selbst eine Pianissimophrase wie auf einem fliegenden Teppich bis in die letzte Reihe schweben kann. Jedes Wort ist verständlich und ausdrucksvoll. Tosender Jubel für seine Interpretation als Lohengrin, …. in fernem Land, unnahbar euren Schritten, Gralserzählung des Lohengrin 3. Aufzugs und aus der Walküre, ….. Winterstürme wichen dem Wonnemond, Liebeslied des Siegmund 1. Aufzug. Ein Kostprobe auf die bevorstehenden Lohengrin Aufführungen die im Dezember an der Mailänder Scala angesetzt sind und die dortige neue Spielzeit einläuten.

 Er sang faszinierend das … cielo e mar aus La Gioconda, aus Zandonais Romeo und Julia, die Arie des Romeo … Guilietta son io, aus der Carmen … La fleur que tu m’avais jetée, aus der Cavalleria rusticana … Mamma, quel vino è generoso, Arie des Turiddu und aus Andrea Chénier … un di, all azzurro spazio.

 Jonas Kaufmann ist einer der schillernsten Tenöre der Gegenwart, er gibt der klassischen Musik und dem Publikum das zurück was viele so sehr suchten, nämlich den herausragenden Sänger den man aus vergangenen Zeiten kannte, lieben lernte und so sehr vermisste.

 Jochen Rieder war ein toller Begleiter für den Solisten und das Orchester, ein Kenner der Musik. Er verstand es, das gut disponierte Orchester gekonnt zu führen und aus dem Klangkörper viele wunderbare Töne zu entlocken.

Die Württembergische Philharmonie ist ein solides Orchester mit glänzenden Musikern, die ihr Können zum Besten boten. Vor allem bei den Solostücken für das Orchester. Die Overtüre zu I vesperi siciliani, … la danza delle ore aus der Gioconda, … Intermezzo aus Manon Lescaut und Suor Angelica, … Danse Bacchanale aus Samson und Dalila und dem … Vorspiel aus Lohengrin.

 Das Publikum war begeistert und feierte den Künstler, den Dirigenten und das Orchester stürmisch mit viel Jubel und Applaus. Ein wahrlich toller Abend!

 Marcello Paolino

 

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