Der Neue Merker

LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: LE CONCERT OLYMPIQUE – Caeyers/ Weithaas/ Fellner/Hornung

Le Concert Olympique am 18. November 2017 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

ZWISCHEN AUFBEGEHREN UND ERGEBUNG

Unter der Leitung von Jan Caeyers musizierte das junge Ensemble Le Concert Olympique im Forum. Der Belgier Caeyers hat als Musikwissenschaftler eine bahnbrechende Beethoven-Biographie veröffentlicht. Bei Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 in D-Dur Hob. 1:104 „Salomon“ ist die Nähe Mozarts und Beethovens spürbar, was man auch bei dieser auf Originalinstrumenten basierenden Wiedergabe merkte. Sehr gut gelang die zwischen Aufbegehren und Ergebung schwankende Adagio-Einleitung, die sich dann sphärenhaft nach Dur aufhellte. Jan Caeyers achtete als Dirigent immer wieder auf harmonische Durchsichtigkeit. Anklänge an die 94. Sinfonie ergaben sich bei diesem Thema von selbst. Die Energiefülle wirkte geglättet und gestrafft, ebenso die gründlich herausgearbeitete Verarbeitung des dritten und vierten Taktes dieses Themas. Schmerzhaft erschien dann das an Mozart erinnernde Andante, das wunderbar ausdrucksstark musiziert wurde. In den Variationen spürte man Schuberts Geist ganz dezent und feinnervig gespielt. Sinnendes Einhalten verstärkte diesen Eindruck noch. Kräftig meldete sich dann das Menuett zu Wort, während das Trio idyllisch wirkte. Das Finale zeigte seine Reize hier voll in ausgelassener Sonatenform, die Jan Caeyers mit dem jugendlichen Orchester zügig bändigte. Eine kroatische Volksweise erschien mit „Dudelsack“-Effekt, der in den Bässen erklang. Und das zweite Thema besaß Innigkeit und leise Wehmut. Befreiender Frohsinn beherrschte den Schluss.

Bildergebnis für till fellner
Till Fellner. Copyright: Ben Ealovega

Der in Wien geborene Pianist Till Fellner begeisterte dann bei Ludwig van Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 in Es-Dur op. 73, wo er vom Orchester Le Concert Olympique unter Jan Caeyers sehr einfühlsam begleitet wurde. Der prunkvoll-wuchtige Beginn war hier sehr heroisch. Fellner bot eine kühne, weitausgreifende Improvisation. Das Hauptthema kam dann männlich und straff sowie herausfordernd zugleich daher. In Moll erschien das Seitenthema herb und wendete sich dann in geheimnisvoller Weise nach Dur, was Till Fellner pianistisch sehr gut traf. Auch den träumerisch-versonnenen Solopart interpretierte er überzeugend. In der konzertierenden Durchführung gipfelten diese Gedanken in einer bewundernswerten thematischen Verarbeitung mit virtuoser sinfonischer Größe. Weihevoll wirkte die Melodie des zweiten Satzes, dessen stimmungsvolle Meditationen an Chopin gemahnten. Das Rondothema des Finales wurde dann in seiner übersprudelnden Ausgelassenheit hervorragend erfasst.

Bildergebnis
Antje Weithaas. Copyright: Giorgia Bertazzi

Antje Weithaas (Violine), Maximilian Hornung (Violoncello) und Till Fellner (Klavier) interpretierten  zusammen mit dem Ensemble Le Concert Olympique in ausgezeichneter Weise das Konzert für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester in C-Dur op. 56, das so genannte „Tripelkonzert“, von Ludwig van Beethoven. Das kammermusikalische Konzertieren stand hier deutlich im Mittelpunkt, Violine und Cello stachen in facettenreicher Weise heraus. Insbesondere der prickelnde Rhythmus der Schluss-Polonaise des letzten Satzes Rondo alla Polacca blieb in starker Weise im Gedächtnis. Der ganze Satz besaß konventionell-klassizistischen Glanz. Den stärksten Eindruck vermittelte bei dieser fieberhaft pulsierenden Wiedergabe allerdings der erste Satz mit seinem Dreiklang-Aufstieg, der wirklich in olympische Sphären entführte. Auch das Largo besaß durchaus bewegende Momente, die immer intensiver wurden. Der seelenvolle Gesang des Solocellos ging den Zuhörern unter die Haut. Sofern das Ensemble Le Concert Olympique noch mehr auf klare Konturen achtet, könnte sich die Qualität der Wiedergabe noch weiter steigern. Als grandiose und gefeierte Zugabe war außerdem Ludwig van Beethovens berühmte „Egmont“-Ouvertüre zu hören, die 1810 zu Goethes Trauerspiel entstand. Diese Tragödie hat den großen Freiheitskampf der Niederländer gegen die spanischen Unterdrücker zum Inhalt. Egmont ist der Held, der in Gefangenschaft gerät und hingerichtet wird. In der schweren Einleitung zeichnete Jan Caeyers das Leiden des Volkes in eindringlichen harmonischen Bildern nach. Das leidenschaftlich bewegte Allegro schilderte den Kampf mit den Unterdrückern. Beklemmend symbolisierten die harten, wuchtigen Akkorde das Leid der von Albas Gewaltregime terrorisierten Niederlande. Immer leidenschaftlicher formte sich der Hauptteil. Und aus den zarten Klängen der Holzbläser stieg in den Streichern ein unbeschreiblicher Siegesjubel auf, der in strahlendem Glanz die Verklärung des Heldentodes schilderte. „Fiedelio“ ließ grüßen.

Großer Schlussjubel des Publikums dankte hier dem fabelhaften Orchester.

Alexander Walther

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