Der Neue Merker

LUXEMBURG/ Grand Théâtre: EGISTO von Francesco Cavalli

LUXEMBURG/ Grand Théâtre : EGISTO von Francesco Cavalli am 7.12.2013

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Foto: Grand Théâtre

 Erfreulicherweise ist in den letzten Jahren auch so etwas wie eine Cavalli – Renaissance in Gang gekommen. Auf den schon länger zurückliegenden großen Erfolg seiner Calisto folgten in jüngster Zeit Neubelebungen von “ Ercole Amante „(Amsterdam ),“Giasone „(Antwerpen),“Novello Giasone“( Martina Franca) und “ Elena „(Aix- en Provence).

Vorläufig letztes Glied in der schönen Reihe: „Egisto“, der als Coproduktion mit der Pariser Opéra Comique dieser Tage in Luxemburg aufgeführt wurde. Egisto bezeichnet hier nicht den blutbefleckten Gatten Klytymnästras, sondern den unschuldigen Sohn des Sonnengottes, der von Aphrodite aus Feindschaft zu seinem Vater in die allerschrecklichsten mittsommernachtsähnlichen Liebeswirren gestürzt wird. Was im letzten Akt zu einer der ersten und schönsten Wahnsinnsszenen der Opernliteratur führt.

Der (was man seiner Inszenierung nicht ansehen würde) j u n g e Regisseur Benjamin Lazar begeht unglückseligerweise einen grundlegenden, fatalen Fehler: er verwechselt eine venezianische “ Proto- Operette“ mit einer französischen “ tragédie lyrique „, Lagunen- Unterhaltung mit Versailles-Repräsentation und ebnet in der Folge alle tragik- komischen Kontraste des ursprünglichen Genres zugunsten eines gestelzten höfischen Kunst-Stils in Diktion und Gestik ein.

Das ist alles schon falsch und schlimm genug. Erschwerend kommt hinzu, dass er sich – aufführungspraktisch “ historisch informiert “ – in puncto Beleuchtung eigentlich mit ein paar Dutzend Kerzen begnügt. Nun gut, das mag ja theatergeschichtlich im Prinzip stimmen, aber das muss man auch k ö n n e n, und damit s p i e l e n können – wie es z.b Sigrid T’Hooft in ihren Karlsruher Händel- Produktionen getan hat.

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Foto: Grand Théâtre

Hier entsteht – noch dazu in einem (wenn auch drehbaren) hässlichen Tempelruinen-Einheitsbühnenbild nur ein unendlich eintöniges und permanentes Halbdunkel. Dessen Sinn sich nicht erschließt (zuerst vermeint man, das Grand Théâtre hätte seine Stromrechnung nicht bezahlt) und somit auch den Sinn der Handlung sowie den Sinn dieser Unternehmung als ganzes im wahrsten Sinne des Wortes verd u n k e l t.

Das Verhängnisvollste an dieser einfältigen Regie-Entscheidung ist jedoch, dass diese mutwillige Obskurität leider auch die ansonsten tadellose musikalische Seiten der Aufführung mit sich in den Orkus zerrt.

Wunderbare Sänger – Marc Mauillon(Egisto), Claire Lefillâtre (Clorio), Isabelle Druet (Climene), Ana Quintans (Erste Hore) und David Tricou (Apollo) – sowie das exzellente Spezialistenensemble Le Poéme Harmonique unter ihrem erprobten Dirigenten Vincent Dumestre klingen aufgrund dieser Rahmenbedingungen – da das Auge das Ohr offenbar ebenso beeinflusst wie der Geruchsinn den Geschmacksinn – alle fürchterlich gleichförmig, wie mit einer grauen Sauce serviert.

Sehr sehr schade. Aber es gibt ja noch Dutzende Opern aus dem Cavallischen Werkverzeichnis wiederzuentdecken…

 Robert Quitta, Luxemburg

 

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