Der Neue Merker

Luciana D’INTINO. Man soll den Rollen ihre Zeit geben.

LUCIANA D’INTINO (MEZZOSOPRANO)- Interview anlässlich der Wiener „Trovatore“-Premiere im Februar 2017.

Das Gespräch führte Elena Habermann in italienischer Sprache.

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Luciana D’Intio. Foto: Wiener Staatsoper

Die Azucena in Il Trovatore ist die zweite Premiere der Mezzosopranistin an der Wiener Staatsoper.

Die  aus dem Friaul (Provincia di Pordenone) stammende Künstlerin gewann fast alle großen Wettbewerbe, wie beispielweise Spoleto. Ihr Debüt fand 1982 in Venedig satt. Ein Jahr später war bereits die Azucena ins Repertoire aufgenommen., aber bald stellte die Künstlerin fest, dass sie noch nicht die Reife für diese Rolle hat und legte sie über zwanzig Jahre lang „aufs Eis.“

In Wien debütierte sie 1995 als Amneris. Darauf folgten Eboli und sehr oft die Leonora di Guzman. Diese beiden Rollen hat sie inzwischen aus ihrem Repertoire genommen. Die Eboli ist ganz anders in der Tessitura und leichter geschrieben, die Azucena ist für einen reifen Mezzo – fast schon Contralto. Nun  ist die Zeit der Azucena gekommen! Jetzt kann sie sich auch mit der Situation dieser Außenseiterin voll identifizieren, kann verstehen, dass man in dieser Lage nie mehr in ein normales Leben zurück kann. Azucena verliert in einem Moment ihre Mutter und auch ihren Sohn, diese Frau kann nie mehr froh werden und lebt nur noch für ihre Rache. Ein Torso ohne Seele. So sieht sie in der Azucena auch wenig die Medea. Weiters findet sie, dass gerade die Azucena die erste große typische Verdi – Mezzopartie ist. Verdi wollte auch diese Oper immer lieber „Azucena“ nennen. Die Mezzorollen davor wie Fenena, Cuniza sind doch noch sehr im Stile Donizettis, also sehr belcantesk. Somit freut sie sich auf die Wiener Premiere und ist auch sehr glücklich, die Azucena sehr bald wieder in Spanien, in Oviedo singen zu können.

Luciana D’Intino ist eine Künstlerin, die nie vom Ehrgeiz bzw. dem Gefühl getrieben, etwas versäumt zu haben, nach Rollen gehastet hat. Sie kann warten, und das hat sich in ihrem Fall absolut bewährt.

Als „Neuerwerbung“ kann man auch die Principessa in Suor Angelica nennen. Das ist wieder eine Rolle, kurz aber gewichtig und für eine „Persona maturo“ konzipiert. Ganz besonders freut sie sich auf die Ulrica, die sie, man kann es kaum glauben, erstmals 2019 in Paris singen wird. Sie findet es ganz normal, dass eben jetzt die Zeit des Wechsels der Rollen gekommen ist. Man soll sich nicht auf jung trimmen, man soll den Rollen ihre Zeit geben.

Sie selber bezeichnet sich als „Artigiana  del canto“, sozusagen Handwerkerin des Gesangs. Sie studierte unter anderen bei Maestro Bononi und Mirella Paruto, von der sie die berühmte „italienische Schule“ übernehmen durfte, diesen Stil gibt sie auch als Professorin an der Schule der Scala gerne weiter. Auch international sind ihre Masterclassen sehr gefragt

Die Mutter eines 30 jährigen Sohns sang über hundert Vorstellungen an der Scala, welche sie als „ihr Opernhaus“ bezeichnet, aber wie alle italienischen Sänger liebt sie die Häuser ihrer Heimat über alles. Nach Wien kommt sie immer wieder gerne und fühlt sich an der Staatsoper sehr wohl, auch jetzt wieder während der sehr anstrengenden Endproben für die Trovatore –  Premiere.  

Eine Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan kam nach einem sehr erfolgreichen Vorsingen im Jahre 1989 in Salzburg leider nicht mehr zustande.

Sie sang im Laufe ihrer nun schon sehr sorgsam aufgebauten langen Karriere unter allen großen Dirigenten wie Riccardo Muti, Zubin Mehta u.s.w. Die Arbeit mit Marco Armiliato findet sie besonders bereichernd.

Wir wünschen alles Gute, „boca  lupo per la prima!“

Elena Habermann

(Das Gespräch wurde in italienischer Sprache geführt)

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