Der Neue Merker

LINZ/ Musiktheater: „NACHRICHT VON SAM“ Musical von Dave Stewart/Glen Ballard und Bruce Joel Rubin nach dem Film von Paramount Pictures.. Premiere

Linz:„NACHRICHT VON SAM“– Premiere am Musiktheater des Landestheaters, Großer Saal, 18. 03.2017

Buch und Gesangstexte von Bruce Joel Rubin, Musik und Gesangstexte von Dave Stewart und Glen Ballard nach dem gleichnamigen Film von Paramount Pictures

Deutsch von Ruth Deny (Dialoge) und Roman Hinze (Gesangstexte); Dramaturgie ArneBeeker

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Anaïs Luekens. Copyright: Reinhard Winkler

Deutschsprachige Erstaufführung in Zusammenarbeit mit Stage Entertainment mit besonderer Genehmigung von Colin Ingram und Hello Entertainment; Stage entertainment verfügt über Spielstätten in Hamburg, Oberhausen, Stuttgart und Berlin, wo im „Theater des Westens“ im Dezember des Jahres diese Produktion ihre Deutsche Premiere erleben wird.

Ein romantischer Fantasy-Thriller war im Kino 1990 DER Renner: „Ghost“ mit Patrick Swayze, Demi Moore und Whoopie Goldberg in den Hauptrollen; letztere erhieltfür ihre Oda Mae Brown u. a. einen Oscar®. Neben der zwischen Sentimentalität, Hintersinn und Thriller spielenden Geschichte und den starbesetzten Rollen hat der Film noch einem Faktor seinen Erfolg zu verdanken: der Verwendung eines Schlagers von HyZaret und Alex North aus dem Jahr 1954. Dieser ertönte erstmals im weniger bekannten Film „Unchained“, gesungen von Todd Duncan. Les Baxter mit seinem Orchester errang mit dem Stück in einem reichlich triefenden Arrangement vom Jänner 1955 die erste Billboard-Nr. 1 der Komposition; im Mai des Jahres waren gleichzeitig vier Aufnahmen dieses Liedes in den top 40! Die „Unchained Melody“ blieb, besonders in der 1990 verwendeten Aufnahme der Righteous Brothers vom 2. März 1965, einer der großen Evergreens.

Der Film wurde zu einem Bühnenmusical, das am 14. Mai 2011 in Manchester Uraufführung hatte.Esdreht sich um ein Liebespaar, Sam Wheatund Molly Jensen, das durch Sams Ermordung getrennt wird. Als Geist kann Sam aus einem „Zwischenreich“ mit Geisterkollegen und mit der Hilfe einessolide betrügerischen Mediums (demer erst klar machenmuß, daßeswirklich Kontakte zum Jenseits pflegen kann)den Mord an ihm und andere Verbrechenaufklären und die Schuldigen bestrafen, worauf er sich von seiner Molly endgültig ins Jenseits verabschiedet.Die UnchainedMelody zieht sich auch durch das ganze Musical, und mit diesem Geniestreich kann es die Originalmusik nicht ganzaufnehmen. Was aber Darsteller und Produktionsteam absolut nicht daran hinderte, eine hinreißende, mitunter atemberaubende show daraus zu machen.

Vom keyboard aus leitet Stefan Diederich eine Band, die sich „Black Beauty and Friends“ nennt: Wolfgang Boukal (Bass), Wolfgang Bründlinger (Gitarren), Klaus Ganglmayer (Trompete), MalvaHatibi (Violoncello), Gerald Landschützer (keyboards, Programmierung), Daniela Mülleder (Violine) und Karlheinz Schmid (Saxophone & Klarinette); Ewald Zach am Schlagzeug wurde im Orchestergraben, der dieser kleinen Besetzung reichlich Auslauf bietet, aus Balancegründen in ein Schallschutzkabäuschen gesetzt. Diese Damen und Herren legten ein solide rockendes, schmachtendes oder auch tief im Soul schöpfendes Fundament für die Bühne. Die Balance zwischen Musik und Darstellern war sowohl rhythmisch als auch in der Abmischung (Sounddesign Andreas Frei) perfekt, insgesamt ist ein sehr transparentes Klangbild gegeben.

