Der Neue Merker

LUDWIGSBURG/ Schlossfestspiele/ Ordenssaal: KONZERT MIT SIMON TRPCESKI & BAND. Blick in das Herz Mazedoniens

Makedonia – Simon Trpceski & Band bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen

BLICK INS HERZ MAZEDONIENS

Konzert mit Simon Trpceski & Band am 18.5.2017 im Ordenssaal bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen/LUDWIGSBURG

Obwohl es ein kleines Land ist, hat Mazedonien einen großen Reichtum an Liedern und Tänzen hervorgebracht. Davon konnte man sich am Donnerstag abend beim Konzert „Makedonia“ mit Simon Trpceski & Band überzeugen. Zusammen mit Hidan Mamudov (Klarinette & Kaval), Aleksander Krapovski (Violine), Alexander Somov (Violoncello) und Vlatko Nushev (Perkussion) präsentierte Simon Trpceski am Klavier verschiedene „Zöpfe“ des Komponisten Pande Shahov in unterschiedlichen Rhythmen – auch mit Gesang und Akkordeon. Dabei blickte man tief ins Herz Mazedoniens. Der lockere Tanz „Oro Pembe“ entwickelte sich im Zweivierteltakt wie von selbst. Auch bei den weiteren Sätzen „Berovka“ und „Malesevka“ blitzten orientalische Einflüsse auf. Die erste Runde endete dann mit dem zweiten Thema des populären „Crnogorka“ aus Skopska Crna Gora. Einen anderen Rhythmus brachte der nicht weniger temperamentvoll und ausgelassen interpretierte zweite Zopf im Zwölfachteltakt. Hier dominierte das irisierende Spiel der Hirtenflöte Kaval, die Hidan Mamudov in betörender Weise spielte. „Zu wem gehört dieses Mädchen?“ („Cije je ona devojce?“) gefiel als zartes lyrisches Lied. Auch der tänzerische Rhythmus von „Ibrahim odza“ ging sofort ins Blut. Der Neunachteltakt des dritten Zopfes brachte wiederum eine erhebliche harmonische Veränderung mit vielen schillernden Klangfarben. Ein langsamer Walzer mit Brahms-Zitaten verband sich mit mazedonischen Liedern. Bei „Verkauf dein Land nicht, Koljo“ („Ne si go prodavaj, Koljo, ciflikot“) warnte die Sängerin ihren Geliebten vor seinem riskanten Lebensstil. Sie flehte ihn an, sein Land nicht zu veräussern, da die Eltern sonst keine Hochzeit erlauben würden.

Das Ensemble interpretierte diese Passagen mit elektrisierendem Feuer. Dann folgten die beiden Tänze „Zetvarki“ („Ernte-Oro“) in melancholischer und „Cucuk“ in optimistischer Manier. Im vierten Zopf überraschten die ungewöhnlichen Metren im Achtzehnachtel- und Zweiundzwanzigachteltakt. „Veligdensko“ („Oster-Oro“) basierte auf dem Lied „Kinisalo maloj mome“ („Das Mädchen ist fortgegangen“). Und das Lied „Pomnis li libe, Todoro“ beschrieb nostalgische Gefühle, die sich tief einprägten. Der Siebenachteltakt im fünften Zopf beherrschte den fünften Zopf, der mit dem Eröffnungslied „Filka, moma“ rasant begann. Diese ungestüme „Oro der Männer“ leitete zum mixolydischen Modus von „Sitna lisa“ über, dessen melodische Intensität die Zuhörer ebenfalls stark beeindruckte. Ungewöhnliche Rhythmuswechsel überraschten das Publikum auch hier. Der Oro „Staro Cunovo“ begeisterte als „Oro der Braut“ mit starkem melodischem Ausdruck. Reizvolle Flöten-Impressionen brachte dann „Ratevka“. Und im letzten Zopf im Dreizehnachteltakt stach der Titel „Pelistersko“ von Tale Ognenovski hervor, der auf Pelister, den höchsten Gipfel der Baba-Berge, Bezug nahm. „Postupano“ überzeugte als atemloser Tanz aus der Region Skopje. Es war eine bewegende Hommage an das Land Alexanders des Großen. Riesenapplaus und Ovationen.

Alexander Walther

Diese Seite drucken