Der Neue Merker

LINZ/ Musiktheater: DIE HEXEN VON EASTWICK . Musical von Dana P.Rowe

Publikumserfolg im Musiktheater Linz:

„Die Hexen von Eastwick“ von Dana P. Rowe (Vorstellung: 27. 12. 2013)

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Die Hexen von Eastwick: Lisa Antoni, Kristin Hölck und Daniela Dett (Foto: Armin Bardel)

 Einen großen Publikumserfolg verzeichnete das im April eröffnete, neugebaute  Musiktheater am Volksgarten in Linz mit der Musical-Produktion „Die Hexen von Eastwick“ von Dana P. Rowe (Musik) und John Dempsey (Buch und Liedtexte). Alle Vorstellungen waren bis dato ausverkauft, eine Situation, von dem die Vereinigten Wiener Bühnen zurzeit nur träumen können. Mit der in Linz neugegründeten Musical-Sparte könnte das Landestheater Linz den Vogel abgeschossen haben.

 Die Österreichische Erstaufführung des Musicals, das nach einem Roman von John Updike entstand, wird in Linz in deutscher Sprache mit Bildschirmtiteln gebracht, die auf deutsch, englisch und tschechisch (auf der Lehne des Vordersitzes) zu lesen sind.

 Die Handlung in Kurzfassung:  Die Friedhofsruhe des kleinen Städtchens Eastwick wird durch die Ankunft des Kunsthändlers Darryl Van Horne empfindlich gestört. Drei Frauen – die Bildhauerin Alexandra, die Journalistin Sukie und die Musiklehrerin Jane – träumen vom  perfekten Mann und entdecken dabei ihre magischen Fähigkeiten. Sie lassen sich mit ihm auf einen flotten Vierer ein, einen „erotischen Tanz mit dem Teufel“. Am Ende muss Van Horne erkennen: „Der Mann ist nur ein Witz in Gottes Schauerroman“.

 Dazu ein Zitat aus dem informativ gestalteten Programmheft: „Was eine Kultur über Hexerei zu sagen hat, ob im Spaß oder im Ernst, hat viel zu tun mit ihren Auffassungen über Sexualität und Macht, insbesondere mit der Aufteilung der Macht zwischen den Geschlechtern.“

 Matthias Davids inszenierte das Werk sehr flott und in manchen Szenen auch humorvoll, wobei vor allem die Tanzszenen beeindruckten (Choreographie: Melissa King). Gefällig auch die aufwendige Ausstattung (Bühnenbild: Hans Kudlich, Kostüme: Susanne Hubrich). Für die magische Lichtgestaltung sorgte Fabrice Kebour. Von besonderem Reiz war die Schlussszene des ersten Akts, als die drei Hexen mit langen, wallenden Gewändern minutenlang durch die Lüfte schwebten, was vom Publikum mit tosendem Applaus bedacht wurde.

 Wie bei Musicals üblich geworden, war das Sängerensemble mit Wangenmikrophonen ausgestattet und befleißigte sich auch bei den gesprochenen Texten einer Lautstärke, die stets in Geschrei ausartete. Ein immer wieder zu erlebender Nebeneffekt der „Stimmkrücken“.

 Reinwald Kranner gab den Kunsthändler Darryl Van Horne, dem die Frauen von Eastwick reihenweise verfallen, recht ansprechend. Über Gesangsqualitäten zu schreiben, macht  zurzeit bei Musical-Aufführungen mit derart ohrenbetäubender Phonstärke keinen Sinn. Als Hexen von Eastwick machten die drei Darstellerinnen – Kristin Hölck als Bildhauerin Alexandra, Daniela Dett als Gesangslehrerin Jane und Lisa Antoni als Journalistin Sukie –  durchwegs eine gute Figur. Auch konnten alle drei in ihren Rollen schauspielerisch überzeugen. 

 In der Rolle der Felicia, die sich in ihrem extrem religiösen Wahn in einen Hass gegen Darryl und seine Hexen hineinsteigert, bot Karen Robertson eine darstellerisch ausdruckstarke Leistung, mit Komik stattete Rob Pelzer die Rolle des von ihr oft gedemütigten Ehemannes Clyde aus. Deren Tochter Jennifer, die von Darryl verführt wird, wurde von Ariana Schirasi-Fard dargestellt.

 Das routinierte Bruckner-Orchester Linz sorgte unter der Leitung von Marc Reibel für die musikalische Klangkulisse, die auch von Rock-, Jazz- und Soulmelodien durchsetzt war.

Durch die meiner Ansicht nach zu extreme Verstärkung der Musik waren kaum mehr Nuancen der Partitur herauszuhören. Man kann dadurch auch Schwächen der Komposition übertünchen…

 Das Publikum im ausverkauften Musiktheater schien dennoch begeistert und zollte  allen Mitwirkenden minutenlangen Beifall, das bei jugendlichen Besuchern übliche Gejohle am Schluss einer Vorstellung blieb auch in Linz nicht aus.

 Udo Pacolt

 

 

 

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