Der Neue Merker

LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: ENSEMBLE LONDON BRASS – machtvolle Girlanden und Akkorde

Bildergebnis für london brass

London Brass am 14.12.2017 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

MACHTVOLLE GIRLADEN UND AKKORDE

2002 spielte das fulminante Ensemble London Brass anlässlich des Thronjubiläums der Queen in St. Paul’s Cathedral – und 2015 feierten die Musiker ihr 30jähriges Bestehen als Formation. Es sind auch Künstler des London Philharmonic Orchestra dabei. Mit feinen Staccati und Al-fresco-Figurationen startete das Programm mit dem „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi. Vor allem die kunstvollen thematischen Verbindungen wurden hier facettenreich ausgelotet. „Ding! Dong! Merrily On High“ von Jehan Tabourot entführte das Publikum in die reizvolle Welt der Renaissance, wobei auch hier die klare Intonation und spieltechnische Geschmeidigkeit dieses Ensembles auffiel. „Es ist ein Ros entsprungen“ als traditionelle Weise aus dem 16. Jahrhundert schuf anschließend eine interessante harmonische Verbindung, wobei die klanglichen Reize immer mehr hervorleuchteten. Hervorragend gestaltete London Brass dann das schwungvoll gespielte Concerto grosso f-Moll op. 6,8 von Arcangelo Corelli, wo sich das klassische Schönheitsideal überzeugend behaupten konnte. Schwerelose Statik und kunstvolle Form ergänzten sich hier mit bestechenden Nuancen und Arabesken. Eine gewisse tänzerische Beschwingtheit fehlte hier ebenfalls nicht. Bewegend und einfühlsam zugleich interpretierte London Brass John Rutters „Shepherd’s Pipe Carol„, wobei die melodische Schönheit glanzvoll aufstrahlte. „In dulci jubilo“ von Johann Sebastian Bach begeisterte mit voluminöser Strahlkraft und harmonisch machtvoller Größe bis hin zu imponierender Cantus-firmus-Technik. „O Holy Night“ von Adolphe Adam gefiel vor allem aufgrund des weichen Timbres in der tieferen Lage. „Nun seid ihr wohl gerochen“ aus dem „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach fesselte mit famosen kontrapunktischen Satzkünsten und erfrischender Klarheit. „O Come, All Ye Faithful“ von John Francis Wade zeigte wiederum erstaunlich großen Klangfarbenreichtum und dynamische Kraft, die auch auf William James Kirkpatricks „Away in a Manger“ ausstrahlte. „Coventry Carol“ als traditionelle Weise des 16. Jahrhunderts und das mit Handschlag ausgeführte baskische „Traditional“ mit dem vielsagenden Titel „Gabriel’s Message“ sowie „In the Bleak Midwinter“ von Gustav Holst zeigten das spieltechnische Niveau von London Brass in bestem Licht. Von Holst kennt man ja hierzulande eigentlich nur die sinfonische Dichtung „Die Planeten“. Hier zeigt er sich von einer noch sensibleren Seite. Lowell Masons „Joy to the World„, „John Stanleys „Trumpet Tune“ und Richard Storrs Willis‘ „It Came Upon the Midnight Clear“ bewiesen den eigentlich sinfonischen Zugriff dieses besonderen Blechbläserensembles.

Andrew Crowley, Gareth Small, Alistair Mackie, Simon Munday (Trompete), Richard Bissill (Horn), Amos Miller, Richard Edwards, Byron Fulcher, David Stewart (Posaune) und Oren Marshall (Tuba) beschlossen dieses ausgezeichnete Programm mit einem „Englischen Traditional“ – nämlich „The First Nowell“. Dabei blitzten Reminiszenzen an „Jingle Bells“ und „White Christmas“ auf. Eine schöne Weihnachtsüberraschung, die den „Brexit“ vergessen ließ.

Alexander Walther

Diese Seite drucken