Der Neue Merker

LIVE BY NIGHT

FilmPoster  Live by Night~1

Filmstart: 3. Februar 2017
LIVE BY NIGHT
USA  /  2016 Regie: Ben Affleck
Mit: Ben Affleck, Zoe Saldana, Sienna Miller, Elle Fanning, Chris Cooper, Brendan Gleeson u.a.

Ben Affleck zählte immer zu jenen Hollywood-Schauspielern, deren Ambitionen (vielleicht, weil er selbst spürt, dass er als Darsteller nie in die Spitzenklasse reichen wird?) weiter gingen: produzieren, schreiben, Regie führen. Und am besten doch noch die Hauptrolle spielen. Alles zusammen verwirklicht er nun in seinem Film „Live by Night“. Dass er, wie mit seinem letzten Werk „Argo“ bei der „Oscar“-Verleihung fest mitmischt, war diesmal nicht zu befürchten: Nominierungen gab es diesmal rechtens keine. Ist ja auch nur gut gemachte, aber mittelmäßige Unterhaltung geworden.

Ben Affleck wollte offensichtlich zweierlei: erstens einen jener Klassiker nachstellen, wie sie über die Prohibitionszeit in den USA schon oft gedreht wurden (und was optisch einen echten Nostalgie-Touch ergibt), und zweitens sich selbst als Darsteller in die Rolle eines „eiskalten Engels“ versetzen – wozu sein allzu braves Gesicht jedoch nicht wirklich taugt.

Junge Männer, die Söhne von braven Vätern, zumal Polizisten sind (wieder einmal der großartige Brendan Gleeson in einem Kurzauftritt) wittern, dass auf der richtigen Seite des Gesetzes nicht das große Geld zu machen ist. Also begleitet man Joe Coughlin (Affleck) dabei, wie er bewusst die falsche wählt. Man schreibt 1926, eine Gangsterkarriere beginnt mit Einbrüchen, bevor man nach der Chef-Etage strebt.

Das geht auf und ab, auch mit den Frauen seines Lebens – Emma (Sienna Miller), die Freundin eines gar nicht nachsichtigen Gangsters, Szenenwechsel von Boston in den Süden, dort die schöne Gangsterfrau Graciella (Zoe Saldana), schließlich die fanatisch in einer religiösen Sekte agierende Sheriff-Tochter Loretta (Elle Fanning) –  solch ein Damenreigen bringt schon Farbe und jede einen Handlungsstrang für sich.  

Und auch als man nach der Prohibition in andere dunkle Geschäfte umsteigen muss, ist unser Held, obwohl zwischendurch immer wieder in der Bredouille, souverän dabei – rund um Cuba kann mit Waffen verdient werden, Rum-Schmuggel tut es auch (die „Rum Runners“ waren eine Sache für sich), das Geld fließt, man wird elegant (und heiratet Graciella).

Im Mittelpunkt immer Ben Affleck, der uns glauben machen möchte, dass er imstande ist, einen Gegner, den er zum scheinbar kultivierten Gespräch trifft, in aller Ruhe aus der Hüfte zu erschießen… Er wäre halt so gern ein eiskalter Engel. Er ist es nicht. Aber als Drehbuchautor großzügig zu seinem Helden – ein halbes Happyend gibt es doch, wenn auch nur ein halbes.

Sicher, Affleck macht ordentliche Filme, wenn das ein Lob ist  – immerhin hat man es noch mit einem mittel-spannenden, schön ausgestatteten Nostalgie-Gangster-Epos zu tun, in dem ausreichend geschossen, gemordet, gebrandstiftet wird, um die Freunde des Genres zu bedienen. Nur in irgendeiner Weise innovativ ist es nicht.

Renate Wagner

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