Der Neue Merker

LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: SCHUMANN-PHILHARMONIE CHEMNITZ

Robert-Schumann-Philharmonie im Forum am Schlosspark Ludwigsburg: MIT VIELEN TEMPERAMENTSAUSBRÜCHEN

Geigerin Hyeyoon Park und die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz am 12.5.2017 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

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Hyeyoon Park . Foto: Giorgia Bertazzi

Die plakative Wirkung steht bei Sergej Rachmaninows sinfonischer Tondichtung „Die Toteninsel“ op. 29 nach Arnold Böcklins gleichnamigem Gemälde im Zentrum des musikalischen Ausdrucks. Die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz gestaltete unter der kompetenten Leitung von Felix Bender die einzelnden Motive dieser Komposition mit starker Präzision und Klarheit. Pathetische Wucht stach so überall hervor, die Elemente hell und dunkel sowie fern und nah traten immer mehr in den Vordergrund. Das Boot mit dem Leichnam und der lichtbestrahlten Figur auf den riesigen Wasserflächen erhielt so eine ungeheure Intensität, die nicht nachließ. Der Fährmann Charon brachte die Toten laut griechischer Mythologie mit einem Nachen in das Totenreich. Dies hat Rachmaninow hier mit subtilen Melodien und gelegentlichen Temperamentsausbrüchen meisterhaft vertont. Das Auskosten der stimmungsvollen Atmosphäre und das harmonisch kunstvolle Umformen des thematischen Materials erreichte so eine große Dichte und Klarheit. Effektvolle Aufmachung, zart-sphärenhafter Zauber und rhapsodische Grundzüge gestaltete die vorzüglich musizierende Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz voller Emotion. Eine sehr gute spieltechnische Leistung bot anschließend die junge südkoreanische Geigerin Hyeyoon Park zusammen mit dem Orchester bei Antonin Dvoraks Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53. Temperamentvoll wurden bei dieser gelungenen Interpretation unter der Leitung von Felix Bender solistische Bravour mit slawischen Klängen und schöner Melodienfülle vereint. Der erste Satz mit seinen Stimmungsgegensätzen um das einprägsame Hauptthema erreichte eine starke Wirkungskraft. Vor allem die feine Balance zwischen Violine und Orchester blieb stets gewahrt. Es war schier unerschöpflich an Rhythmen und Melodien, die Hyeyoon Park in all ihrer Tiefe auslotete und wie eine knappe Improvisation herausarbeitete. So ging alles nahtlos in das Adagio ma non troppo über, wo sich die böhmischen Volksweisen fulminant entfalten konnten. Vor allem das hervorragend interpretierte Rondo-Finale spielte dann äusserst virtuos mt slawischen Tänzen. Furiant und Dumka bildeten einen wirbelnden Abschluss, der alle mitriss. Selbstglorifizirung im wilhelminischen Zeitalter steht bei der Tondichtung „Ein Heldenleben“ op. 40 von Richard Strauss im Mittelpunkt des Geschehens. Die Monumentalisierung der musikalischen Handlung stellte der kluge Dirigent Felix Bender nicht übermäßig heraus, Strauss wurde als überragender Instrumentator aber auch nicht vom Sockel geholt. Vor allem auf Details legte diese Interpretation mit der Robert-Schumann-Philharmonie großen Wert. Als Held und Kämpfer rechnete Strauss mit seinen Widersachern ab. Die Melodien der Gefährtin hoben sich dagegen hier in geradezu sphärenhafter Weise hervor. Erinnerungen an Bruckners siebte Sinfonie zeigten sich beim reizvoll gestalteten Kopfthema mit seinen vielen motivischen Entsprechungen. Die „Widersacher“ erschienen dabei als Ewig-Gestrige und kleinliche Nörgler, die den wunderbaren Legato-Bögen der Violine bei der Darstellung der „Gefährtin“ letztendlich nichts entgegensetzen konnten. Ein Glanz legte sich geheimnisvoll über die breit dahinströmende Liebesszene. Kriegerische Trompetensignale riefen den Helden dann in Wagner-Manier auf die „Walstatt“, wo es zur gewaltigen Schlacht mit den Widersachern mit viel bajuwarischer Selbstironie kam. Auch der Walzertakt kam mit Nonchalance daher, die den ungeheuren Klangapparat aufmischte. Kampflustig prallten die Themen aufeinander, Kaiser Wilhelm II. schien sogar kurz aufzublitzen. Bei „Des Helden Friedenswerke“ erschienen die Selbstzitate in Verflechtung mit „Don Juan“, „Macbeth“, „Tod und Verklärung“, „Eulenspiegel“ und „Zarathustra“ bin hin zu „Don Quixote“ in schillernder und glitzernder Weise. Und bei „Des Helden Weltflucht und Vollendung“ meldete sich das Englischhorn geradezu verführerisch, das das Signal für den letzten Orchesterzauber gab, der sich in sphärenhaftes Nichts auflöste. Riesenbeifall für dieses Forum-Konzert in Kooperation mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen. 

Alexander Walther       

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