Man kann sich wahrlich nicht beschweren, daß die Musicalproduktionen im neuen Musiktheater seit 2013 ärmlich oder unterprobt wären; aber die Einladung des großen Partners ermöglichte zusätzliche Details, die eine sehr gute Produktion zu einer perfekten machen; denn auch am Theater ist es so wie mit den meisten anderen Dingen: für die allerletzten Verbesserungsschritte steigt der Aufwand exponentiell… Die Inszenierung besorgte Spartenchef Matthias Davids – glaubwürdige Personenführung, packende Emotionen und atemberaubend perfektes timing bis zum letzten Detail! Alleine schon, wenn sich die „Geister“ vergeblich mühen, in die Aktionen der Lebenden einzugreifen, kommt dermaßen überzeugend, dass man sich fragt, ob man gerade lebende Menschen oder einen Filmtrick sieht. Hier spielt auch die Choreografie (Lee Proud) eine wichtige Rolle – und dass man für die Produktion sogar einen professionellen Illusionisten (Nils Bennett) engagiert hat, merkt man mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen immer wieder!

Die Bühne (Hans Kudlich) wird ja auch in Berlin bestehen müssen – und dieses höchst schlaue (und verblüffend bewegliche) Arrangement von Säulen und Trägern, wie von Geisterhand bewegten Versatzstücken und weiteren mobilen Details, bis hin zu einem U-Bahn-Zug, wird das wohl schaffen! Kudlichs Videodesign, zusammen mit der Wiener Animationswerkstatt „Atzgerei“, nutzt die Bauten zudem für genau abgezirkelte Projektionen, die New Yorker Straßenszenen, Büroumgebung und vieles andere evozieren.

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Ana Milva Gomes, Riccardo Greco. Copyright: Reinhard Winkler

Die Kostüme (Leo Kulaš) bleiben überwiegend im realistischen Heute (samt einer sehr bunten Oda Mae Brown); nur bei einigen Geistern merkt manan deren liebevoller Ausgestaltung, dass ihr Hinscheiden schon länger zurückliegen muß… Das schon à prori sehr aufwendige Lichtdesign (Michael Grundner), glänzt auch damit, daß mit den Verfolgern die Akteure je nach ihrer lebendigen/geisterhaften Existenz unterschiedlich ausgeleuchtet werden, was bei den oft turbulenten Szenen gewaltiger Stress für die Beleuchter sein muß.

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Riccardo Greco, Gernot Romic. Copyright: Reinhard Winkler

Sam Wheat ist Riccardo Greco; er hat schon viele Hauptrollen hier in Linz perfekt gestaltet, und auch an diesem Abend ist er gesanglich wie darstellerisch einfach perfekt! Anaïs Luekens Molly Jensen kommt gleichrangig hervorragend über die Rampe – verliebt, verwirrt, verängstigt in völliger Natürlichkeit, mit höhensicherem Sopran. Die Oda Mae Brown ist eine dankbare Rolle mit viel Komik und noch mehr Voodoo-umwittertem Soul; Ana Milva Gomes, demnächst als “Dancing Star”im ORF, erweckt sie mit großer Spielfreude wie Stimme zu prallem Leben. Carl Bruner, der neben seiner Freundschaft zu Sam auch andere Facetten hat, ist mit Peter Lewys Preston mit seinem weiten darstellerischen und sängerischenSpektrum ebenso rollendeckend besetzt.

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Rob Pelzer. Copyright: Reinhard Winkler

Als höflicher „Krankenhaus-Geist“, der Sam in seine neue Lage einführt, ist Rob Pelzer in ungewohnt nüchterner Rolle zu sehen; auch anderen Figuren verleiht er fein differenziert Leben. Der zornig rappende U-Bahn-Geist von Gernot Romic sorgt auch mit großem Körpereinsatz für Staunen. Ariana Schirasi-Fard und Gina Marie Hudson geben lustvoll Oda Maes Assistentinnen, auch einige Ensembleparts, zusammen mit Mischa Kiek (als Sams Mörder auch Solist), David Eisinger, Nicolas-Boris Christahl, Jan-W. Schäfer, André Naujoks, Thomas Karl Poms, Ruth Fuchs, Rita Sereinig, RaphaelaPekovsek, Anna-Julia Rogers, Nina Weiß, Rachel Colley, Wei-Ken Liao und Lynsey Thurgar.

Begeisterter Applaus für diese perfekte „Off-Ku‘damm“-Produktion, die auch in Berlin gute Figur machen sollte!

Petra und Helmut Huber

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