Der Neue Merker

LÜNEBURG: SUNSET BOULEVARD

Lüneburg: Noch bis April „Sunset Boulevard“ – 29.12.2013

Von Horst Schinzel

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Foto: Andreas Tamme/Theater Lüneburg

 Das Theater Lüneburg findet außerhalb der eigenen Region kaum die Beachtung, die ihm eigentlich zukommen würde. Dabei leistet das Drei-Sparten-Haus – das seit einem halben Jahrhundert in einem einst vor der damaligen britischen Besatzungsmacht erbauten vormaligen Kino spielt – Beachtliches.  Vor allem auf dem musikalischen Sektor. Das Musiktheater hat seit dieser Spielzeit einen neuen musikalischen Oberleiter, nach dem sich der langjährige Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus auf seine Aufgaben bei den Eutiner Festspielen konzentriert.

Seit Mitte November läuft im Hause – und das noch mindestens bis Februar 2014 – Andrew Lloyd Webbers Musical „Sunset Boulevard“. Dabei greift Webber Billy Wilders Film aus dem Jahr 1950 auf.  Angelehnt an die große (Film-) Musiktradition Hollywoods klingt die Musik symphonisch, melodientrunken, opulent und emotionsgeladen. Die Handlung lehnt sich eng an den Film an. Erzählt wird aus der Perspektive von Joe Gillis, einem jungen, arbeitslosen Drehbuchschreiber, der auf der Flucht vor seinen Gläubigern auf dem Anwesen der ehemaligen Stummfilmdiva Norma Desmond landet. Norma engagiert ihn, um ihr gerade fertig gestelltes Drehbuch zu einem Film zu überarbeiten, mit dem sie ihre Rückkehr auf die Leinwand plant. Joe lässt sich darauf ein, einerseits aus Geldmangel, andererseits aus Faszination für die morbide Atmosphäre in der Villa. Schließlich wird er Normas Geliebter – bis er sich in die junge Kollegin Betty Schaefer verliebt und das Unglück seinen Lauf nimmt …
Hintergrund ist die Zeit des Überganges vom Stummfilm zum Tonfilm.  Die bedeutete für viele Stummfilmstars das Ende ihrer Laufbahn.  Als das Fernsehen aufkam, sah Hollywood erneut sein Ende gekommen.

Regisseur Frank-Lorenz Engel, erstmals in Lüneburg engagiert, siedelt die Produktion ganz klassisch im Hollywood der 50er Jahre an. Als Norma Desmond und Joe Gillis sind Masha Karell und Kristian Lucas zu erleben. An ihrer Seite singen Luisa Rhöse (Betty Schaefer), Ulrich Kratz (Max von Mayerling), MacKenzie Gallinger (Artie Green), Oliver Hennes (Myron/Manfred) sowie der Haus- und Extra-Chor. Die Lüneburger Symphoniker spielen unter der Leitung von Nezih Seckin. Tänzerisch unterstützt wird die Produktion vom Ballettensemble des Theaters. Für das Bühnenbild und die Kostüme zeichnet Barbara Bloch verantwortlich.

Vor allem Masha Karell als alternde Diseuse Norma ist ein großartiges Erlebnis. Ihre Präsenz über 150 Minuten hinweg ist atemberaubend. Sie singt und spielt das übrige Ensemble glatt gegen die Wand. Ihre Mitspielerinnen und Mitspieler sind gut, aber verblassen gegen die überragende Kunst der Masha Karell. Das hat auch das Publikum der von uns besuchten Vorstellung am letzten Sonntag im Jahr so gesehen. Es erhebt sich bejubelt stehend diese Künstlerin. Erst das Fallen des Vorhanges setzt der Begeisterung ein Ende. Eine Aufführung, die ein Muss für jeden Musicalfreund sein sollte!

Nächste Vorstellungen

3. Januar 2014, 20 Uhr,12. Januar , 19 Uhr, 14. und 23. Januar, 20 Uhr,26. Januar, 19 Uhr

 

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